7. Performance

„Cultural attractors draw together a community of people who share common interests […] Cultural activators give that community something to do.“ (Jenkins 2009: o. S.) Die Cultural Attractors sind zum Beispiel, im Falle von Star Wars, die Filme, Bücher, Comics, Spiele und so weiter, also Erzählmedien, die Menschen wegen der Unterhaltung oder Informationen die sie beinhalten ansprechen. Die Cultural Attractors hingegen sind etwas abstrakter. Es sind bestimmte Inhalte in den Medien, die Rezipienten zum Handeln und Interagieren einladen. Jenkins nennt als Beispiel die immer mal wieder kurz eingeblendeten Kartenfragmente in der zweiten Staffel der Fernsehserie Lost, welche die Fans dazu brachte das Bild anzuhalten, Screenshots zu machen und ihr eigenes Kartenmaterial zu erstellen, welches sie in den Kontext der Serie einzuordnen versuchten. (vergl. Jenkins 2009: o. S.) Diese Aktivierung der Fans, dass sie selbst etwas tun um die Storyworld zu erfassen, bezeichnet Jenkins als Performance. Bei Star Wars könnte man beispielsweise die verworrenen Strukturen als eine Art Activator sehen, der Hardcore fans dazu animiert Leitfäden und Zeitstrahle zu erstellen, dass die erfassen der Storyworld erleichtern oder ganze Wikis anzulegen. Performance ist also untrennbar mit der Parizipationskultur verbunden. Man könnte vielleicht sogar so weit gehen und behaupten, dass erst die Aktivierung der Fans zur Partizipation führt. „But even without those invitations, fans are going to be actively identifying sites of potential performance in and around the transmedia narrative where they can make their own contributions.“ (Jenkins 2009: o. S.) Diese Einladung zur Partizipation müssen also nicht mehr oder weniger explizit ausgesprochen werden, sondern die Fans finden selbst die Stellen und Möglichkeiten, an denen sie aktiv werden können. Eine andere Art der Extension sind auch nutzergenerierte Inhalte die sich vom eigentlichen Text entfernen und alternative Geschichten oder eigene Originstorys oder Fortsetzungen erzählen. Dies wären zum Beispiel Fanfictions, Fan-Artworks oder Fanfilme. An diesem Punkt kommt auch eine weitere Form von Performance ins Spiel, und zwar auf Produzentenseite. Die Produzenten kommunizieren aktiv mit den Fans, laden sie eventuell aktiv zur Teilhabe ein. Mitunter wird sogar das Erstellen von Fanfiction und vor allem Fanfilmen sogar gefördert wie man es beispielsweise bei den offiziell von Disney ausgeschriebenen Star Wars Fanfilm Awards 2016 5 sehen kann.
In der Partizipation und engeren Zusammenarbeit mit den Fans sehe ich zudem die Zukunft des transmedialen Erzählens. Um die Fans zum einen noch enger ans Franchise zu binden und zum anderen gute Inhalte zu produzieren bietet sich Crowdsourcing oder das Aufgreifen von Fanfilmen an. Wettbewerbe wie die Star Wars Fanfilm Awards haben ohnehin einen kompetitiven Charakter, der Nutzer motivieren soll ihr Engagement im Franchise zu steigern. Preise – oder sogar die Möglichkeit der Adaption zu einem professionellen offiziellen kanonischen Film – wären zusätzliche Mögliche Anreize im Sinne einer Art Gamification. Haben Fans eine gute Idee für eine Fortsetzung oder um eine Lücke zu füllen wäre durchaus denkbar offizielle Kurz- oder gar Langfilme mit Unterstützung der Fans zu produzieren oder professionelle Remakes von Fanfilmen zu drehen. Auch Bücher mit Sammlungen von fangeschriebenen Kurzgeschichten wären eine Möglichkeit. Mein Gedanke dahinter ist, dass User generated Content nicht mehr ausschließlich außerhalb des Kanons stehen muss, sondern – zumindest besonders Guter Faninhalt – nach eventueller Überarbeitung in den Kanon aufgenommen werden könnte. In meinen Augen wäre das die nächste Konsequenz, wenn man den transmedialen Gedanken bis zum Ende weiterverfolgt.

Schlusswort

Im Laufe dieser Arbeit war festzustellen, dass es zu jedem von Jenkins Prinzipien praktische Entsprechungen im Star Wars Universum gibt, das Universum ist also Transmedial. Allerdings unterliegt es, da es kommerziellen Zwängen unterworfen ist, ein paar Einschränkungen. Es gibt beispielsweise keine kostenlosen offiziellen Geschichten, Blogs, Hörspiele, Clips oder beispielsweise offizielle Internetseiten von fiktionalen Parteien, wie dem galaktischen Imperium, im Internet. Auch Gamification ist, wenn überhaupt wirklich, nur sehr rudimentär zu finden. Die Transmediale Storyworld ist zwar partizipativ, kollaborativ und zum Teil interaktiv aber user generated Content ist ausnahmslos non-kanonisch. Natürliche finden diese alternativen Geschichten auch im selben Universum statt, wie alle Legends-Storys auch, aber spannender wäre in Zukunft eine Entwicklung, die Fanpotential und Partizipationskultur weiter ausschöpft und auf Crowdsourcing und Kooperation mit den Fans setzen würden. Dies sollte in der richtigen Form auch kommerziell nutzbar sein und dient vor allem der Bindung der Fans.

Ich hoffe dieser Exkurs hinter die Kulissen hat euch gefallen. Feedback ist stets willkommen!


5 http://www.starwars.com/star-wars-fan-film-awards

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