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Coverartwork (Quelle: Splitter)

Fakten

Comic: Sky Doll 1 – Die gelbe Stadt
Autoren/Zeichner: Barbara Canepa &
Alessandro Barbucci
Verlag: Splitter
Seiten: 48
Lesezeit: ca. 40 Minuten
Format: 23,3 x 1,2 x 32,2 cm
Erschienen: 01.05.2014
Preis: 14,80 €

Handlung

Die Puppe Noa arbeitet zusammen mit anderen Dolls unter ihrem ungerechten und aufbrausenden Boss in der Astrowaschanlage Heaven auf dem Planeten Papathea. Dort muss sie leicht bekleidet und stets mit einem Lächeln auf den Lippen auf laszive Art und Weise die Raumschiffe und Gleiter der Kunden waschen. Eines Tages hält sie ihr tristes Dasein nicht mehr aus und ergreift die Flucht. Sie schleicht sich an Bord zweier päpstlicher Gesandter und gerät so an den gutmütigen Roy und den etwas grantigen Jahu. Eigentlich wollte Noa nur raus aus ihrem bisherigen Leben. Als blinde Passagierin auf dem Schiff der Gesandten entfernt sie sich weiter von ihrem bisherigen Leben als sie es sich erträumt hätte…

Kurzreview

Der erste Band der Reihe Sky Doll führt den Leser in die Welt der Geschichte ein. Die eigentliche Handlung von Noas unbefriedigendem Leben und ihrer Flucht an Bord des Raumschiffes ist überschaubar. Alles was geschieht, passiert um den Leser mit der Storyworld vertraut zu machen und die Charaktere einzuführen. So lernt der Leser etwa die Geschichte der zwei Päpstinnen kennen, die mit höchster Wahrscheinlichkeit die Grundlage für den Hauptkonflikt der Rahmenhandlung bilden wird. Die Religiösen Motive und vor allem die unverhohlene Religions- und auch Medienkritik bilden hierbei eine wichtige Komponente des Comics. So lässt etwa die herrschende Päpstin Ludowika „Wunder“ inszenieren um ihre Umfragewerte zu verbessern und den Zulauf zu ihrer als zweite Päpstin abgesetzte Schwester Agape zu verhindern. Für den Konflikt der beiden Schwestern als Hauptmotiv der Serie spricht auch, dass die Verehrung Agapes im Untergrund trotz Verbot thematisiert wird. Neben der Religions- und Medienkritik wirft der Comic in seinem ersten Band aber auch Fragen zu Identität und Persönlichkeit auf. Dieser Komplex rankt sich vor allem um die hübsche Puppe Noa, die sich mehrfach verbal zu Wehr setzt, wenn sie nur als Stück Plastik abgetan wird. Die Puppen sind in den Augen der Meisten nicht mehr als Lustobjekte oder Sklaven. Noa ist vor allem auch interessant, weil sie Dinge hinterfragt und sehr selbstreflektiert ist. So erkennt sie etwa, [Spoiler – Text zum lesen markieren] dass sie sich nur durch ihre ganz persönlichen Erinnerungen von den anderen Puppen unterscheidet und diese Erinnerungen alles sind was Sie zu dem macht was sie ist. [Spoiler ende] Weitere wichtige Figuren sind Noas mehr oder weniger unfreiwillige Begleiter Jahu und der gutmütige Roy. Jahu wird in diesem Band vor allem durch seine recht barsche Art charakterisiert. Für zukünftige Bände deutet sich allerdings an, dass hinter Jahus rauer Schale mehr stecken könnte und er geheimnisse zu haben scheint. Sein gutmütiger Freund und Kollege Roy mit dem Herzen am rechten Fleck hingegen wird eher direkt durch seine Taten und Worte charakterisiert. So ist er etwa der einzige der Noa menschenwürdig behandelt, sie ernst nimmt und geneigt ist ihr zu Helfen. Alles in allem scheint das Trio also durchaus fähig zu sein, die Serie zu tragen.
Lässt sich zur Handlung und zu den Charakteren nach nur einem Band noch nicht viel sagen, kann man mit Gewissheit jedoch eines festhalten: Die Optik des Comics ist absolut herausragend! Mit sehr catoonmäßig überzeichneten aber wirklich schönen Charakterdesigns und fantasievoller Architektur, Städten und Raumschiffen bekommt der Leser einiges geboten. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle die tolle Mimik der Figuren. Der überzeichnete Stil zahlt sich hier absolut aus. Egal ob traurig müdes Lächeln, freudiges Strahlen oder bittere Enttäuschung. Jede noch so kleine Nuance menschlicher Emotionen lässt sich ablesen. Diese Liebe zum Detail beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Gesichter. Das alles lebt vor allem auch von der tollen Kolorierung. Jede Szene hat ihr eigenes stets stimmungsvolles Farbdesign mit reduzierter Farbpalette. Optisch ein Genuss!
Seitens des Splitterverlags bekommt man optisch und haptisch die übliche Qualität geboten. Hochwertiger matter Hardcovereinband außen und schweres angenehm seidenmattes Papier innen. In der mir vorliegendes Erstausgabe gab es jedoch leider ein paar kleinere Satzbau- und Tippfehler. Den tollen Gesamteindruck trübt das aber nur wenig.

Fazit

Sky Doll Band 1 besticht mit grandioser Optik und greift mutig gleich mehrere komplexe Themengebiete wie Religions- und Medienkritik, Identität/Persönlichkeit und Unterdrückung auf. Zugunsten einer ausgiebigen Exposition, welche dem Leser ein klares Bild der Ausgangslage verschafft, rückt die Handlung im ersten Band etwas in den Hintergrund. Die spannende und interessante – und nun bekannte – Welt bildet ein mehr als solides Fundament für die Fortsetzungen.

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