Kann Spoiler zu den vorherigen Bänden enthalten!

sky_doll_03_cover
Coverartwork (Quelle: Splitter)

Fakten

Comic: Sky Doll 3 – Die weiße Stadt
Autoren/Zeichner: Barbara Canepa &
Alessandro Barbucci
Verlag: Splitter
Seiten: 48
Lesezeit: ca. 45 Minuten
Format: 23,3 x 1 x 32,2 cm
Erschienen: 01.10.2014
Preis: 14,80 €

Handlung

Während Noa, Roy und Jahu von Aqua direkt Kurs auf die Fernsehstation im Orbit Papatheas nehmen, nimmt der Konflikt zwischen den Anhängern Agapes und Ludowikas Regierungstruppen auf der Planetenoberfläche weiter unten allmählich bürgerkriegsähnliche Ausmaße an. In einer Marathon-Show sollen die beiden „Helden“, die Ludowikas Siegeszug in der Galaxis fortgesetzt haben in dem sie für ein Aussterben der aquarianschen Rasse sorgten, empfangen und geehrt werden. Doch die Sendung läuft ganz anders als gedacht: Erst stachelt die Showmasterin Frida Dezibel die beiden Freunde gegeneinander aus und konfrontiert Jahu mit seiner Vergangen und dann stürmen hochrangige Anhänger Agapes auch noch das Studio und nehmen alle als Geiseln. Mit Waffengewalt wollen sie Ludowikas Herrschaft beenden.


Frida Dezibel:
Auch du wirst die strahlende Herrlichkeit ihrer Heiligkeit Ludowikas Preisen können. Halleluja!

Noa:
Ich interessiere mich nicht sonderlich für Religion… oder für Politik…

Frida Dezibel:
Natürlich! Niemand interessiert sich wirklich dafür. Aber Sie bezahlt die ganze Scheiße! Du wirst sehen, es wird dir hier gutgehen.


Kurzreview

Vom Aufbau her unterscheidet sich der dritte Band kaum von den Vorgängern: Die drei Helden kommen mit dem Raumschiff zu Ort X und verlassen diesen auf der letzten Seite wieder mit ihrem Raumschiff Richtung Ort Y. Gefühlt enthält dieser Band allerdings minimal mehr Text als Die gelbe Stadt und Aqua.
Nachdem die ersten beiden Bände vor allem religionskritisch waren und das Thema satirisch aufnahmen widmet sich Band drei vor allem der Mediensatire. Den Rahmen dafür liefert Frida Dezibels Marathon-Sendung, die wiederum eines von Ludowikas Propagandainstrumenten ist. Oder Viel mehr ein Instrument der Hintermänner. Denn Ludowika scheint lange nicht so mächtig zu sein wie sie sich selbst gern sehen würde. Dazu kommt noch der Verräter im Kreise ihrer engsten Vertrauten, den sie auch noch liebt, obwohl sein Herz nur für Agape zu schlagen scheint. Ludowika wird also mehr und mehr zu einer tragischen Figur. Aber zurück zur Medienkritik: Die Autoren teilen hier kräftige Seitenhiebe gegen Reality-TV-Formate wie Big Brother, gegen die Ausbeutung und Zurschaustellung einfacher Leute als Schauobjekte und gegen Quotengeile Talkmaster aus. Das Ganze ist natürlich immer mit einer kleinen Prise Humor präsentiert. Dieser kommt etwa dann zum Vorschein, wenn Roy und Jahu erkennen, dass sie nur gegeneinander aufgewiegelt werden.
Überhaupt machen die Charaktere wieder weitere Entwicklung durch. Jahu zum Beispiel hat seine Tat auf Aqua alles andere als kalt gelassen. Der vorher so barsche Jahu schlägt nun auch mal bedauernde Töne an und leidet darunter, dass er seine Freundschaft zu Roy stark geschädigt hat. Roy hat auf Aqua gewissermaßen seine Unschuld verloren und verschleiert seinen Schmerz und seine Wut mit Zynismus. Nur Noa glaubt an den „guten Roy“ und schafft es ihn wieder ein wenig aufzumuntern. Sie ist inzwischen gewissermaßen Teil der Crew und sorgt sich um ihre Freunde. Mit einer Puppe hat sie schon lange nichts mehr gemeinsam. Das liegt nicht nur an ihrer am Ende des zweiten Bandes entdeckten Fähigkeit Tote wieder zum Leben zu erwecken und einer möglichen Verbindung zu Agape, sondern daran, dass sie gezwungen wird schwierige Entscheidungen zu treffen. An dieser Zwangslage ist vor allem die mysteriöse Stimme in Noas Kopf schuld, die sich erstmals als ihr „Vater“ bezeichnet und sie zu sich ruft. In Anbetracht dieser Entscheidungen zeigt sich Noa sehr menschlich. Speziell bei ihr spielt das Künstlerduo Barbucci/Canepa seine größte Stärke aus: Ich habe bisher in keinem Comic – zugegebenermaßen habe ich nicht allzu viele gelesen – so ausdrucksstarke Mimik gesehen. Diese ist bei allen Charakteren generell aber bei Noa ganz besonders großartig und wandert auf dem schmalen Grat zwischen cartooniger Überzeichnung und subtilen realistischen und Nuancen im Minenspiel. Gepaart mit dem eigenständigen hübschen Charakterdesign, der Liebe zum Detail und der großartigen wirklich schönen Kolorierung ist auch der dritte Band optisch wieder ein Leckerbissen. Bei der Gestaltung Seitens Splitter ist auch alles beim alten.

Fazit

Mit dem dritten Sky Doll Band liefern Barbucci/Canepa optisch wieder ein echtes Brett ab. Aber auch erzählerisch und vor allem mit seinen Hauptfiguren kann der Comic überzeugen. Mir gefiel vor allem die gegenüber den Vorgängern deutlich präsentere Medienkritik sehr gut.

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