kubo_plakat
Quelle: Universal Pictures Germany

Fakten

Titel: Kubo – Der tapfere Samurai
Regie: Travis Knight
Genre: Stop-Motion, Familienfilm, Fantasy
Studio: Laika / Focus Features
Laufzeit: 102 Minuten
Erschienen: 27.10.2016

Handlung

Altes Japan. Der junge Kubo lebt allein mit seiner Mutter versteckt in einer Höhle etwas außerhalb eines kleinen Dorfes. Wenn der Junge sich nicht grade um seine geschwächte Mutter kümmert, verzaubert er die Dorfbewohner als magisch begabter Musikant und Geschichtenerzähler um ihr gemeinsames Leben zu finanzieren. Durch sein Spiel kann Kubo Origamifiguren nämlich magisches Leben einhauchen. Eines Tages schafft es der kleine Kubo abends aber nicht rechtzeitig vor Sonnenuntergang nach Hause und wird von den geisterhaften maskierten Schwestern seiner Mutter angegriffen. Sie wollen sein übriges Auge – Kubo hat nur noch eines – für den Mondkönig stehlen. Ehe Kubo sich versieht stolpert er in eine seiner viel erzählten Abenteuergeschichten hinein. Begleitet von seinem zum Leben erwachten Affentalisman Monkey und einem verwunschenen namenlosen Käfer-Samurai mit Gedächtnisverlust begibt sich Kubo auf den Spuren seines verstorbenen Vaters auf die Suche nach drei legendären Artefakten: dem Schwert, der Rüstung und dem Helm seines Vaters.

Kurzreview

Die Geschichte um Kubo und seiner Suche nach den drei Reliquien ist eine klassische Heldenreise, die sich grob an bekannten Mustern wie griechischen Dichtungen oder Strukturen klassischer Fantasyliteratur orientiert. Der heranwachsende Junge bekommt eine schwere Aufgabe gestellt und muss sich dazu auf eine lange gefährliche Reise begeben. Dabei lernt er jede Menge über sich und den Lauf der Welt. Auch, dass man alleine nicht besteht. Darum bekommt Kubo zwei Beschützer und Freunde zur Seite gestellt, die ihm bei seiner beschwerlichen Reise unter Einsatz ihres Lebens beistehen. Alles ganz klassisch also. Außerdem ist das alte Japan voller Magie und fantastischer Geschöpfe. Grade diese Magie, die ständig in der Luft liegt, ist wirklich bezaubernd und macht den Film zu etwas Besonderem.
Kubo gibt einen sehr gelungenen Hauptcharakter ab, da er absolut nachvollziehbar, kindlich rein aber nicht naiv, humorvoll, gütig und aufopferungsvoll ist. Achja, und natürlich ist er überaus mutig, kreativ und clever. Aber grade dass er trotzdem die Unterstützung zweier Gefährten benötigt und nicht immer weiß was er tun soll, macht ihn besonders nahbar und sympathisch. Vor allem unterstreicht dieser Umstand auch die Botschaft des Films: Wie für einen Familienfilm üblich stehen Vertrauen, Familie, Freundschaft, Güte und Vergebung im Zentrum der Geschichte. Das alles wird behutsam verflochten und ganz beiläufig ohne erhobenen Zeigefinger impliziert. Das erfordert natürlich, dass Kubos Begleiter Monkey und der namenlose Käfer-Samurai nicht nur Beiwerk, sondern wichtige Figuren mit tragenden Rollen sowie persönlichen Stärken und Schwächen sind. Auch das ist hervorragend gelöst. Die mysteriöse Monkey spielt die harte Affenfrau und Beschützerin, die vor nichts zurückschreckt, aber einen besonders weichen Kern hat. Aber auch der Käfer-Mann hat seine Momente. Durch seine verpeilte bis manchmal sogar etwas dümmliche Art hätte der Charakter durchaus zur Lachnummer verkommen können. Tatsächlich hat der vierarmige Hüne durchaus einige… nennen wie sie „Peter Griffin Gedächtnis-Momente“. Das ist manchmal sehr stumpf und flach, aber ich fand ein paar dieser Momente wirklich witzig. Wem‘s gefällt. Aber wenn es drauf ankommt ist der Samurai mit vollem Eifer bei der Sache und bereit sein eigenes Leben zu riskieren um Kubo und Monkey zu helfen. Außerdem steckt er, auch wenn er manchmal dünn angerührt erscheint, voller Talente und mausert sich für Kubo zu einer Art Vaterfigur. Zudem widmet sich der zentrale Twist des Films nur bedingt Kubo, sondern viel mehr seinen zwei Begleitern. Aber auch die „Bösen“ können sich sehen lassen. Besonders die beiden maskierten Schwestern von Kubos Mutter geben zwei wirklich toll gestaltete und irgendwie auch coole Bösewichte ab. Da sie nur sehr wenig Screentime haben, stört es auch nicht zu sehr, dass ihre Bosheit etwas unmotiviert erscheint. Sie sind „böse“ weil sie eben „böses wollen“. Ähnlich verhält es sich mit dem Mondkönig als finalen Endgegner. Natürlich ist Kubo der tapfere Samurai ein familien- und kindergerechter Film. Darum sei ihm die relativ strickte schwarz-weiß-Zeichnung verziehen. Die Ambivalenz eines Dark Knight etwa wäre diesem Werk schlicht unangemessen. Vor allem kann das traurig schöne Ende des Films über diesen Umstand etwas hinwegtäuschen.
Darüber hinaus ist Kubos Abenteuer wirklich hübsch anzusehen. Die Kombination klassischer Stop-Motion und computergenerierter Elemente ist wahrlich gekonnt und vor allem sehr künstlerisch umgesetzt. Das ist nicht weiter verwunderlich, da das Studio Laika für seine Stop-Motionfilme Coraline, ParaNorman oder die BoxTrolls bekannt ist und somit über jede Menge Erfahrungen in diesem Bereich verfügt. Die Landschaften und die Bilder an sich sind wunderschön durchkomponiert und auf ihre Art und Weise eher reduziert aber gleichzeitig doch voll kleiner Details. Aber die wirkliche Stärke sind zum einen die ausdrucksstarken Gesichter, die eine breite Palette an allen möglichen Emotionen und auch feine Nuancen zum Ausdruck bringen können und die gelungenen Actionsequenzen. Die sind natürlich – typisch Stop-Motion – nicht ganz butterweich, aber toll inszeniert und müssen sich so auf keinen Fall hinter Vollblut-Actionfilmen verstecken. Diese beiden Stärken sind grade bei einem Stop-Motion Werk besonders beeindruckend, Hut ab!

Fazit

Kubo ist ein wahrlich bezaubernder Stop-Motion-Animationsfilm für die ganze Familie. Das alte Japan, die Magie, der Mal kindgerechte Mal subtil erwachsene Humor, die liebevolle Gestaltung der Welt und ihrer Bewohner und die bewährte Erzählstruktur mit traurig-schönem Ende haben mir überaus gut gefallen. In meinen Augen ein ganz heißer Oscarkandidat für den besten Animationsfilm!

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