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Titel: Ghost in the Shell
Regie: Mamoru Oshii
Genre: Animation, Action,
Science-Fiction, Cyberpunk
Produktion: Production I.G
Deutscher Publisher: Nipponart
Deutsche Erstveröffentlichung:
Rapid Eye Movies, VHS, 1996
Laufzeit: 79 Minuten
Blu-Ray: 25 Jahre Jubiläums-Edition
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Handlung

Japan im Jahre 2029: Ein Großteil der Bevölkerung ist Teils oder gar – bis auf einen Teil des ursprünglichen Gehirns, in dem der „Ghost“ sitzt – komplett cyborgisiert. Roboter, Androiden und künstliche Intelligenzen sind fester Bestandteil des Alltags und die Menschen sind jederzeit vernetzt.
Unter Leitung von Chief Aramaki sagt Sektion 9, ein geheimes Sondereinsatzkommando der japanischen Regierung, Cyberterrorismus und gefährlichen Hackern den Kampf an. Die größte Bedrohung geht derzeit vom sogenannten Puppet Master aus, der Cyborgs hackt um sie gegen ihren Willen Aufträge für ihn erledigen zu lassen. Der fähige Hacker schafft es sogar in geschützte Cyberbrains einzudringen und den „Wirten“ seinen Willen aufzuzwingen. Die Ermittlungen werden zudem dadurch erschwert, dass auch die konkurrierende Sektion 6 ein reges Interesse am Puppet Master zu haben scheint. Wissen die „Kollegen“ etwa mehr als Aramaki und seine Truppe?

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Die aktuellste Blu-Ray-Fassung von Nipponart.

Kurzreview

Im heutigen Review möchte ich mich eher kurzfassen und vor allem die Unterschiede und Stärken des Anime gegenüber der Mangavorlage herausarbeiten. Grundlage für diesen Kommentar ist übrigens die Originalfassung von 1995 mit der Neusynchonisation von 2005, mit dem Stimmen die man aus der Stand alone Complex Serie kennt. Ich entschied mich für diese Fassung, da ich die Übersetzung für sehr gelungen halten und ich die Stimmen aus der Serie mag, die ich übrigens grade parallel gucke.
Während die Geschichte um den Puppet Master im Manga in mehrere Episoden aufgeteilt und durch „Fallfremde“ Einzelepisoden unterbrochen ist wird sie in der Animeadaption in einem Stück erzählt. Die Vorhandenen Kapitel werden dabei größtenteils sehr Werkgetreu umgesetzt und lediglich um einige kurze Passagen ergänzt. Die fragmentierte Erzählweise des Manga, bei dem die Bezüge aufeinander nicht immer sofort ersichtlich sind, erschwerten das Verständnis der Geschichte. Die kompaktere und flüssigere Aufbereitung der Handlung in Filmform erleichtert das Verständnis hingegen ungemein, wirkt weniger unnötig kompliziert und erhöht die Spannung. Erst gegen Ende des Films weicht die Handlung etwas vom Original ab. Dies ist aber vor allem dem Umstand geschuldet, dass der Manga im letzten und längsten Kapitel den Puppet Master in einen anderen Fall mit einbaut. Das Ergebnis ist am Ende jedoch doch selbe. Im Manga fand ich die finale Handlung des Puppet Masters höchst umständlich beschrieben. Den ziemlich langen Monolog über Quantenphysik, Metaphysik und existentialistische Philosophie kürzt der Anime gekonnt ab und beschränkt sich auf das wesentliche. Mir ist es in dieser Variante leichter gefallen den Puppet Master zu verstehen.
Auch der Charakter des Major weicht von der Vorlage etwas ab: Wie man Kusanagi auch aus Stand alone Complex kennt ist sie clever, reflektiert und eher nüchtern. Die aufmüpfigen und teils frechen Sprüche des Manga sucht man vergebens. Dafür kommt sie deutlich nachdenklicher rüber und beschäftigt sich wesentlich intensiver mit ihrer Existenz, der Frage nach dem Sinn und dem was einen Menschen ausmacht. Dies wird vor allem in ihren Gesprächen mit Batou deutlich. Wie im Manga auch verbindet die beiden mehr als nur ihr Beruf. Auf einer gewissen Ebene erscheinen die beiden im Film sogar eher als gute Freunde, die um ein professionelles Verhältnis bemüht sind. Das verleiht dem Film zusätzliche Tiefe. Trotzdem ist der Ton des Films recht nüchtern und gleichzeitig eher düster. Diese Düsternis wird vor allem durch das tolle Artwork unterstrichen. Denn der Anime  kann leisten, was der Manga mit seinen kleinen Panels und relativ reduzierten dem Medium geschuldeten Schwarz-Weiß-Zeichnungen schlicht nicht leisten kann: Er bringt die dreckige und hoffnungslose Cyberpunkatmosphäre rüber. Die abgewrackten Ghettos und Häuserschluchten sehen als Setting einfach grandios aus und erinnern im Zeichenstil etwas an die Hintergrundbilder älterer Ghiblifilme (bspw. Nausicäa), auch wenn sie ungleich deprimierender erscheinen. Ein gibt kurze Passagen im Film in denen lässt Regisseur Mamoru Oshii die Bilder der Stadt für sich sprechen. Gepaart mit Kenji Kawais stimmungsvollem Soundtrack ist das schon ziemlich großes Kino. Auch die Animationen können sich auch aus heutiger Sicht definitiv sehen lassen. Auch in schnellen Actionsequenzen sind die Animationen wirklich schön und butterweich. Man sieht dem Anime sein alter definitiv an, das ist aber absolut nicht negativ gemeint. Das Charakterdesign und die Kolorierung sind wirklich toll, sehen aber einfach nach 90er-Jahre aus.

Fazit

Ghost in the Shell trug neben Akira mit zum Durchbruch des Mediums Anime im Westen bei und das hat einen guten Grund: Auch heute noch hat Momoru Oshiis Adaption des Manga von Masamune Shirow nichts an Aktualität und philosophischem Tiefgang eingebüßt und sieht dabei immer noch großartig aus. Die düstere Cyberpunkatmosphäre muss den Vergleich mit Werken wie Blade Runner keineswegs scheuen und darf durchaus als stilbildend betrachtet werden.

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