alien_IV
© 20th Century Fox

1997 war es so weit, der vierte Teil der Aliensaga fand seinen Weg ins Kino und wird somit 20 Jahre alt – wenn das mal kein weiterer Grund ist sich die Kinofassung von damals erneut anzusehen. Nach seinem Erfolg mit Delicatessen bekam mit dem Franzosen Jean-Pierre Jeunet bereits der vierte Regisseur die Chance die Saga weiterzuerzählen.
Dieser vierte Teil setzt 200 Jahre nach dem Finale von Alien 3 ein, in dem Ripley sich und die Alienkönigin tötete. Skrupellose Militärs und Wissenschaftler versuchen aus alten Proben Ellen Ripley und mit ihr die Alienkönigin zu klonen um Aliens für militärische Zwecke zu züchten. Mit Hilfe der neu geschaffenen Alienkönigin gelingt es den Wissenschaftlern an etliche Eier mit Facehuggern zu gelangen. Nun braucht es nur noch Wirte für die Parasiten, in denen neue Alien heranreifen können. Die lässt der Leiter der Forschungseinrichtung von einer Gruppe Raumpiraten besorgen, die sich für einige Tage in der Station einquartieren. Die geklonte Ripley entdeckt währenddessen ungeahnte Kräfte und Eigenschaften an sich, denn ihr Erbgut wurde mit dem der Königin vermischt…

Auch der dritte Regiewechsel bringt einen Stilwechsel mit sich. Teil 3 orientierte sich wieder etwas mehr am Original und vermischte Horror mit Thriller. Jeunet kredenzte aus denselben Zutaten wieder eine etwas andere Mischung. Auch die Raumstation ist wieder sehr düster und dreckig geraten, jedoch nicht ganz so verwinkelt wie das Straflager auf Fury 161. Das Alien metzelt nicht eine Figur nach der anderen still und heimlich aus dem Hinterhalt nieder, sondern die kleine Gruppe von Aliens schlägt zumeist recht offen zu. Besonders gruselig ist das also weniger. Wenn die Aliens im offenen Schlagabtausch zerplatzen ist das sogar manchmal eher ein wenig unfreiwillig komisch. Das passt aber zu Jeunets Stil, der manchmal ein bisschen Schräg und awkward ist. Immer wieder sieht man einige der Figuren in etwas strange anmutenden Headshots, wie man es aus seinen Französischen Komödien kennt. Der Horror rührt eher von der Geschichte selbst her. Der Film zeichnet nämlich eine dystopische Zukunft, in der das Individuum wenig zählt und in der zum eigenen Vorteil auf grenzüberschreitende genetische Experimente gesetzt wird. Die „funktionsfähige“ Ripley und die autark Lebensfähige Alienkönigin sind nämlich nur der neueste und erste geglückte Klonversuch… Folglich bringt der Film ein bisschen Body- und Ekelhorror ins Spiel. Kann man machen. Funktioniert auch. Ist aber nur in wenigen Szenen präsent. Der Rest des Films ist im Kern ein Thriller, lässt aber ein bisschen die große Spannung vermissen. Die meiste Zeit dümpelt der Film etwas ziellos vor sich hin. Man kann nicht sagen, dass der Film langweilig wäre, aber so richtig gefesselt hat er mich auch nicht. Das liegt auch an den belanglosen Figuren. Selbst Winona Rider als Call bleibt als menschlichste Figur eher blass. Selbst Ron Perlman darf nur als generischer Nebencharakter auftreten. Im Gegensatz zu den vorherigen Teilen der Saga bleibt auch Weaver als Ripley nicht unbedingt im Gedächtnis. Das liegt zum einen daran, dass ihr Charakter in den Vorgängern wesentlich interessanter und besser geschrieben ist und zum anderen am Script, dass vorsieht, dass Ripley durch bruchstückhafte vererbte Erinnerungen und durch die Tatsache, dass sie direkt als erwachsene Frau geklont wurde, an einer Art emotionalem Autismus leidet. Für mein Empfinden verhielt sich die Figur auch nicht unbedingt immer nachvollziehbar und mitunter sogar etwas komisch. Dabei hätte hier durchaus potential beständen, denn Ripley hätte jeden Grund mit ihrer Existenz zu hadern, schließlich trägt sich vermischtes Erbgut aus Mensch- und Alien-DNA in sich. Das scheint sich aber nur bedingt zu interessieren.
Das führt dazu, der Film über keine Figur verfügt, mit der man sich identifizieren oder mit der man mitfühlen kann. Nur in wenigen Szenen, etwa, wenn sie ihre missgebildeten Klone findet oder Ripleys menschliche Seite sich im Finale durchsetzt, kann der Film auf Charakterebene ein bisschen punkten. Das eine oder andere Logiklocher hat sich leider auch in den Film geschlichen. Darauf möchte ich an dieser Stelle aber gar nicht näher eingehen.
Gewohnt gut sind hingegen die Sets und Kostüme. Ich predige ja immer, dass Science-Fiction-Filme den used Look brauchen um authentisch zu wirken. Teil 4 übertreibt es dabei allerdings sogar. Die Forschungsstation ist dermaßen verdreckt und abgeranzt, dass man sich fragt was dort schiefläuft oder wie lange das Ding leer steht. Auch bei den Aliens kann der Film punkten. Denn obwohl der Film 1997 in den Kinos zu sehen war und CGI bereits relativ fortgeschritten, setzte man erneut auf Kostüme, Masken und Puppen. Die sehen auch wieder richtig gut aus. Negativ viel mir jedoch auf, dass die Xenomorphen dieses Mal so verdammt viel Schleim und Flüssigkeiten absondern, dass sie innerhalb kürzester Zeit vertrocknen müssten. Das wirkt zwar schön eklig, aber einfach blödsinnig. Ganz ohne CGI kommt die Kinofassung des Films allerdings doch nicht aus. Was man zu sehen bekommt fällt jedoch nicht weiter negativ auf. Erst recht nicht in Anbetracht des durchaus erheblichen Alters von 20 Jahren.

Wie Alien 3 auch, ist die Wiedergeburt bei weitem nicht als Klassiker zu bezeichnen. Dafür dümpelt der Film zu unentschlossen vor sich hin und weiß erzählerisch in keiner Sparte gut genug zu überzeugen. Als vorläufiges Ende der Alien-Saga ist die Wiedergeburt eher enttäuschend. Der Film ist weder wirklich schlecht noch wirklich gut, er ist absolut durchschnittlich. Nach dem guten Ende von Teil 3 wäre dieses Aufwärmen des Stoffes nicht nötig gewesen.

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