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© Sony Pictures

Titel: Life
Regie: Daniel Espinosa
Genre: Action, Science-Fiction
Setting: Science-Fiction, Horror
Produktion: Columbia Pictures, Nvizage,
Skydance Productions, Sony Pictures,
Sony Pictures Entertainment
Verleih (Kino): Sony Pictures Releasing
Laufzeit: 104 Minuten
Kinostart: 23.03.2017

Handlung

Für die Besatzung der ISS ist ein großer Tag, denn heute kommt die Sonde mit Proben vom Mars zurück. Zur wirklichen Sensation wird das Ganze doch erst durch die Entdeckung eines Einzellers in einer Art Winterstarre, der im Marssand überlebte. Den Wissenschaftlern gelingt es den kleinen Kerl im Labor der ISS wiederzubeleben. Der kleine, bald Calvin genannte, Organismus entwickelt sich in rasantem Tempo weiter und verfügt über bemerkenswerte Eigenschaften: Sämtliche Zellen sind sowohl Muskel- als auch Nervenzelle und bilden ein neuronales Netzwerk.
Es kommt wie es kommen musste: Calvin entwickelt einen gefährlichen Überlebensinstinkt und entkommt aus seinem Brutkasten. Für die Crew der ISS beginnt ein Kampf ums nackte Überleben, denn Calvin wird immer stärker, unverwüstlicher und hungriger. Nicht auszudenken was geschehen würde, wenn der Organismus auf die Erde gelangt…

Kurzreview

Wie man sich schon nach der Inhaltsangabe denken kann erfindet Life das Rad nicht neu. Mit kleinen Variationen erinnert der Plot verdammt an Alien. Sogar die Schriftart der Titeleinblendung zu Beginn des Films scheint eine Hommage an Alien zu sein. Nur erreicht er niemals seine Genialität und schon gar nicht dessen Originalität. Das ist nämlich das Hauptproblem des Films. Über eine bekannte Story kann man hinwegsehen, wenn er sonst total abgefahrene und neuartige Ideen einbringt oder zumindest einen neuen coolen Twist hinzufügt. Aber Life tut nichts dergleichen. Unterhält der Film trotzdem? Ja schon, allerdings hält das Erlebnis nicht lange vor und ist schnell wieder vergessen. Man kann dem Film vorwerfen was man will, aber langweilig ist er keineswegs. Das liegt daran, das fast über die gesamte Laufzeit des Films – sieht man von der gewohnt gemächlicheren Exposition ab – ein Ereignis das nächste Jagd und der Regisseur weder den Protagonisten noch den Zuschauern eine Atempause gönnt. Natürlich nimmt er zwischendurch das Tempo mal etwas raus, aber richtige Atempausen sind das nicht. Das macht den Film sehr kurzweilig. Das Problem ist jedoch, dass man von Alien weiß wie es besser geht. Wo Alien mit subtilem Horror und einer Menge Suspense arbeitet und diese Spannung nur in sehr wenigen Momenten, in denen man das Alien sieht, entlädt, wird bei Life immer voll auf Calvin gehalten. Jede Bewegung und jede blutige Tat bekommt der Zuschauer so unmittelbar präsentiert. Um den Preis, dass nichts mehr das Phantasie überlassen wird und der Film über eine andauernde Grundspannung nicht hinauskommt. Es fehlen echte Spannungsspitzen und die überall in den Schatten lauernde Bedrohung. Zumindest am Ende versucht der Film sich dann doch nochmal an einem kleinen Twist. Persönlich fand ich den Kniff auch gut, da ich entsprechende Enden mag, aber leider erkennt jeder, der über ausreichend Filmwissen verfügt, bereits im entscheidenden Moment die Finte.
Das größte Problem des Films sind jedoch die Figuren. Sie bekommen zwar ein wenig Hintergrund spendiert, damit man sich um sie sorgen kann (inklusive Videolivestream der Geburt der Tochter eines Crewmitglieds), aber irgendwie hat das in dem Fall alles überhaupt nicht funktioniert. Der Funke springt einfach nicht über. Die Charaktere sind zwar nicht unsympathisch aber eben auch zu generisch, als dass sie noch viel reißen könnten. An den Schauspielern liegt das aber nicht, eher am recht schwachen Originaldrehbuch. Der Plot ist also hauchdünn und die Figuren eher so lala. Auftrumpfen kann der Film allerdings beim Produktionsdesign, denn die Raumstation sieht wirklich stimmig und soweit ich das einschätzen kann realistisch aus. Allerdings hat man das selbe in Grün natürlich schon in zig anderen Filmen gesehen. Schön anzusehen ist es dennoch. Das liegt vor allem an der soliden Kameraarbeit. Die langen schlauchförmigen Korridore der Raumstation oder Kommandostände voll technischer Geräte sind allerdings auch eine dankbare Kulisse. Augenzwinkernd könnte man auch behaupten, dass man die Kamera halten kann wie man will, denn in einem solchen Set sieht es immer gut aus. Aber grade die symmetrischen Gänge oder in rote Notbeleuchtung getauchte Szenen erinnern wohl nicht nur zufällig an 2001. Eine Szene, die mir wirklich gut gefallen hat, soll jedoch nicht unerwähnt bleiben. Die ersten Schätzungsweise zwei Minuten, in den man das Innere der Station kennenlernt, sind ein langer Oneshot, der das Feeling in der Station wirklich toll rüberbringt. (Nicht nur) Hier hat sicherlich Gravity Pate gestanden. Aber auch der erste Blick auf die Raumstation, die sich während des Sonnenaufgangs aus dem Schatten der Erde schält ist ein wirklich schönes Bild. Überhaupt kann sich auch die CGI sehen lassen und ist hier absolut solide. Besonders Calvin ist im frühen Stadium schon irgendwie faszinierend und interessant. Je größer er wird, desto unspektakulärer wird sein Design leider auch. Gegen Gigers Alien, wohl eines der besten Figurendesigns der Filmgeschichte, kommt man leider nur schwer an. Bei dem Plot muss man diesen Vergleich aber leider über sich ergehen lassen. Da ich mit etwas positivem Enden will, kann man noch das Sounddesign erwähnen. Der teils treibende Soundtrack trägt zur Spannung bei und einige Sounds, wenn Calvin sich etwa um die Crewmitglieder „kümmert“ sind echt richtig schön fies.

Fazit

Life ist ein ziemlich generischer Science-Fiction-Film, der einen sehr dünnen, an Alien angelehnten Plot versucht durch Nonstop-Action wettzumachen. Das funktioniert allerdings eher so mittelprächtig. Life ist zwar an sich kein schlechter Film, steht aber in allen Belangen im Schatten großer Vorbilder. Auch wenn der Film anschließend schnell in Vergessenheit gerät ist eine einmalige Sichtung durchaus unterhaltsam.

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