ms-marvel1_softcover_774
Copyright: Panini Comics (Quelle: https://www.paninishop.de/artikel/ms.-marvel-1

Nachdem ich letzte Woche den ersten Band des aktuellen Ms. Marvel Runs gelesen habe war für mich sofort klar, dass ich die drei Sammelbände des vorigen Runs mit Kamalas Originstory unbedingt nachholen muss! Den ersten Band habe ich mir nun angesehen.

Fakten

Comic: Ms. Marvel Band 1 (Serie 1) – Meta-Morphose
Autor: G. Willow Wilson
Zeichner: Adrian Alphona
Verlag: Panini (Marvel)
Seiten: 124
Lesezeit: ca. 70-75 Minuten
Format: 16,9 x 1,5 x 25,9 cm
Erschienen: 31.03.2015
Preis: 16,99€ (affiliate Link)

Handlung

Die sechzehnjährige Kamala Khan ist die Tochter pakistanischer Einwanderer und wächst in New Jersey auf. Sie will einfach nur ein ganz normales Teenieleben führen. Mit Freunden, Parties und allem Drum und Dran. Doch ihre recht konservativen muslimischen Eltern möchten sie vor diesen Dingen bewahren und würden sie am liebsten mit einem Pakistani aus ihrer Heimatstadt Karachi verheiratet sehen. Als Nerdmädchen von nebenan, dass nach komischem Essen riecht, hat Kamala ohnehin schon einen schweren Stand in der Schule. Um das zu ändern schleicht sie sich des Nachts heimlich aus dem Haus um auf eine Party zu gehen. Doch auch dort gehört sie einfach nicht dazu. Enttäuscht macht sie sich auf den Weg nach Hause wird aber von einem mysteriösen Nebel überrascht und fällt in Ohnmacht. Als sie wieder aufwacht ist irgendetwas anders, stimmt ganz und gar nicht. Ihr Körper hat sich irgendwie verändert und die Ereignisse überschlagen sich. Doch Schule, Hausarrest und Samstagsunterricht in der Moschee stehen der Erforschung ihrer neuen Fähigkeiten leider etwas im Wege…

Kurzreview

Im ersten Band der Reihe präsentiert sich dem Leser eine ganz klassische Originstory. Neben dem erlangen der Superkräfte geht es vor allem darum den Menschen Kamala Khan und ihre Lebensumstände zu umreißen. Die Teenagerin präsentiert sich dabei als überaus sympathisches, cleveres und witziges aber ein bisschen unzufriedenes Mädchen. Sie hadert ein wenig mit ihrer Herkunft und muss ihre kulturelle Identität erst noch entwickeln. Es bereitet ihr Probleme in einer amerikanischen Stadt aufzuwachsen dabei jedoch tagtäglich mit den kulturellen und religiösen Erwartungen ihrer Eltern konfrontiert zu werden. Gleichzeitig möchte sie unter gleichaltrigen nicht muslimischen Mitschülern einfach nur dazugehören. Dass sie noch dazu etwas nerdig daherkommt und großer Fan der früheren Ms. Marvel und jetzigen Captain Marvel sowie der Avengers ist, ist dabei vielleicht auch nicht unbedingt hilfreich. Dazu kommen noch die üblichen Probleme, mit denen sich jeder Heranwachsende herumschlagen muss – Sie hätte gern längere Beine, blonde Haare und würde sich gern selbst einfach besser finden, kurz: Sie wäre gern wie die alte Ms. Marvel! Schneller als ihr lieb ist muss Kamala sich der Erkenntnis stellen, dass sie vorsichtig mit ihren Wünschen sein muss, denn sie könnten in Erfüllung gehen! Zunächst von ihren durch den Terrigan-Nebel erweckten Kräften verblüfft – Sie kann ihren ganzen Körper oder einzelne Glieder wachsen und schrumpfen lassen – entwickelt Kamala zusehends mehr Selbstbewusstsein und Mut. Sie sieht ihre Chance gekommen in Ms. Marvels Fußstapfen zu treten und in ihrer Heimatstadt für Recht und Ordnung einzustehen. Allerdings muss sie dabei unerkannt bleiben. Dass sich ihr neues Hobby nicht sonderlich gut mit ihrem Hausarrest verträgt liegt zudem auf der Hand. Doch als der Bruder ihres besten Freundes Bruno in ernsten Schwierigkeiten steckt sieht sie sich gezwungen zu handeln und gelangt recht schnell an ihre Grenzen. Sie muss den Widrigkeiten trotzen und an ihren Aufgaben wachsen.
Kamala Khan bietet alles was einen guten Hauptcharakter ausmacht. Sie dürfte es den meisten Lesern leicht machen sich mit ihr zu identifizieren oder zumindest mit ihr mitzufühlen und mitzufiebern. Ihre Herkunft und das Hadern mit ihrer kulturellen Identität machen den Charakter nur noch interessanter. Zu den Nebencharakteren lässt sich nach dem ersten Band noch nicht allzu viel sagen, denn Kamala muss ihr Geheimnis hüten und ist somit auf sich alleine gestellt. Das heißt nicht ganz. Ihr bester Freund Bruno weiß schon ziemlich bald Bescheid. Er ist fasziniert und besorgt zugleich, schließlich möchte er Kamala beschützen. Doch er kennt seine Freundin so gut, dass er genau weiß, dass sie nicht von etwas abzubringen ist, das sie wirklich tun will. Er beginnt sie zu unterstützen.
Die Charakterisierung der Hauptfigur und die Originstory der Heldin, die Kamala von nun an verkörpert, fügen sich sehr harmonisch ineinander und wirken wie aus einem Guss. Außerdem ist der Übergang zur Eröffnung des ersten größeren Handlungsbogens um den ominösen „Inventor“ wunderbar fließend und ergibt sich als logische Konsequenz der bisherigen Ereignisse. So soll‘s sein! Neben dem gut geschriebenen Hauptcharakter und sinnvollem Storyaufbau glänzt die Serie vor allem mit Humor. Kamala ist stets schlagfertig und Antwortet auch mal in einem ziemlich flapsigen Tonfall, wenn sie sich etwa von ihren Eltern ungerecht behandelt fühlt. Auch der sehr vertraute und daher völlig ungefilterte Umgangston zwischen Kamala und Bruno bietet immer wieder eine Gelegenheit zum Schmunzeln. Die Dialoge sind auch in der deutschen Übersetzung sehr gelungen und machen einfach Spaß. Sie beschreiben in ihrem Tonfall stets die Charaktere sowie ihr Verhältnis zueinander und erscheinen mitten aus dem Leben gegriffen. Auf etwas subtile Art und Weise ist das allein schon sehr amüsant. Besonders Nerds und Filmfans werden sich des einen oder anderen zusätzlichen Grinsens nicht erwehren können, wenn sie auf eines der vielen Filmzitate oder auf die eine oder andere Comicanspielung treffen. Ich hatte wirklich meinen Spaß!
Von anderen oftmals eher realistisch illustrierten Marvelcomics unterscheidet sich Ms. Marvel durch einen zwar groben aber dennoch hübsch ausgearbeiteten teils sehr cartoonigen Stil. Manche Charaktere sind überzeichnet und haben beispielsweise etwas übergroße Köpfe. Kamalas Mimik und Gestik changiert wie im aktuellen Run auch wieder zwischen subtilem Minispiel und überzeichnet komischen Grimassen. Nicht selten ist das ähnlich witzig wie die Dialoge. Koloriert sind die Zeichnungen übrigens in sehr stimmigen weichen etwas retromäßigen Farben. Die Optik wirkt in allen Belangen stets stimmig und gefiel mir gut. Jedoch nicht ganz so gut wie die – sagen wir minimal weiterentwickelte – Optik der Fortsetzungsserie.

Fazit

Meta-Morphose ist mal ein Auftakt nach Maß! Kamala Khan ist auf so vielen Ebenen eine großartige Hauptfigur und glänzt mit Humor und glaubhafter Charakterentwicklung. Aber nicht nur die neue Ms. Marvel selbst ist sehr humorvoll, der ganze Comic steckt voller Witz und Anspielungen auf Filme und Comics. Storyaufbau und Optik überzeugen ebenfalls auf ganzer Linie. Uneingeschränkte Empfehlung an jeden, der sich auch nur im Entferntesten mit dem Gedanken anfreunden kann einen Comic zu lesen.

Advertisements