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Poster (Quelle: 20th Century Fox)

Gestern war es endlich soweit und ich war im Kino um einen hoffentlich mal wieder guten Tim Burton Film zu sehen nachdem er mit Filmen wie Alice im Wunderland oder Big Eyes ein wenig geschwächelt hat.

Fakten

Titel: Die Insel der besonderen Kinder
Regie: Tim Burton
Genre: Fantasy / Abenteuer / Jugendbuchverfilmung
Studio: 20th Century Fox
Laufzeit: 127 Minuten
Erschienen: 06.10.2016

Handlung

Der 16-jährige Jacob findet seinen Großvater eines Abends im Sterben Liegend und ohne Augen im Wald. Sein Großvater trägt ihm in seinen letzten Momenten auf die walisische Insel zu besuchen, auf der er als Junge Unterschlupf fand als er im zweiten Weltkrieg vor den Nazis aus Polen flüchten musste. Widerwillig reist Jacobs Vater auf Empfehlung einer Psychologin mit seinem Sohn auf die besagte Insel um Jacob bei der Trauerbewältigung zu helfen. Während sein Vater Vögel beobachtet macht sich Jacob auf die Suche nach Miss Peregrines Zuhause für besondere Kinder. Er findet jedoch nur eine Ruine aus dem zweiten Weltkrieg. Am nächsten Tag fasst der Junge mehr Mut und macht sich daran das verfallene Haus zu erkunden. Im Inneren trifft er eine Gruppe mysteriöser Kinder, die ihn zu einer Höhle führen. Diese Höhle dient als eine Art Portal und bringt Jacob direkt ins Jahr 1943, in dem er die etwas schräge aber liebevolle Miss Peregrine kennenlernt. In ihrem Hause wird er ziemlich schnell mit allerhand… Besonderheiten und der Vergangenheit seines Großvaters konfrontiert.

Kurzreview

Der Film fängt für mein Empfinden recht gemächlich an und kommt ziemlich ähnlich wie die üblichen Jugendbuchverfilmungen daher. Am ehesten lässt er sich vielleicht mit einer Mischung aus den ersten und den letzten Harry Potter Filmen vergleichen. Ähnlich wie Harry eröffnet sich dem jungen Jacob eine völlig neue faszinierende Welt, die aber schnell ihre düsteren Seiten offenbart – so wie in den ersten respektive späteren Harry Potter Filmen. Auch in Aufbau und Struktur gleicht der Film anderen Jugendbuchverfilmungen sehr. Es geht wie so oft ums Erwachsenwerden, die erste Liebe und um die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Dabei Ist Jacob zu Beginn der übliche Außenseiter ohne Freunde der nur zu seinem Großvater eine innige Beziehung hat. Im Laufe der Geschichte erweist er sich aber als Auserwählter/jemand mit einer besonderen Gabe und wächst über sich hinaus. Das natürlich nur mit Hilfe seiner Freunde. Soweit ist an dem Film eigentlich absolut nichts neu. Das macht den Film recht vorhersehbar, tut seinem Unterhaltungswert jedoch keinen Abbruch. Was diesen Film von anderen Jugendbuchverfilmungen etwas abhebt ist die interessante Zeitschleifen-Idee und die hübsche walisische Insel als Location. Und natürlich Tim Burtons unvergleichlicher Stil zwischen Düsternis, schrägem Humor, viel Phantasie, schrulligem Charme und immer einem Hauch Magie, der in der Luft liegt. Eva Green als Miss Peregrine etwa ist mit ihrem ganz speziellen Charme ideal besetzt und allein für sich schon durchaus sehenswert. Neben Eva Green hat auch Barron-Darsteller Samuel L. Jackson sichtlich Spaß an seinem bösen Charakter. Durch seine Schrulligkeit wird dem Bösewicht – passend zur Altersfreigabe – etwas von seiner Bedrohlichkeit genommen.  Aber auch die Kinder- und Jugendlichen machen ihre Sache gut.
Wenn wir grade schon beim Thema Altersfreigabe sind… FSK12 bedeutet bei uns, dass 6-Jährige in Begleitung ihrer Eltern diesen Film schon sehen dürfen. Grade in Anbetracht der durchaus gruselig erscheinenden und augenfressenden Hollows, die wiederum seitens der Kinder durchaus mit einer gewissen Brutalität bekämpft werden, halte ich diese Einstufung für durchaus fragwürdig. Aber auch als 12-Jähriger hätte ich damals sicherlich Albträume bekommen. In einigen Ländern gibt es noch eine Art Zwischenstufe mit einer Altersfreigabe ab 14 Jahren. Eine ähnliche Regelung fände ich für solch einen Film durchaus angemessen. Aber zurück zum Film.
Nach dem CGI-Overkill und dem sehr künstlichen Look von Filmen wie Alice im Wunderland zeigt sich Burton dieses Mal wieder wesentlich geerdeter. Das tut dem Film eindeutig gut, da so die angedeutete Weltkriegsthematik und die eigentliche Dramatik der Geschichte besser rüberkommen. Vor allem kann so das hübsche realistischere Bühnenbild seine Wirkung besser entfalten. Selbstverständlich gibt es aber auch in diesem Film wieder jede Menge CGI und andere Spezialeffekte. Diesen sehen im Groß auch gut bis Teilweise sehr gut aus. Besonders schön sind beispielsweise die Unterwasserszenen geworden oder einfach beeindruckende Szenen, wenn etwa das Schiff aus dem Meer auftaucht. Aber grade bei den vollständig animierten Hollows gibt es auch 2, 3 Szenen, die etwas detailarm und wenig plastisch aussehen. Bei den Hollows gefiel mir aber das Spiel mit dem Umstand, dass die meisten diese nicht sehen können. Die Kamera nimmt abwechselnd die Sichtweise sehender- und nicht sehender Perspektiven ein. Dies sorgt für mehr Dynamik und vor allem für mehr Spannung in den Kampfszenen. Außerdem kann Tim Burton durch diesen Umstand auch seine kindlich naive Ader ausspielen, wenn die Kinder etwa mit Schneebällen und anderen klebenden Gegenständen nach den Monstern werfen um diese sichtbar zu machen.
Aber wie fast jeder Film kommt auch die Insel der besonderen Kinder nicht ohne gewisse Logiklöcher aus. [SPOILER – Text zum Lesen markieren] Etwa dann wenn die Kinder das Schiff vom Grund des Meeres heben aber kein Leck oder ähnliches geflickt haben. Wodurch ist dann das Schiff damals gesunken? Oder was macht die Affenfrau die ganze Zeit, nachdem sie im finalen Kampf nach oben geflüchtet ist? Schaut sie die ganze Zeit nur zu bevor sie sich nach Minuten dazu entscheidet doch wieder einzugreifen? [SPOILER ENDE] Die üblichen kleinen Lücken eben.

Fazit

Die Insel der besonderen Kinder könnte das geerdetere Werk sein, durch das sich ehemalige Burton-Fans nach CGI-Overkills wie Alice im Wunderland oder dem eher schwächelnden Big Eyes wieder mit dem Regisseur versöhnen können. Eine leider etwas vorhersehbare aber durch Burtons Liebe zum Detail und seinen schrullig-charmanten Stil trotzdem sehr unterhaltsam geratene Jugendbuchverfilmung.

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