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Panini/Marvel (Quelle: https://www.paninishop.de/artikel/ms.-marvel-1-2016-07-25

Fakten

Comic: Ms. Marvel Band 1 (Serie 2) – Superberühmt
Autor: G. Willow Wilson
Zeichner: Takeshi Miyazawa,
Adrian Alphona, Nico Leon
Verlag: Panini (Marvel)
Seiten: 144
Lesezeit: ca. 90 Minuten
Format: 16,9 x 1,5 x 25,9 cm
Erschienen: 19.09.2016
Preis: 16,99€ (affiliate Link)

Handlung

Die junge pakistanisch stämmige und muslimische Kamala Khan ist inzwischen Mitglied der Avengers. Seit sie durch einen Zwischenfall vor ein paar Monaten Superkräfte erlangt hat muss sich die Teenagerin nicht mehr nur mit ihrer Familie, ihrer kulturellen Identität, der Schule und ihren Freunden herumschlagen, sondern muss auch die Verantwortung für ihre Kraft tragen. Das heißt sie muss Jersey City und die Menschen, die ihr wichtig sind, beschützen. Bei der Popularität, die sie als Ms. Marvel inzwischen genießt, wird es zudem immer schwerer ihre wahre Identität geheim zu halten. Das eine dubiose Immobiliengesellschaft, die ihre schöne Stadt „modernisieren“ will, nun auch noch ungefragt Ms. Marvel als Werbefigur missbraucht macht die ganze Sache nicht leichter. Denn Hope Yards Developments Städteplanung stößt bei den Bürgern auf wenig Gegenliebe. Ihr Zorn und Protest richtet sich zusehends nicht mehr nur gegen das Unternehmen, sondern gegen die unfreiwillig eingespannte Ms. Marvel. Als wäre das noch nicht genug hat Kamalas Kindheitsfreund Bruno, für den sie schon lange mehr übrig hat, als sie sich selbst eingestehen will, nun auch noch plötzlich eine Freundin!

Kurzreview

Eines vorweg: Ich bin neu im Marveluniversum. Daher habe ich keine Ahnung vom Infinity und Secret Wars Event. Da passt es grade gut, dass es mit dem brandneuen Marveluniversum einen Softreboot gab. Soll heißen: Es baut zwar auf dem, was gewesen ist, auf, aber größere Storylines fangen grade neu an. Auch wenn die Originstory der aktuellen Ms. Marvel bereits vor dieser neuen Reihe stattfindet fällt der Einstieg relativ leicht. Das liegt zum einen an der kurzen Zusammenfassung der Ausganglage zu Beginn des Hefts vor dem eigentlichen Comic (Danke Panini!) und der geschickt in die Geschichte eingebauten Erörterung der aktuellen Situation durch Kamala selbst, die kurz ihren Alltag mit den Avengers umreißt. Da ich die Originstorty selbst noch lesen möchte, spare ich diese hier einmal aus. Es sei lediglich gesagt, dass Kamala vor ein paar Monaten mit einem mysteriösen Nebel in Berührung kam, der etwas in hier geweckt hat. Seitdem kann sie ihren Körper oder einzelne Gliedmaßen schrumpfen oder wachsen lassen. So ist es ihr möglich mit größeren Fäusten ordentlich auszuteilen, mit längeren Beinen oder als Riesin schneller zu rennen oder sich unter einer Tür „hindurchzuschrumpfen“. Ihre Kraft ist also durchaus ganz cool aber keinesfalls übermächtig. Gefällt mir gut und wird vor allem häufig auch mal witzig ausgespielt. Vor allem steht Kamala so nun auf Augenhöhe mit ihren persönlichen Helden: Den Avengers! Denn sie ist ein waschechtes Nerdmädchen, dabei jedoch erfreulicherweise keine Außenseiterin.
Zu den beiden Storyarcs möchte ich gar nicht viel verraten, da vor allem der zweite irrwitzig und sehr lustig zu lesen ist. Der erste Arc dient vor allem der Erfassung der Ausgangssituation. Denn es gibt mehrere parallele Handlungsstränge. Zum ersten ist Kamala damit beschäftigt herauszufinden was es mit Hope Yards Develeopment auf sich hat und wieso sie ihr Gesicht für Werbezwecke nutzen. Das Ganze könnte der Auftakt zu etwas Größerem werden, denn alle Spuren führen zu einem Feind, den die Avengers schon sehr lange bekämpfen. Fast interessanter sind die Handlungsstränge, die Kamala als Privatperson betreffen. So muss sie etwa die Anstandsdame für ihren Bruder spielen, der als guter Moslem eine potentielle Partnerin nicht ohne AufpasserIn treffen darf. Da es sich dabei um eine farbige konvertierte Muslima aus einer afrikanisch-christlichen Familie handelt ist der Culture Clash im Hause Khan vorprogrammiert. Doch mit der Schule und ihren Freundinnen läuft es in letzter Zeit eher nicht ganz so gut, da ihre Aufgaben als Ms. Marvel sie einfach zu sehr in Beschlag nehmen. So sehr, dass sie aus allen Wolken fällt, als ihr erst nach Wochen auffällt, dass ihr Schwarm Bruno jetzt eine Freundin hat! Und dann hat die auch noch einige Pfunde zu viel auf den Rippen! Der Schock bei Kamala sitzt tief. So tief, dass sie Mühe hat Bruno und seiner Freundin Michaela gegenüber nicht unfair zu sein.
Grade Kamalas „normale“ Seite ist es, die den Comic so großartig macht. Sie wirkt authentisch und nachvollziehbar. Ihr ganz normales Highschool- und Familienleben, ihre Identität als Superheldin und die Aufgaben und Probleme, die das mit sich bringt, sowie ihre kulturelle Identität als stolze praktizierende Muslima vereinen sich auf Kamala zu einer absolut homogenen Mischung. Genauso wie ihre Welt ist Kamala sehr bunt und vielfältig. Sie wirkt dadurch fast wie ein echter Mensch. Noch mehr als es bei anderen Helden schon der Fall ist, reflektiert ihr Werdegang und Wirken als Heldin ihr normales Leben und das Erwachsenwerden. Schmerzlich muss sie lernen, dass sie nicht immer allem gleich und vor allem gleichzeitig gerecht werden kann und Prioritäten setzen muss. Das alles geht sie nach bestem Wissen und Gewissen und vor allem mit viel Witz und Charme an. Im Zusammenspiel mit den vielfältigen Nebenfiguren entsteht so eine Mischung die das Leben moderner muslimischer Frauen in der westlichen Welt perfekt wiederspielt. Sie ehrt ihre Familie und Traditionen, ist dabei jedoch stets selbstbewusst, weltoffen und kämpft für das was ihr wichtig ist.
Abgerundet wird der Comic durch eine sehr gelungene Optik und Farbgebung. Hierbei fällt sehr angenehm auf, dass Kamala, wie es in anderen Comics häufig noch der Fall ist, nicht (über)sexualisiert wird. Wie es Brunos Freundin Michaela ganz treffend formuliert ist Kamala auf unaufdringliche weise trotzdem hübsch. Besonders hervorzuheben wäre noch das großartige Mienenspiel der Figuren. Das changiert zwischen realistischen Zügen mit feinsten Nuancen und beinahe slapstickartig überzeichneten Grimassen, wenn Kamala in Anbetracht des Chaos wortwörtlich sämtliche Gesichtszüge entgleiten. Das unterhält bestens!

Fazit

Eines ist klar: Ms. Marvel in Gestalt von Kamala Khan gehört wohl mit zum Besten, was der Mainstreamcomic derzeit zu bieten hat! Sie ist stark, clever, witzig, sie geht selbstbewusst mit ihrer kulturellen Identität um und sie ist vor allem eins: Zutiefst menschlich. Sie hat Schwächen, Ecken und Kanten. Sie ist reflektiert und trotzdem manchmal stur. Sie ist das nette Nerdmädchen von nebenan, das, wenn‘s drauf ankommt, die ganze Stadt retten kann. Ich wünsche mir für die Zukunft mehr so starke Multikultihelden und Frauenfiguren, die so ein positives Bild zeichnen.

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