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Poster by Paramount Pictures

Fakten

Titel: Arrival
Regie: Denis Villeneuve
Genre: Science-Fiction, Drama, Mystery
Studio: Paramount Pictures
Laufzeit: 117 Minuten
Erschienen: 24.11.2016

Handlung

Zwölf muschelförmige schwarze Gebilde tauchen wie aus dem Nichts an verschiedenen Orten über den ganzen Erdball verteilt auf. Ziemlich schnell steht eines fest: Es handelt sich um die Raumschiffe einer außerirdischen Lebensform. Eines dieser Raumschiffe landete mitten im Herzen der USA. Das US-Militär stellt deshalb umgehend einen wissenschaftlichen Stab um die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) und den Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) zusammen um das Raumschiff zu untersuchen und vor allem um Kontakt zu den Aliens aufzunehmen. Doch wie tritt man mit einer Lebensform in Kontakt deren wahlgesangähnliche Sprache, deren Schrift und deren Denkweise und Hirnstruktur sich signifikant von der unseren unterscheidet?

Kurzreview

Die Story des Films ist im Grunde recht überschaubar und erinnert in ihrem „Feeling“ sehr an wissenschaftlich angehauchte Romane von Michael Crichton oder Frank Schätzing. Die Aliens landen auf der Erde und Louise wird mehr oder weniger zwangsrekrutiert und in eine völlig unbekannte Situation geworfen. Die meiste Zeit widmet sich der Film wirklich der Kommunikation mit den Aliens und vor allem der Entschlüsselung der selbigen. Der Zuschauer erhält einen guten Einblick in Louises Arbeit und wie der Kontakt mit den Aliens sie allmählich verändert. Der Film konzentriert sich dabei sehr auf das wesentliche und erzählt in ruhiger und sachlicher Manier von der harten Arbeit der Übersetzung und Dekodierung. Dem wird immer wieder das Weltgeschehen gegenübergestellt. Darüber wie andere Wissenschaftler mit den Aliens umgehen erfährt man recht wenig. Das ist jedoch auch gar nicht nötig. Interessant ist jedoch wie unterschiedlich die Menschen auf die Ankömmlinge aus den Weiten des Alls reagieren. All dies wird jedoch nur am Rande erwähnt und dient vor allem der Inszenierung des spannenden Finales. Aber nicht nur das finale ist spannend. Der Film schafft es über die volle Laufzeit von knapp zwei Stunden das Interesse und die Spannung sehr hochzuhalten. Dies schaffte bei mir vor allem die durchaus faszinierende und auch als Leihe einigermaßen nachvollziehbare linguistische Arbeit.
Regisseur Denis Villeneuve setzt seinen nahezu dokumentarischen Stil, wie man ihn schon aus Sicario kennt, fort. Gepaart mit dem häufig eher kühlen Farbdesign wahrt der Film so stets eine Gewisse Distanz zum Geschehen. Dass der Zuschauer sich dennoch vor allem mit Louise identifizieren kann, liegt zum einen an dem starken Fokus auf ihre Person – wir erleben die Geschichte trotz aller Distanz größtenteils aus ihrer Perspektive – und zum anderen an den immer wieder eingestreuten kurzen Episoden aus ihrem Privatleben. Diese Einschübe sind deutlich intimer und wärmer als der ansonsten eher unterkühlte restliche Film und verstärken durch diesen Kontrast die Bindung des Zuschauers an den Charakter. Zunächst wirken diese Einschübe manchmal willkürlich und man mag sich fragen was sie eigentlich bedeuten sollen. Der Clou dabei ist, dass sich die Bedeutung dieser Aufnahmen erst mit der Auflösung des Films erschließt. Die von mir weiter oben beschriebene Distanz zum Geschehen äußert sich vor allem in der tollen Kameraarbeit des Films. Director of Photography Bradford Young arbeitet häufig mit schönen aber eben sehr neutralen Zentralperspektiven. Häufig werden die Charaktere recht frontal von vorn gezeigt oder mit Steadycam zentralperspektivisch verfolgt. Das Besondere dabei ist, dass selten alles im Fokus zu erkennen ist. Meist liegt die recht geringe Tiefenschärfe auf Louise und nicht auf dem Geschehen durch welches sie sich bewegt. Dies Isoliert sie von der Umgebung. Im Falles des Militärischen Lagers identifiziert sie sich somit eher als eine Art Fremdkörper – als Alien. Von den eigentlichen Aliens hingegen wird sie deutlich weniger isoliert. Die unaufgeregte Kameraarbeit ist wirklich schön anzusehen und steht gleichzeitig voll und ganz im Dienste des Storytellings und erinnert sicherlich nicht zufällig gelegentlich an Space Odyssey. Gefiel mir wirklich sehr gut.
Zu den Charakteren möchte ich an dieser Stelle gar nicht viel erzählen, da sich eigentlich nur zu Louise ein bisschen was sagen lässt. Andere wichtige Charaktere wie Ian oder Colonel Weber, gespielt von Jeremy Renner und Forest Whitaker, dienen lediglich der Unterstützung des Hauptcharakters. Besonders Forest Whitaker kommt dabei zu kurz. Er bekommt nicht die Gelegenheit zu zeigen was er kann. Ähnlich ergeht es Jeremy Renner. Was sie zeigen können ist jedoch gewohnt gut. Durch ihre Funktion als alles tragende Hauptfigur sticht Amy Adams natürlich deutlich hervor und macht ihre Sache wirklich gut. Die clevere konzentrierte Wissenschaftlerin nehme ich ihr jederzeit ab. Aber vor allem in Louises schwachen Momenten, wenn sie völlig überarbeitet und müde ist und sich langsam verändert kann Adams zeigen was sie draufhat und leistet wirklich gute Arbeit.
Bei allen guten Worten für den Film ist mir eine Schwäche jedoch besonders aufgefallen: Die CGI hat einige ziemlich schwache Momente. Beispielsweise einige Panzer aus der Vogelperspektive sind eher mäßig texturiert und perspektivisch nicht ganz korrekt. Aber auch einige Hubschrauber oder etwa computergenerierte Objekte die „out of Focus“ sind, fielen mehr negativ auf. Die Raumschiffe oder etwa die Aliens hingegen sind absolut zeitgemäß umgesetzt und sehen gut aus. Die physische Ausstattung der Sets ist jedoch wirklich stimmig und gut gelungen. Vor allem das schlichte, in Schieferoptik gehaltene Innere des Raumschiffs fand ich in seiner Schlichtheit irgendwie faszinierend. Neben den tollen Sets trägt vor allem noch der Soundtrack zur Atmosphäre des Films bei. Der ist dabei sehr minimalistisch. Er setzt auf tiefe Drone-Sounds und wahlgesangartige Geräusche ganz ähnlich der Sprache der Heptapoden. Das Ganze ist nicht wirklich schön, aber äußerst stimmungsvoll und passte sehr gut. Häufig gab es auch gar keine Musik, was in gewisser Weise auch eine bewusste Soundtrackentscheidung ist und zur Intensität des Films beiträgt.

Fazit

Von der zwar interessanten aber dann doch vielleicht weniger realistischen Auflösung einmal abgesehen ist der Film in seiner nüchternen Schönheit ein toll gefilmter, sehr spannend inszenierter und auf seine Weise sehr realistischer Science-Fiction Film. Er ordnet sich damit irgendwo zwischen realitätsnahen Science Fact-Filmen wie Gravity, Moon oder der Marsianer und etwas abgehobeneren Titeln wie Interstellar oder Space Odyssey ein. Arrival kann man als „instant Classic“ des modernen Science-Fiction Films betrachten. Unbedingt auf der großen Leinwand anschauen!

Trailer

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