Heute gibt es eine Premiere: Mein erstes Review/mein erster richtiger Kommentar zu einem Videospiel! Und dann auch noch gleich zu meinem allerersten PS4-Titel – denn seit neuestem bin ich stolzer Besitzer eben jener Konsole.

The Last Guardian
Cover des Spiels © Sony Interactive Entertainment

Fakten

Titel: The Last Guardian
Genre: Action-Adventure
Plattform: PS4
USK: 12
Spielzeit: ca 9-12 Stunden
Studio: SIE Japan Studio,
genDESIGN
Publisher: Sony Interactive Entertainment
Erschienen: 07.12.2016
Preis: 29,99€ [affiliate Link] (Stand: 10.04.2017)

Kurzreview

Für gewöhnlich fange ich meine Reviews ja mit einer Handlungsangabe oder zumindest einer Einführung an. Im Falle des PS4-exklusiven Spiels the Last Guardian spare ich mir das jedoch einmal in separater Form, denn die Handlung ist denkbar simpel: Ein namenloser Junge wacht in einer mysteriösen Höhle neben einem noch viel mysteriöseren und recht großen Fabeltier, einem Trico, auf. Diesen Trico muss man sich in etwa als eine Chimäre aus Vogel, Hund und Katze vorstellen. Klingt komisch ist aber sehr stimmig. Das Tier ist angekettet und der Junge befreit es. Fortan suchen die beiden gemeinsam ihren Weg durch Höhlen, Minen, verwunschene Tempel und eingestürzte Türme. Im Grunde ist dies die ganze Handlung. Leider steckt auch nur wenig mehr dahinter. Das Spiel kommt jedoch wunderbar ohne eine tiefgreifende Handlung aus, denn es lebt einzig und allein von der Stimmung der Orte und vor allem von der Beziehung zwischen dem Trico und dem Jungen. Die beiden müssen nämlich zusammenfinden, lernen einander zu verstehen und vor allem zu vertrauen. So entsteht zwischen den beiden ein ganz besonderes Band, das jederzeit zu spüren ist und den Charme des Spiels ausmacht. Vor allem ist diese Beziehung ebenso Grundlage der Spielmechanik.

The Last Guardian™_20170407154927
Der Beginn einer ganz besonderen Beziehung. Screenshot PS4

Im Kern ist the Last Guardian ein Action-Adventure der Marke Tomb Raider und Co. Es wird also viel gehüpft, geklettert, ein wenig getaucht und ein bisschen (recht seicht) gerätselt. Das geschieht jedoch in einem sehr viel gemächlicheren Tempo als man es von anderen Titeln kennt. Zeitkritische Momente gibt es selten und großes Geschick ist auch eher weniger gefragt. Bei der leider teils wirklich fummeligen und unpräzisen Steuerung und manchmal ungünstigen Kamera wäre dies auch extrem frustrierend. Das Spiel gibt einem jedoch in jeder Situation so viel Zeit wie man braucht um die Kamera neu auszurichten und nicht hektisch in den Tod zu stürzen. Ein Flow, wie man ihn etwa bei Rise oft he Tomb Raider erleben konnte kommt so allerdings leider niemals auf. Den richtigen Weg in den sehr linearen Levels findet man meistens ziemlich schnell. Häufig wird der Spieler auch durch den Einsatz von Licht oder optische Abhebung erkletterbarer Simse oder durch helle, türkise Symbole auf den Kacheln. Leider gibt es jedoch eine Hand voll Situationen, in denen ich wirklich nur durch geduldiges herumprobieren weiterkam, weil Hinweise komplett fehlten oder plötzliche Dinge möglich waren, die sonst nicht gingen.
Der wirkliche Clou der Spielmechanik ist jedoch ein anderer: Das Fabeltier und der Junge brauchen einander um neue Wege zu finden. Der Junge etwa kann nicht wirklich kämpfen und steht machtlos vor Abgründen oder hohen Hindernissen. Auf dem Rücken des Tieres lässt sich jedoch so mancher Abgrund überwinden oder Vorsprung erklimmen. Im Gegenzug kann sich der Junge durch Tore und Felsspalten zwängen oder auf schmalen Simsen balancieren um Hebel zu erreichen, mit denen man etwa Zugbrücken für den Trico herunterzulassen oder Tore öffnen kann. Gerät der recht wehrlose Junge jedoch mal in einen Kampf mit magischen Rüstungen ist der Trico stets zur Stelle um ihn zu beschützen. Im Gegenzug füttert der Spieler, beziehungsweise der Junge, das Tier, kümmert sich um seine Verletzungen und gibt dem Tier Streicheleinheiten um es zu beruhigen. So spiegelt die Spielmechanik also ganz wunderbar die Beziehung der beiden oder auch die Beziehung des Spielers zu Trico. Ich habe Trico sofort ins Herz geschlossen. Trotz seiner Größe ist er nämlich irgendwie süß und einfach liebenswert. Dass dies so gut funktioniert liegt auch daran, dass Trico als der viel Verletzlichere der beiden auftritt, der über sich und eigene Ängste hinauswächst wenn sein neuer Freund in Gefahr ist. Ich habe bislang noch in keinem Spiel erlebt, dass so eine enge Bindung, wie die der beiden, sich so gut auf mich, also den Spieler, übertragen hat. Allerdings habe ich Titel wie the Last of Us auch noch vor mir. Leider schlägt jedoch auch beim Zusammenspiel der beiden die fummelige und unpräzise Steuerung zu. Manche Befehle an Trico muss man von unterschiedlichen Positionen aus geben, weil Trico an einigen Stellen nicht reagiert oder versteht was man von ihm möchte. Im Prinzip funktioniert das Zusammenspiel aber recht gut und macht Spaß. Gegen Ende nutzte sich das Prinzip mangels Abwechslung jedoch ab. Denn meistens sagt man Trico nur wohin er springen soll. Nur sehr selten darf der gefiederte Flugkatzenvogelhund mehr zeigen. Das fand ich etwas Schade, da findigen Entwicklern sicher noch die eine oder andere Spielerei einfallen dürfte. Bei den um und bei 9-12 Stunden Spielzeit macht das Spiel jedoch bis zum Ende Spaß. Neben der tollen Dynamik zwischen den Hauptfiguren und dem passenden Gameplay gehört die mysteriöse Spielwelt zu den Highlights des Spiels. Wahrscheinlich wegen der langen Entwicklungszeit gehört die Grafik des Spiels eher zum Standard als zur Topliga, doch zaubert sie teils wirklich schöne Ruinen und Ausblicke auf den Bildschirm. Kommt dann jedoch noch ein bisschen was an Physikberechnung hinzu, bricht die Framerate etwas ein. Allerdings bleibt es in den meisten Fällen spielbar. Optisch am meisten her machen die spärlich beleuchteten Ruinen, wenn sich nur wenige Lichtstrahlen hinenverirren oder wir konträr dazu weiste Ausblicke auf die Ruinenlandschaft genießen dürfen. Die Wahnwitzige Architektur in Außenarealen hat ihren Reiz. Der Haken ist jedoch, dass die Ruinen wirklich überall gleich aussehen und immer im selben Farbschema gehalten sind. Erst im Finale gibt es ein wenig Abwechslung, schade. Abgerundet wird das Spielerlebnis durch einen sehr sparsam eingesetzten aber stimmungsvollen und zweckdienlichen Soundtrack.

Fazit

The last Guardian ist mein erster PS4-Titel und als solcher zum Einstieg sehr gut geeignet. Wer volle Möhre Action sucht und sich einen ähnlichen Flow aus Laufen, Springen, Klettern und Schwimmen wie in den Tomb Raider Spielen erhofft, wird mit the Last Guardian keinen Spaß haben. Wer jedoch Zeuge einer ganz besonderen Beziehung werden will, die sich sinnvoll in einem Action-Adventure-Gameplay wiederspiegelt, und auch mit gemächlicherem Tempo seinen Spaß hat sollte unbedingt zugreifen, denn trotz einiger Schwächen ist the Last Guardian ein wirklich schönes Spiel. Der Widerspielwert ist allerdings sehr gering.

The Last Guardian™_20170407181100
Die Beziehung der beiden Hauptfiguren ist einfach wunderschön und authentisch geschildert. Screenshot PS4
Advertisements