Es ist endlich soweit und Rogue One: A Star Wars Story hat die deutschen Kinos gestürmt. Ich habe den Film bereits letzte Nacht in einer Mitternachtspremiere gesehen und möchte euch meine Meinung weitestgehend Spoilerfrei darlegen. Spoiler schreibe ich in weiß – um gelesen zu werden müsst ihr an den entsprechenden Stellen nur den Text markieren. Die Star Wars Woche ist nun auch leider schon wieder vorbei. ich hoffe sie hat euch gefallen! Lasst mir doch bitte euer Feedback hier. Viel Spaß und Möge die Macht mit euch sein!

Handlung

Die Handlung ist schnell erzählt: Die junge Frau Jyn Erso wird von einigen Rebellen aus imperialer Gefangenschaft befreit, denn sie ist die Tochter von Galen Erso, dem klugen Wissenschaftler, der die neue imperiale Superwaffe konstruiert hat – den Todesstern. Da die Rebellen hoffen, dass der rebellierende Extremist Saw Gerrera den Aufenthaltsort von Galen Erso kennt und näheres über die Gerüchte zur imperialen Super-Waffe weiß, wird Jyn von der Rebellenallianz zwangsrekrutiert um Saw, der sie aufgezogen hat, aufzustöbern und mit ihm zu reden. Auf Grund seiner extremen Haltung gab es nämlich ein Zerwürfnis mit der Allianz. Ziemlich schnell steht eines fest: Die Gerüchte sind war und die Waffe scheint sogar noch viel gefährlicher zu sein als es zu ahnen war. Mit dieser mächtigen Waffe könnte das Imperium seine Terrorherrschaft über die Galaxis zementieren und die aufflammende Rebellion im Keim ersticken…

Kurzreview

Fangen wir doch gleich mit der Handlung an: Die ist relativ überschaubar und wenn man ehrlich ist wenig überraschend weiß dabei dennoch gut zu Unterhalten und legt vor allem in der zweiten Hälfte ordentlich an Spannung zu, wenn der Film in der Schlacht um Scariff allmählich zum richtigen Kriegsfilm wird. Dass man einen Teil des Endes der Geschichte bereits vorher kennt fällt überhaupt nicht ins Gewicht. Viel mehr kann sich der geneigte Fan über die wirklich gelungenen wegbereitenden Fäden die zu Eine neue Hoffnung gesponnen werden freuen, da diese sich sehr harmonisch in die Handlung einfügen. Das wirklich coole Finale ist dann auch das Highlight des Films.
Die meiner Meinung nach größte Schwäche des Films finden wir bei den Figuren. Die Schauspieler, allen voran Felicity Jones, machen ihre Sache gut und überzeugend. Das Problem sind die sehr emotionsarme und manchmal etwas distanziert wirkende Inszenierung und die leider eher schlecht geschriebenen Charaktere. Das heißt nicht, dass die Figuren an sich schlecht sind. Der Haken ist nur, dass sich die Charaktere mit Ausnahme von Jyn und im geringen Maße Cassian, kaum bis gar keine weiterentwickeln. Sie treten ziemlich auf der Stelle. Das hinterließ bei mir einen etwas faden Beigeschmack und mag einer der Gründe sein, weshalb der Film in der ersten Hälfte bei mir nicht so recht zünden wollte. Die Crew der „Rogue One“ harmoniert zwar durchaus gut, lässt aber dennoch die Wärme und Emotionalität vermissen mit der The Force Awakens so auftrumpfen konnte. Des Weiteren sind die Auftritte von Mads Mikkelsen und Forest Whitaker leider viel zu kurz. Sie kommen kaum dazu zu zeigen was sie können. Auf Seite des Imperiums ist nur Ben Mendelsohn als Orsen Krennik überhaupt der Rede wert. Schauspielerisch war hier alles im grünen Bereich. Bei der deutschen Synchronfassung fand ich seine Stimme allerdings deutlich zu guttural und gepresst, das hat mich manchmal etwas rausgerissen. Last but not Least muss man unbedingt den Quoten-Droiden K-2SO erwähnen. Mit seinen markigen Onelinern und seinen ungefilterten Kommentaren wirkt er manchmal am menschlichsten von allen und sorgt für nette auflockernde Lacher in dem sonst wirklich recht düsteren Film stielt damit so manche Szene. Das vermag sonst nur noch Donnie Yen als blinder machtsensitiver Mönch Chirrut Îmwe.
Dazu gesellt sich dann noch der – für Star Wars-Verhältnisse –  durchwachsene Soundtrack. Eines vorweg: Der Soundtrack ist keineswegs schlecht! Allerdings bleibt er in diesem Film sehr blass. Wenn es um Star Wars geht muss man sich wohl oder übel an John Williams großartigen ikonischen und sehr emotionalen Kompositionen der Original- und Prequeltrilogie (Sagt über EP I-III was ihr wollt, die Soundtracks sind ganz großes Kino!) messen lassen. Der Soundtrack von Rogue One ist zwar durchaus stimmig, vermag es aber nur dann wirklich Emotionen zu vermitteln und hängen zu bleiben, wenn Themen der Originalsoundtracks aufgegriffen werden. Der Imperial March beispielsweise ist einfach legendär und nicht umsonst wohl eines der bekanntesten Stücke der Filmmusik.
Bevor wir zum versöhnlichen Teil der Kritik kommen möchte ich überleitend über die CGI-Effekte berichten. Zuerst die schlechte Nachricht: Es kommen – ich denke das ist kein Spoiler – natürlich alte Bekannte vor. Die Dreharbeiten zum ersten Star Wars Film überhaupt sind inzwischen allerdings schon bummelige 40 Jahre(!) her. Da ist es nicht verwunderlich, wenn Figuren, die namentlich nicht genannt werden sollen, ihre Auftritte nur unter massivem CGI-Aufwand bewerkstelligen können. Hierbei schlägt nun allerdings leider ein Phänomen aus der Robotik zu, dass man als uncanny Valley bezeichnet. In Kurzform bedeutet dies in diesem konkreten Fall, dass wir einen künstlich erschaffenen Charakter mit steigendem grad an Realismus/Menschenähnlichkeit immer stärker akzeptieren. Jedoch kurz bevor die 100% – also Fotorealismus – erreicht sind, bricht diese Akzeptenzkurve schlagartig ein und der Charakter wirkt nur noch unecht bis tot, bevor die Akzeptanz bei Erreichen der 100% auf der Menschenähnlichkeitsskala ebenso schlagartig zur vollen Akzeptanz als menschenähnlich/menschlich anspringt. Nach heutigem Stand der Technik können wir bereits realistisch anmutende künstliche Szenen erschaffen, scheitern derzeit aber noch an 100%ig realistischen Darstellungen menschlicher Haut, Augen oder generell organischen Strukturen. Technisch ist die Arbeit an den Charakteren also durchaus als gut zu bewerten, doch leider schützt dies vor diesem Phänomen nicht. Das ist insofern ärgerlich, als dass es schlicht nicht nötig gewesen wäre die Figuren überhaupt von vorn zu Zeigen. Jeder Fan hätte sie auch von hinten erkannt.
Dafür sieht alles andere wirklich phantastisch aus! Die Dogfights und Feuergefechte sind eine wahre Freude und fühlen sich wirklich physisch an. Grade bei den Dogfights im Orbit von Scariff habe ich mich einige Male beim dezenten „mitgehen“ ertappt. Die wirklich tollen Animationen und Modelle plus Texturen fügen sich sehr gut in die ebenfalls außerordentlich gelungene „analoge“ Set-Ausstattung ein. Denn hier glänzt (oder eher grade nicht) Rogue One genau dort, wo Star Wars schon immer aufgetrumpft hat: Bei der Atmosphäre und Lebendigkeit. Alles ist dreckig, kaputt, abgenutzt, lebendig, belebt, kurz: Authentisch. Dies gilt sowohl für die tollen Kulissen und Drehorte (Mit Island, Jordanien und den Malediven kann man einfach nichts falsch machen!) als auch für die Kostüme. Ganz besonders freue ich mich auch wieder über die vielen Vollmasken und liebevoll real modellierten und bewegten Aliens wie die Mon Calamari. Das ist einfach so viel charmanter und Stimmungsvoller als jede CGI-Kreatur es je sein könnte auch wenn Masken immer Einschränkung der Mimik bedeuten.
Abschließend muss der ausgiebige Fanservice erwähnt werden. Der Aufmerksame Zuschauer wird viele bekannte Figuren und Schiffe sehen. Manchmal muss man recht genau hinschauen und aufpassen, weil man nicht mit der Nase darauf gestoßen wird, und manchmal ist der Fanservice geradezu plump eingestreut. Wenn man ehrlich ist passt beispielsweise der Auftritt zweier gewisser Droiden einfach nicht in die Handlung und wirkt deshalb erzwungen und deplatziert. Übelnehmen konnte ich das dem Film allerdings nicht, weil mein Fanherz das einfach mit einem kleinen Freudensprung unterbindet. Auch der erste Auftritt von Darth Vader war in meinen Augen absolut unnötig. Mit dem zweiten Auftritt stielt  er  allerdings allen die Show und ist unglaublich cool in Szene gesetzt. Aber nicht nur bekannte Figuren lassen das Fanherz höherschlagen. Auch die filmischen Zitate aus der Originaltrilogie bereiteten mir viel Freude. Am meisten hängengeblieben sind hier die nahezu 1:1 nachgestellten Vorbereitungssequenzen zum Abfeuern des Lasers des Todessterns.

Fazit

Star Wars Rogue One schafft was the Force awakens nicht konnte: Er emanzipiert sich von der Originaltrilogie und wirkt deutlich eigenständiger. Dabei lässt er allerdings die Wärme und Menschlichkeit und die großartig geschriebenen Charaktere vermissen, die zu den ganz großen Stärken von Episode VII zählten. Trotzdem: Rogue One ist der Film den sich Fans wünschen konnten und in seiner Funktion als Prequel zu A new Hope absolut phantastisch. Spätestens im dritten Akt, wenn das packende und visuell bestechliche Finale auf Scariff eingeläutet wird sind die Schwächen im Drehbuch schnell vergessen.

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