STARWARSBLUTLINIE_Roman_361
Buchcover. Copyright und Quelle: Panini Books (https://www.paninishop.de/artikel/star-wars-blutlinie)

Fakten

Roman: Star Wars – Blutlinie
Autor: Claudia Gray
Übersetzung: Timothy Stahl
Verlag: Panini

Seiten: 400
Format: Softcover mit Klappenbroschüre
13,8 x 3,8 x 21,6 cm
Erschienen: 20.09.2016
Preis: 14,99 € (affiliate Link)

Handlung

Nachdem das Imperium endgültig besiegt wurde und sich unter Mon Mothmas starker Führung zur neuen Republik wandelte herrschte Frieden in der Galaxis. Doch 24 Jahre nach der Schlacht von Endor steht Mon Mothma nicht mehr an der Spitze und der republikanische Senat versinkt in Bürokratie und Uneinigkeit. Die Senatoren sind gespalten in die Populisten, die für stärkere Autonomie und Rechte der einzelnen Systeme plädieren, und die Zentristen, die eine Bündelung der Macht und militärische Aufrüstung fordern. Die Fronten sind so verhärtet, dass der Senat nicht mehr entschlussfähig ist.
Yendor, der Abgesandte der neutralen Welt Ryloth, trägt ungute Neuigkeiten an den Senat heran: Nach den Hutten scheinen inzwischen die Niktos die Oberhand in der Unterwelt zu gewinnen und die Handelsrouten und die galaktische Wirtschaft zu bedrohen. Besonders Rinnrivin Dis Kartell scheint dem Twi’Lek sehr Bedrohlich.
Die frustrierte populistische Senatorin Leia Organa meldet sich sofort dankbar Freiwillig um eine entsprechende Untersuchung auf Basthata durchzuführen. Völlig unerwartet meldet sich der junge aufstrebende Zentristen Politiker Ransolm Casterfo freiwillig um sie auf der Mission zu begleiten. Kann sie ihm vertrauen?

Kurzreview

Blutlinie, im Original entsprechend Bloodline, ist nach Lost Stars bereits Claudia Grays zweiter Star Wars Roman des neuen Kanons. Und das Vertrauen hat sich ausgezahlt! Mit dem zweiten Roman liefert sie einen waschechten Politthriller im Star Wars Universum ab, also etwas, dass ich mir schon lange gewünscht habe! Die Handlung findet ein paar Jahre vor das Erwachen der Macht statt und beleuchtet vor allem die Situation innerhalb des auf Hosnian Prime sitzenden republikanischen Senats. Die Ausgangslage erinnert ein wenig an den Auftakt der Klonkriege, bei dem sich die Separatisten von der Republik losgesagt haben und Autonomie forderten. Dieses Mal ist die Lage allerdings genau umgekehrt: Die moderaten pro Republikanischen Populisten fordern stärkere Autonomie der einzelnen Systeme bei ausgeprägt demokratischer galaktischer Regierung während die Zentristen aufrüsten und die Macht über die neue Republik im Senat konzentrieren wollen um die Effizienz zu steigern. Da es dem Senat an einer starken Führungspersönlichkeit mangelt soll auf Initiative der Zentristen hin ein Erster Senator gewählt wird, der mit großer Macht ausgestattet werden soll um schnelle Entscheidungen treffen und durchsetzen zu können. Senatorin Leia Organa und andere Populisten fürchten, dass dies unweigerlich zu einem neuen Imperium und Terrorherrschaft führen könnte. Als ehemalige Galionsfigur des Widerstands gegen das Imperium vor über 20 Jahren und als gefeierte Kriegsheldin wird Leia in den eigenen Reihen als einzige potentielle Kandidatin mit Siegeschancen für diese Position betrachtet. Sie selbst würde sich nach der aktuellen Amtszeit jedoch viel lieber aus der Politik zurückziehen und mit ihrem Mann Han, den sie viel zu selten sieht, die Galaxis unsicher machen. Die Untersuchung von Rinnrivin Dis Kartel auf Basthata kommt Leia grade recht um sich etwas Luft von der momentan sehr unzufrieden stellenden Arbeit im Senat zu verschaffen. Sie sieht ihre Chance gekommen noch einmal wirklich etwas zu bewirken bevor sie der Politik den Rücken kehrt. Dies alles ist natürlich nur die Ausgangslage für einen sehr politischen Thriller um den drohenden Konflikt innerhalb des Senats und Bedrohung aus der Unterwelt. Für die Star Wars Chronologie ist der Roman von großer Bedeutung, da er zusammen mit anderen Büchern und Comics die Ausgangslage von the Force Awakens erklärt und beschreibt, wie es zu dieser Lage kommen konnte.
Im Zentrum des Romans steht ganz klar Leia Organa, die letzte Prinzessin von Alderaan. Aus Filmen, Büchern und Comics ist der Charakter natürlich hinlänglich bekannt. Trotzdem schafft es der Roman dem Charakter noch mehr Tiefe und Hintergrund zu verleihen, denn der Zeitabschnitt, in dem die Geschichte spielt, ist für die Figur ein enorm wichtiger. Sie kann bereits auf eine lange kriegerische und politische Vergangenheit voller höhen und Tiefen zurückblicken, die sie als Politikerin und vor allem auch als Mensch geformt haben. Sie ist stolz auf das Erreichte und vor allem auf den geschaffenen Frieden. Aber sie blickt auch voller Wehmut und Sehnsucht auf die Zeit ihrer Heldentaten zurück, sie sehnt sich trotz ihres nun deutlich höheren Alters wieder nach Abenteuern. Und nach ihrer Familie, nach ihrem Sohn Ben und nach Han. Außerdem frustriert ihre Arbeit sie immer mehr. Die Bürokratie und die Aufstrebenden Zentristen könnten zu einer ernsten Bedrohung für die noch recht junge neue Republik werden. Das grade jetzt große Summe Geld im Untergrund bewegt werden, wie sie bei ihren Ermittlungen schnell feststellt, beunruhigt sie noch mehr. Sie fühlt sich verpflichtet die strauchelnde Republik wieder zu festigen und mit auf den rechten Weg zu führen.
Aber auch andere wichtige Figuren, allen voran der Zentristensenator Ransolm Casterfo, sind interessant. Leia kann ihn zu Beginn nur sehr schwer einschätzen. Wird er sie eher bei ihrer Arbeit behindern? Will er nur einige Lorbeeren ernten um politisch voranzukommen? Oder könnte er vielleicht sogar ein wertvoller Verbündeter im anderen Lager sein, der helfen könnte den zerstrittenen Senat wieder zu einen? Aber auch nicht ganz so bedeutsame Nebenfiguren wie Leias Mitarbeiterinnen Greer und Korrie oder der junge Pilot Joph Seastriker bereichern den Roman um sympathische Figuren und bauen die sehr menschliche Komponente des Buches weiter aus. Das verträgt sich wunderbar mit einem gerne auch mal nüchternen Politthriller und sorgt für zusätzliche Dramatik.
Der Thriller erschien in Deutschland beim Panini Verlag, der bei der deutschen Fassung gute Übersetzungsarbeit geleistet hat. Der Roman ist auf ansprechendem Sprachniveau gehalten und lässt sich richtig flott und unterhaltend weglesen. Bekannte Figuren wie Han, C-3PO oder eben Leia selbst sind in Ausdrucksweise und Tonfall zudem gut getroffen. Auch bei der Qualitätskontrolle scheint man einen guten Job gemacht zu haben, denn mir fielen auf knapp 400 Seiten nur eine Hand voll Fehler direkt auf. Mir persönlich gefielen an dem Buch im Übrigen noch die relativ kurzen Kapitel. Da ich meist abends vor dem Schlafengehen zum Lesen komme, kann ich so je nach Müdigkeit oder Zeitdruck auch mal nur ein Kapitel lesen oder bei Bedarf nochmal eines dranhängen. Oder auch zwei oder drei. Hint: Das passierte fast immer, weil ich wirklich gut unterhalten war!

Fazit

Mit Blutline hat Claudia Gray den für mich bisher besten neuen kanonischen Star Wars Roman abgeliefert. Ich habe mir schon immer einen Politikthriller im Star Wars Universum gewünscht und jetzt endlich einen bekommen – und dann einen verdammt guten! Der Roman schafft es die bekannte Figur Leia Organa von einer nie gezeigten Seite sehr glaubwürdig zu beleuchten und gleichzeitig einen enorm wichtigen Zeitabschnitt der Star Wars Chronologie zu schildern. Er ist vielleicht das Zentrale Werk, das den Weg zur Ausgangslage der neuen Filmtrilogie einleitet.

Advertisements