Fakten

fluestern-des-meeres
Cover Artwork, Universum Film

Titel: Flüstern des Meeres: Ocean Waves
[Studio Ghibli Blu-Ray Collection]
Regie: Tomomi Mochizuki
Genre: Drama, Slice of Life, Romanze
Studio: Studio Ghibli
Publisher: Universum Film
Laufzeit: 75 Minuten
Erschienen: 05.05.1993 (Japan),
09.10.2009 (Deutschland)

Handlung

Als die hübsche neue Mitschülerin Rikako aus Tokio in das kleine Städtchen Kochi kommt, bringt sie das Leben der Freunde Yutaka und Taku gehörig durcheinander. Mit ihrer arroganten und verwöhnten Art hat es das Mädchen schwer sich in der neuen Klassengemeinschaft zu integrieren, doch die beiden Jungs stehen ihr bei. So kommt es, dass Rikako den ahnungslosen Taku dazu bringt während der goldenen Woche mit ihr nach Tokio zu fliegen. Das sorgt für jede Menge Gerüchte und passt dem in Rikako verliebten Yutaka natürlich überhaupt nicht…

Kurzreview

Anders als in den meisten Ghibli-Filmen gibt es hier keine fantastischen Elemente, große Konflikte oder Umweltthemen. Wie etwa bei dem Fernsehfilm „Stimme des Herzens“ auch, ist die Geschichte eher bodenständig und dreht sich um das Highschoolleben der drei Hauptfiguren Rikako, Taku und Yutaka. Es geht ums Erwachsenwerden, Liebe und Freundschaft. Auch dies sind natürlich zentrale Themen der Filme des Studio Ghibli. Die Romanze – wenn man sie denn so nennen möchte – hält sich eher im Hintergrund und wird subtil erzählt. In erster Linie würde ich den Film als „Slice of Life“ einordnen. Der Film erzählt die Geschichte hauptsächlich aus der Perspektive des sympathischen aber manchmal vielleicht etwas begriffsstutzigen Taku. So ist er auch der einzige Charakter, dessen Gedanken der Zuschauer gelegentlich als Offtext zu hören bekommt. Also wechseln sich Ich-Erzähler und Beobachterperspektive ab. Diese Erzählweise funktioniert prima und die Perspektivwechsel fallen überhaupt nicht auf.
Die zentralen Charaktere sind in ihrer Konstellation durchaus interessant, wobei die beiden Jungs relativ blass bleiben. Yutaka ist der etwas cleverere der beiden Jungs und blickt ziemlich schnell hinter Rikakos arrogante Fassade und verliebt sich in sie. Viel mehr bekommt der Charakter leider nicht zugstanden. Die zentrale Figur Taku hingegen ist zwar nicht dumm, tut sich aber schwer damit Rikakos Verhalten zu deuten. Obwohl er von ihrer Seite ziemlich viel abbekommt ist er trotzdem sehr interessiert und möchte ihr helfen. Das fand ich auf den ersten Blick ziemlich verwunderlich, da die neue Mitschülerin Rikako sich die meiste Zeit alles andere als sympathisch präsentiert. Sie ist arrogant, greift auch mal zur Ohrfeige und lässt fast alles ungefiltert verbal raus. Aber hinter all dem verberben sich eigentlich nur Unsicherheit und die Wut und Trauer über ihren Vater und ihren Umzug von Tokio nach Kochi. Heute würde man ihr Wohl das Label Tsundere verpassen, auch wenn der Charakter etwas vielschichtiger zu sein scheint als es das Label in heutigen Serien verspricht. Die Ganze Situation und die Geschichte hat zwar ein paar Logiklöcher oder zumindest fragwürdige Situationen – würde ein Oberschüler mal eben mit nach Tokio fliegen, 400 Dollar locker flockig an wen fast fremdes verleihen und so viel Geld überhaupt mit auf eine Klassenfahrt nach Hawaii(?) nehmen? – aber erscheint sehr aus dem Leben gegriffen. Denn Menschen sind nicht unbedingt rational und wann sie sich in wen verlieben ist nicht immer unbedingt nachvollziehbar und kann die kleinsten Auslöser haben. Das Ende des Films finde ich rückblickend inzwischen auch gar nicht mehr so schlecht. Es passt zum Ton des Films. Das größte Problem des Films war in meinen Augen die recht kurze Laufzeit von 75 Minuten. Mit ein wenig mehr Zeit hätten die Charaktere mehr Zeit gehabt sich zu entfalten, was dem Film sicherlich gutgetan hätte.
Optisch kann sich der Film von 1995 auf jeden Fall sehen lassen. Die Zeichnungen haben den typischen Ghibli-Look, lassen auf Grund des Settings aber nicht den Raum für fantasie- und liebevolle Details. Das Charakterdesign erinnert eher an das Königreich der Katzen als an Klassiker wie Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise oder Totoro. Abseits der Figuren gibt es in den Bildern allerdings recht wenig Bewegung, dafür kommen komplette Standbilder gar nicht vor. Die deutschen Sprecher machen auch einen guten Job und wurden gut gewählt, das hat man bei Anime definitiv schon unpassender gehört. Lediglich der Soundtrack ist nur… zweckmäßig. Den empfand ich manchmal als etwas nervige Mischung zwischen „Fahrstuhl-Gedudel“ und „Pornomusik“.

Fazit

Flüstern des Meeres ist für mich einer der schwächsten Ghibli-Filme. Er ist weniger fantasievoll, dafür aber mitten aus dem Leben gegriffen. Die Charaktere hätten mehr tiefe verdient, was sie manchmal wohl auch etwas nachvollziehbarer gemacht hätte. Wenn man aber keine klassische Romanze erwartet, sondern eher einen Slice of Life-Film über das Erwachsenwerden, dann bekommt man einen ganz guten Film geboten, dem eine längere Laufzeit jedoch besser gedient hätte.

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