2016 war in vielerlei Hinsicht kein gutes Jahr. Da waren der Krieg in Syrien, Terroranschläge, Trump, die AfD, Erdogan und vieles mehr. Da ist so viel Hass. Hass gegen Ausländer, Andersgläubige oder gegen Menschen anderer sexueller Orientierungen. Auch wenn der Hass für viele Menschen unbegreiflich und Toleranz und Akzeptanz selbstverständlich sind, so gibt es eben immer noch die Hasser, die besonders laut schreien. So lange das so ist, müssen die toleranten Freunde der Diversität und Vielseitigkeit, die unsere Gesellschaft prägen und erst so interessant machen, die Fahnen hochhalten. Dies gilt besonders für popkulturelle Medien!
Wichtig ist dabei nicht in Klischees zu verfallen und die Diversität nicht als besonders herausragende Eigenschaft zu inszenieren. Vielmehr halte ich den Weg über eine beiläufige völlig selbstverständliche Inszenierung für zwingend notwendig. Die Sexualität, das Geschlecht, die Hautfarbe, die Nationalität und ähnliches sind nun einmal Persönlichkeitsmerkmale wie jedes andere auch und sollten nicht über Gebühr betont werden, denn dies würde diese Eigenschaft wieder als „besonders“ herausstellen. Der Grat zwischen besonders und absonderlich ist leider sehr schmal und muss auch gar nicht begangen werden! In einer vielseitigen gesunden Gesellschaft sollten alle Menschen gleich sein. Darum halte ich es für falsch beispielsweise die Sexualität queerer medialer Figuren so stark herauszustellen und den Charakter über dieses Merkmal zu charakterisieren. Es ist jedoch verdammt wichtig, dass wir langsam immer mehr solcher fiktionalen Charaktere haben, denn dies spiegelt unsere moderne Gesellschaft besser wieder. Außerdem gibt es nur eine wirksame Waffe gegen Intoleranz: Toleranz! Und diese kann bei den letzten Zweiflern in meinen Augen nur über eine Art Gewöhnungseffekt erreicht werden. Auch darum ist die Selbstverständlichkeit und vor allem alltägliche Beiläufigkeit mit der beispielsweise Zulu in Star Trek Beyond inszeniert wurde klasse. Hätte man den Begrüßungskuss mit seinem Lebenspartner im Film weggelassen hätte niemand vermutet es mit einem queeren Charakter zu tun zu haben – und das ist auch gut so! Denn eine Homosexuelle Beziehung unterscheidet sich nur in den Köpfen der Hasser von einer heterosexuellen. Diese Funktion wird dadurch unterstrichen, dass diese Szene keinesfalls hervorsticht, denn sie dauert, wenn überhaupt, nur wenige Sekunden und wäre mit einer Partnerin nicht anders inszeniert worden.
Anlass für diesen Beitrag ist der gestern veröffentlichte neue Overwatch Web-Comic von Blizzard Entertainment. Ohne große Ankündigung und nur in einem Bild unter vielen anderen erfuhren die überraschten Leser von Tracers Zuneigung zu Frauen. Dies ist ein sehr wichtiger Schritt! Denn Blizzard ist einer der größten und erfolgreichsten Entwickler/Publisher im Bereich der Triple-A-Titel der Videospielebranche. Zudem hat Overwatch dieses Jahr unzählige Preise eingeheimst. Erst einmal finde ich gut und richtig, dass Blizzard seinen ersten queeren Charakter überhaupt eingeführt hat. Viel besser finde ich jedoch noch die Art und Weise mit der es passiert ist: Ohne großes Tamtam. Dafür haben schon die Fans in Foren und Social Media gesorgt. Mich persönlich hat sehr gefreut, dass die Reaktionen auf Twitter in großer Mehrheit sehr wohlwollend und positiv gestimmt waren. Das macht Hoffnung. Aber das Beste ist, dass Blizzard nicht den einfachen Weg gewählt hat. Die Russin Zarya hätte nämlich jedes Klischee der muskulösen eher unsexy inszenierten „Kampflesbe“ bedient. Doch stattdessen – dafür gebührt Blizzard mein Respekt und Beifall – entschied man sich für Tracer, das Gesicht und Aushängeschild von Overwatch und eine der beliebtesten Heldinnen. Das dies vielleicht auch eine Reaktion auf die viele homosexuelle Fanfiction ist bleibt natürlich offen. Und egal. Denn die Tatsache allein zählt. Und dass sie spielerisch absolut unbedeutend ist.

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Quelle: Blizzard Entertainment, Webcomic „Reflections“: https://comic.playoverwatch.com/en-us/tracer-reflections
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Quelle: Blizzard Entertainment, Webcomic „Reflections“: https://comic.playoverwatch.com/en-us/tracer-reflections

Wie schon bei Zulu in Star Trek Beyond geschah die Inszenierung hier absolut beiläufig und selbstverständlich. Als wichtiges Zeichen für Toleranz und Akzeptanz dient diese Aktion von Blizzard allemal. Und außerdem… sind die beiden nicht süß zusammen? :3

Danke Blizzard!

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