Moin,

es ist wieder Zeit für eine neue Rubrik! Diese heißt „Vom Tellerrand“ und wird wohl größtenteils Filmempfehlungen zu Werken außerhalb des für diesen Blog gesetzten Rahmens zum Thema haben. Hier werdet ihr also Filme finden, die weder als Fantasy oder Science-Fiction einzuordnen sind, auf Comics oder Videospielen basieren oder sich sonst wie in einem eher „nerdigen“ Kontext präsentieren.

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Handmaidenmovie.com

Den Anfang macht der aktuelle Film „The Handmaiden“ des Südkoreaners Park Chan-Wook, der seit Donnerstag in einigen Kinos zu sehen ist. Es handelt sich hierbei um eine Adaption von Sarah Waters Roman „So lange du lügst“ (Fingersmith). Chan-Wook verlagert die Handlung jedoch vom viktorianischen England ins unter japanischer Besatzung stehende Korea der 1930er Jahre. Der historische Kontext wird im Film für das Verständnis der Handlung ausreichend erklärt – bei Asiatischen Filmen nicht selbstverständlich. Bei Historischen Settings fällt mir das Verstehen auf Grund mangelnder Geschichtskenntnisse im Asiatischen Raum sonst manchmal etwas schwer. Gänzlich legt Chan-Wook das viktorianische England jedoch nicht bei Seite. Der Clou: Das Anwesen, in dem der Film spielt, besteht nämlich aus einem Komplex von britischer Architektur und Einrichtung und einem traditionell japanischen Teil. Beide Teile symbolisieren innerhalb der Handlung ebenfalls zwei Welten. Mehr soll an dieser Stelle jedoch nicht verraten werden. Dieser Umstand trägt jedoch zur wunderschönen detailverliebten Setausstattung bei, die durch wirklich tolle und authentische Kostüme abgerundet wird.
The Handmaiden, in deutscher Fassung „Die Taschendiebin“, ist brillant geschrieben und wunderschön gefilmt. Der Mischling aus Drama und Thriller ist spannend bis zum Schluss und mit cleverer Struktur und coolen Twists versehen. Noch dazu ist der Soundtrack wirklich toll und stimmungsvoll.
Der erste von drei Teilen des Films ist etwas langatmig versteht es aber wunderbar die Stimmung und Atmosphäre des Films aufzubauen. Das Portraitieren der Hauptcharaktere ist dabei intelligent auf die ersten beiden Teile des Films aufgeteilt, welche dieselben Geschehnisse und denselben zeitlichen Verlauf aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen. Der Dritte Teil enthält dann die Auflösung und Schlusspointe des Films. Der gesamte Plot ist ein Konstrukt aus Lügen und Manipulation, die um die beiden weiblichen Hauptcharaktere Lady Hideko und das Hausmädchen Sookee und ihre besondere Beziehung herum gesponnen werden. Beide Frauen behaupten sich in einer von Männern dominierten Welt der Objektivierung und Unterwerfung. Sie sind jedoch stärker als es zunächst den Anschein hat und vor allem stärker als jeder der dominierenden Männer. Das gefiel mir wirklich gut. Aber…
…es gibt gleich mehrere Sexszenen, die in ihrer recht expliziten Art und Weise und vor allem ihrem Umfang nicht nötig gewesen wären. Sie sind geradezu pornografisch und sehr von männlichen Vorstellungen lesbischer Sexualität geprägt (Schließlich ist der Film von einem Mann). Verglichen mit der doch eher feministischen Herangehensweise des übrigen Films wirkt das etwas inkohärent zum Rest. Aber das ist Klagen auf höchstem Niveau, denn für die Charakterisierung und die Geschichte ist die auch sexuelle Beziehung der beiden höchst relevant.
Speziell bei der deutschen Synchronfassung sind die Sexszenen allerdings manchmal unfreiwillig komisch. Das liegt zum einen an den wirklich dümmlich übersetzen Dialogen, die wie aus einem Pornofilm klingen, und an den sehr prominenten Schmatz- und Schlecklauten der zwei Damen. Ich musste mich wirklich ein wenig beherrschen nicht zu lachen. Ansonsten ist die deutsche Synchonisation jedoch sehr gelungen.

Fazit

The Handmaiden ist sowohl was die Handlung als auch Struktur, Machart und das Handwerk betrifft in jedem Falle herausragend. Über die volle Distanz von 148 Minuten vermag der Film zu unterhalten und die Spannung aufrechtzuerhalten. Dabei wird der Zuschauer ebenso gekonnt und clever an der Nase herumgeführt wie die Protagonisten selbst.

Trailer

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