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Ghost in the Shell Poster © Paramount Pictures

Fakten

Titel: Ghost in the Shell
Regie: Rupert Sanders
Genre: Action, Science-Fiction
Setting: Cyberpunk
Produktion: DreamWorks Pictures,
Grosvenor Park Productions,
Paramount Pictures, Reliance Entertainment,
Seaside Entertainment
Verleih (Kino): Paramount Pictures Germany
Laufzeit: 107 Minuten
Kinostart: 30.03.2017

Handlung

In der nahen Zukunftist ist die Cyborgisierung zwar bereits Teil des Alltags, steht aber dennoch eher am Anfang.
Die junge Frau Mira hatte einen schweren Unfall, bei dem ihr gesamter Körper zerstört wurde. Als sie nach einer schwierigen Operation erwacht steht sie vor vollendeten Tatsachen: Ihr Gehirn wurde in einen künstlichen und stark verbesserten Körper transplantiert. Hanka Robotics führte diese lebensnotwendige Rettung selbstverständlich nicht aus reiner Nächstenliebe durch, sondern setzt die Frau, die bald nur noch Major gerufen wird, als perfekte Symbiose aus Mensch und Maschine zur operativen Leitung der Sondereingreiftruppe Sektion 9 ein. Diese gehört zwar Teils zu Hanka Robotics, untersteht aber dem japanischen Innenministerium und dem Premierminister.
Der mysteriöse Hacker Kuze hält derweil die Stadt mit extrem komplizierten Hacks in Atem und entwickelt ein besonderes Interesse am Major. Er behauptet sogar er wäre wie sie und die weitere Zusammenarbeit mit Hanka Robotics würde ihr Ende sein…

Kurzreview

Fangen wir doch mit dem Wichtigsten an: Auch mit richtig fieser Friese sieht Scarlett Johansson klasse aus! 😀 Scherz bei Seite. Die Frage, die jeden quält, ist doch: Ist die Hollywoodvariante von Ghost in the Shell ein guter (Unterhaltungs-)Film? Ja ist er! Auch ohne den philosophischen Tiefgang des Anime. Allerdings WOLLTE ich den Film auch gut finden. Der wirkliche Originalstoff des Manga ist im Übrigen auch nur streckenweise philosophisch. Der legt seinen Fokus nämlich auf die Fälle, die Sektion 9 beschäftigen, und auf Action. In diesem Punkt ähnelt die Dreamworks Produktion also durchaus Masamune Shirows Original. Der Realfilm tut allerdings gut daran dieselbe Geschichte (Manga/Anime von 1995) kein drittes Mal zu erzählen. Stattdessen erzählt er eine eigene Geschichte, die sich jedoch trotzdem grob am Fall um den Puppet Master orientiert. Ein kleiner Tipp vorweg an alle, die Manga und Anime kennen: Betrachtet die US-Version einfach als völlig eigenständige alternative Zeitlinie. Also ähnlich wie sich die Stand Alone Complex Staffeln zu den Anime-Filmen verhalten. Dann kann man mit dem Film nämlich seinen Spaß haben!
Okay, der Reihe nach. Die Handlung des Films ist relativ stringent erzählt und wenig überraschend um nicht zu sagen leicht vorhersehbar. Das kann ich dem Film jedoch verzeihen, denn sie funktioniert und ist durchaus sinnvoll und nachvollziehbar. Darum möchte ich darüber gar nicht viele Worte verlieren. Wirklich gut gefallen hat mir der Subplot um die Herkunft des Majors. Betrachtet man den Film als Beginn einer möglichen Reihe – darüber wird wohl der finanzielle Erfolg des Films entscheiden – dann stellt er einen durchaus gelungenen Einstieg mit guter Originstory dar. Darüber hinaus sind die Figuren leider relativ blass. Allein der Major bekommt ein wenig Persönlichkeit zugestanden.
Eher am Rande erwähnt aber dennoch interessant fand ich ganz cool, dass die Macher sich auch Gedanken darüber gemacht haben warum Batou kybernetische Augen hat. In vielen Reviews habe ich mehrfach gelesen, dass der Film sich ansonsten relativ wenig Gedanken über die Welt, die Figuren und die Symbiose aber auch den Konflikt zwischen Mensch und Maschine macht. Und ja, das stimmt wohl. Es werden zwar ein paar Themen angedeutet, die man auch in den verschiedenen Manga und Anime Vorlagen finden kann, jedoch werden sie nie weiterverfolgt. Mit ihrem künstlichen Körper ist es dem Major beispielsweise nicht möglich Kinder zu bekommen. Im Anime durchaus eine Frage, die die Cyborgdame beschäftigt. In der aktuellen Kinovariante geht sie einfach nur mit kurzem Schweigen über die Frage hinweg ob sie Kinder habe. Außerdem war der Major (in den bisherigen Inkarnationen) schon immer bi- oder pansexuell. Wieso schreibt man eine Szene mit einer vermeintlichen Prostituierten, wenn diese Seite des Major nicht weiterverfolgt wird? Wirklich plotrelevant war sie nicht. Im Trailer war diese Szene schließlich auch schon zu sehen. Oder Batou behauptet in einem kurzen Monolog, dass Erinnerungen, künstlich erzeugte Bilder und Träume alles dasselbe seien und nicht von Bedeutung sind. Ist das so? Dem Film ist das jedenfalls egal. Oder auch die kurze angedeutete Nötigung des Major im Yakuza-Nachtclub. Sie findet statt, wird jedoch nicht weiter thematisiert und mit der nächsten Actionsequenz plattgewalzt. Klar, das sieht schon cool aus und unterhält, aber Themen wie Puppen-, bzw. Cyborgfetischismus oder Selbstbestimmung auch bei einem künstlichen Körper werden nicht thematisiert. Alles Fragen, Probleme und Themenkomplexe, die eine gut durchdachte Cyberpunk-Dystopie mit sich bringen sollte. Verschenktes Potential, dessen Nutzung den Film gleich erheblich besser hätte machen können.
An dieser Stelle möchte ich auch kurz auf die Whitewashingkontroverse zu sprechen kommen. Da kann ich nämlich Entwarnung geben und ich möchte begründen warum. Erstens sind beispielsweise Chief Aramaki, Saito und Togusa tatsächlich mit asiatischen Schauspielern besetzt. Allerhand Statisten und Komparsen ebenso. Zweitens dürfte die Welt in Zukunft wesentlich bunter sein. Im Zeitalter der multinationalen Megakonzerne dürfte die Population noch einmal wesentlich durchgemischter sein als sie es im realen Leben bereits ist. Wenn kybernetische Implantate und sogar ganze künstliche Körper bereits Alltag sind ist davon auszugehen, dass sich die Technologien, die das Reisen betreffen, ebenfalls stark weiterentwickelt haben dürften und somit erschwinglicher wären. Und Drittens orientieren sich Mangaka und Animestudios in puncto Charakterdesign schon immer eher am westlichen denn am asiatischen Aussehen. Ein Rätsel ist mir jedoch seit jeher warum Batou so heißt wie er eben heißt, schließlich ist er der einzige Amerikaner bei Sektion 9. Aber egal, zurück zum Thema.
Wenn die Handlung und Figuren eher sagen wir… durchschnittlich sind, was hat der Film denn dann zu bieten? Einiges! Zum einen wären da die eher kurzen, dafür aber durchaus knackigen Actionsquenzen. Handgemenge an der Gogostange? Check. Ballerrei im Yakuza-Nachtclub? Check! Ziemlich coole aber gescheiterte Geiselnahme mit Robogeishas? Check! Die Setausstattung des gesamten Streifens ist noch dazu wirklich gut. Die Innenräume sind entweder klinisch steril und alles andere als heimelig oder düster, dreckig, rostig und heruntergekommen. Ebenso die Stadt: Das Zentrum ist eine Hightechmetropole voller Wolkenkratzer mit endlosen Straßenschluchten und Neon- beziehungsweise Hologrammwerbeflächen. Die Rand- und Wohngebiete sind eher heruntergekommene Plattenbausiedlungen, die an das heutige China erinnern. Der Film bietet optisch alles an Hintergründen, was es für die richtige Cyberpunkatmosphäre braucht. Dazu gesellen sich natürlich noch die augmentierten Menschen, die sich perfekt ins Gesamtbild einfügen. Dank vorwiegend sehr guter CGI sieht das Ganze auch wirklich toll aus. Die Robogeishas etwa sind Designmäßig wirklich toll geworden. Mit ihrem beabsichtig puppenhaften Look und der Hochglanzgesichtsoberfläche sehen sie im positiven Sinne richtig schön uncanny und irgendwie creepy aber gleichzeitig schön aus. Lediglich die Luftaufnahmen des bunten Stadtzentrums und die zersplitternde Fensterscheibe in der aus den Trailern bekannten ersten Actionszene wirkten auf mich ein klein wenig zu glatt und unnatürlich. Das ist aber mäkeln auf ganz, ganz hohem Niveau!
Auch die Soundkulisse des Films kann sich wirklich hören lassen. Jede Szene hat stets die passende Atmosphäre. Im heruntergekommenen Untergrund tropft irgendwo Wasser von der Decke, auf der Straße hört man den Lärm der Passanten und des geschäftigen Treibens und in den Actionsequenzen knallt und ballert es so richtig schön wie es sein soll. Abgerundet wird das noch durch den stimmigen Electro-Soundtrack von Clint Mansell (bekannt für Requiem for a Dream). Wer meinen Blog verfolgt weiß, dass ich die letzten Wochen noch einmal die ganzen Anime-Ableger rewatche und erstmals den Manga lese. Darum freut es mich ganz besonders, wie Elemente und Motive aus allen Animeadaptionen in den neuen Film integriert wurden. In der Yakuza-Nachclubszene etwa trägt Scarlett Johansson den roten Trainings-Zweiteiler, den der Major auch in der Arise Serie/OVA trägt. Aus der Originalgeschichte hat man zum Beispiel das Hacken der Ghosts und das Füttern mit falschen Erinnerungen oder eine Verfolgungsjagd durch die schlechteren Viertel der Metropole übernommen. Die Geiselnahme durch die Robogeishas erinnert ganz stark an eine der ersten Folgen der ersten Stand Alone Complex Staffel und die im Sterben aufgeklappten Gesichter der Robogeishas oder die Gerichtsmedizinerin, mit der Eigenart ihre Zigaretten im Wasserglas zu löschen, hat man direkt aus Ghost in the Shell 2: Innocence übernommen. Also auch Fans der Animes können mit der richtigen Herangehensweise an den Film ihren Spaß haben, denn trotz der Simplifizierung huldigt man durchaus den Vorlagen.

Fazit

Ghost in the Shell bleibt in den meisten belangen zwar hinter den Manga- und Animevorlagen zurück, ist aber immer noch ein guter Unterhaltungsfilm mit teils cooler Action und sehr stimmiger Cyberpunkamtosphäre. Man muss dem Film nur eine faire Chance geben und ihn losgelöst als alternative Version des bekannten Franchise betrachten.

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