Der Manga Orange gilt unter Kennern als eines der besten Shojo-Werke (für eine jugendliche weibliche Zielgruppe) der letzten Jahre (veröffentlicht zwischen 13.03.2012 und 25.08.2015; erscheint inzwischen auf Deutsch bei Carlsen Manga). Als man dann eine Animeadaption des Stoffes angekündigte wurden schon die ersten Jubelschreie laut. Doch was taugt die Anime-Serie wirklich? Den Manga kenne ich bislang übrigens nicht. Daher kann ich leider nicht sagen inwiefern sich beide Fassungen voneinander unterscheiden.

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Quelle: Crunchyroll.com

Fakten

Anime-Serie: Orange
Folgen: 13 á ca 23 Minuten
Stream: Crunchyroll.com
Veröffentlicht: 03.07.16 ‑ 25.09.16
Manga: Auf Deutsch bei Carlsen Manga

Handlung

Der Anime folgt der 16-jährigen Oberschülerin Naho und ihren Freunden. Zu Beginn des neuen Schuljahres erhält sie einen Brief von ihrem zehn Jahre älteren Selbst aus der Zukunft, das ihr prophezeit, dass sie sich in den, an diesem Tag neu in die Klasse kommenden, Mitschüler Kakeru verlieben wird. Doch in dem Brief steht noch mehr: Kakeru wird in einigen Monaten sterben. Ihr zukünftiges Selbst gibt ihr im Brief Ratschläge, was sie tun soll um die traurige Zukunft abzuwenden. Naho und ihr Freunde nehmen den neuen Mitschüler in ihrem Freundeskreis auf und eine Geschichte voller Liebeswirren und Schicksalsschläge nimmt ihren Anfang…

Kurzreview

Wer schon einmal einen Shojo-Anime gesehen oder -Manga gelesen hat, der findet sich in der Serie schnell zurecht. Denn Aufbau und Struktur sind bewehrt und wagen keine wirklichen Experimente bei gemächlichem Erzähltempo. Vorhersehbar oder weniger spannend und unterhaltsam macht es die Serie aber auf keinen Fall. Die Hauptfigur Naho Takamiya ist eine ganz typische Shojo-Protagonistin. Soll heißen: Sie ist schüchtern, hängt sehr an ihren Freunden, ist eher als Mauerblümchen inszeniert aber nett, zuvorkommend und eigentlich sogar ziemlich süß. Das fällt natürlich komischerweise nur ihrem besten Freund auf. Und natürlich Kakeru. Ihr Love-Interest, der dunkelhaarige Kakeru, hat natürlich eine tragische Hintergrundgeschichte: Als er grade mit seinen neuen Freunden unterwegs ist verstirbt seine Mutter. Zu allem Überfluss gibt er sich selbst die Schuld an ihrem Tod, redet darüber aber mit niemandem und trägt so die ganze Zeit ein Trauma mit sich herum. Abgesehen von dieser Background Story hat der Charakter aber leider nicht sonderlich viel zu bieten. Er ist zwar ganz nett, trifft aber ein paar komische Entscheidungen und hat nach meinem Empfinden recht wenig Persönlichkeit. Besser geschrieben und interessanter wegen seines inneren Zwiespalts ist Nahos bester Freund Suwa, der auch einen sehr guten Draht zu Kakeru hat. Suwa ist sehr sensibel aber gütig und würde für seine Freunde alles tun. Das machte ihn für mich zu einem der sympathischsten Figuren des Anime. Die weiteren drei Figuren der Clique sind ebenfalls sympathisch aber nur schmückendes Beiwerk und relativ stereotyp. Da wären die aufgeweckte und lebensfrohe Murasaka, der etwas eigenbrödlerische aber insgeheim sehr gutmütige Strebertyp Hagita sowie die hübsche und etwas kühl erscheinende Takako. Die beiden Mädels übernehmen ganz wie man es aus anderen Shojo-Romanzen kennt die Funktion der Flügelfrauen und Beschützerinnen der Hauptfigur. Der Cast kann sich so alles in allem sehen lassen, bietet aber nichts Neues.
Was den Anime von anderen vergleichbaren Serien abhebt ist die Erzählung auf zwei Zeitebenen und Zeitlinien. Immer wieder wird nämlich die Gruppe von 5 Freunden gezeigt, die in der Zukunft die Briefe geschrieben haben. Das ist eine nette Idee. Ebenfalls gut gefiel mir das Artwork. Das Charakterdesign ist sehr gelungen und setzt nicht auf sexualisierte Darstellung der Figuren, wie es im Gegensatz bei Shounen-Werken meist üblich ist, ist aber dennoch schick. Gepaart mit meist besser geschriebenen Charakteren einer der Gründe, weshalb ich zwischendurch gerne mal einen Shoujo- oder Josei-Anime gucke. Auch das Background-Artwork ist nichts was man nicht schon einmal gesehen hätte, aber es ist sehr hübsch und stimmig. Dazu trägt auch das fröhlich freundliche Farbdesign bei. Die Animationen der Serie sind absoluter Standard und fallen weder positiv noch negativ auf. Mit den üblichen gelegentlichen Standbildern musst man aber Leben. Diese tauchen meist bei der Exposition nach einem Standortwechsel auf.

Fazit

Orange erfindet das Shoujo-Format in seiner TV-Form zwar keineswegs neu, ergänzt es mit den zwei Zeitebenen und Zeitlinien jedoch um eine interessante neue Komponente. Changierend zwischen Romanze, Drama und Komödie ist die Serie sehr „sappy“, also „sad and happy“ zugleich und unterhält über die Länge von dreizehn Episoden sehr gut.

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