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© 20th Century Fox

2012 war es endlich soweit: Mit Prometheus brachte Alien-Urvater Ridley Scott nach über 30 Jahren endlich seinen zweiten Film des Alien-Franchise heraus. Als Prequel zum ersten Alien konzipiert und vermarktet enttäuschte der Film viele Fans auf den ersten Blick. Nach einer weiteren Sichtung ist der Grund für mich völlig klar: Wer bei diesem Alien-Prequel wirklich ein Alien-Prequel erwartet bekommt nicht das, was die Verpackung verspricht, oder vielmehr nicht das, was viele Fans sich darunter vorgestellt haben. Oberflächlich betrachtet gibt es nämlich kaum Verbindungen zum ersten Auftritt des „unheimlichen Wesens aus einer anderen Welt“. Das ikonische Alien tritt nicht einmal auf. Der zeitliche Abstand zu Ripleys Kampf gegen den Xenomorph an Board der Nostromo ist einfach zu groß um direkte Verbindungen zu ziehen. Viele vergaßen, dass Scott schon damals mit dem Gedanken liebäugelte mehrere Prequels zu drehen. Der Bogen zum ersten Film ist also ein weiterer, der erst in Fortsetzungen wie Alien: Covenant weitergeschlagen wird.
Nachdem die Wissenschaftler Elisabeth Shaw und Charlie Halloway 2089 Wandgemälde und Reliefs verschiedenster untergegangener Kulturen entdecken, die alle von hünenhaften Wesen berichten und dieselbe Planetenkonstellation zeigen, finanziert der Tycoon Weyland eine Reise zum mutmaßlichen Ursprungsplaneten der menschenähnlichen Aliens. Nach zweijährigem Kälteschlaf ist das Ziel erreicht: Der Mond LV-223, der in der habitablen Zone eines weit entfernten Sonnensystems liegt.
Auf der ebenso öden wie bergigen Oberfläche findet die Expedition ein riesiges hohles Gebilde, dass eindeutig nicht natürlichen Ursprungs ist. Bei der Erkundung des Bauwerks stolpern die Wissenschaftler über 2000 Jahre alte hünenhafte Leichen. In einer Kammer im Innersten entdeckt die Gruppe Zylinder mit einer merkwürdigen schwarzen Flüssigkeit darin. Außerdem regt sich fremdes Leben in den verworrenen Gängen… Ist dies die einzige Gefahr? Wer verfolgt mit dieser Mission eigentlich welche Ziele?
Was nach einem perfekten Alien-Film klingt geht dann ganz anders weiter. Wer einen „richtigen“ Alien-Teil erwartet, der kann dadurch nur enttäuscht werden. Der Film ist eher als eine Vorgeschichte zur Vorgeschichte von Alien zu betrachten. Wer dem Film jedoch eine Chance gibt bekommt nicht mehr oder weniger als eine sehr gute Erweiterung der Storyworld von Alien. Der Film ist sehr religiös aufgeladen oder greift zumindest Bibelmotive auf und wagt nichts geringeres als eine alternative Schöpfungsgeschichte zu erzählen, in der die Menschheit von den Hünen der Wandmalereien abstammt, den sogenannten Konstrukteuren. Die Reise der Prometheus ist eine Reise zu den eigenen Ursprüngen beseelt von dem Wunsch dem eigenen Schöpfer gegenüber zu treten. Sei vorsichtig was du dir wünscht, denn deine Wünsche könnten in Erfüllung gehen! Und das kann ganz schnell anders kommen als gedacht. Um spoilerfrei zu bleiben spare ich mir eine weitere Ausführung der Story an dieser Stelle.
In seinen Stärken knüpft Prometheus teilweise direkt an Alien an. Soll heißen das Set-Design und die Special Effects sind wirklich gelungen und atmosphärisch. Der Kontrast vom sterilen blitzsauberen inneren der Prometheus und dem fechten vor sich hin modernden Inneren der Basis der Konstrukteure sorgt für die nötige Stimmung. Die Basis mit ihrem Biomechanischen Design H. R. Gigers ist auch der deutlichste Indikator, der Prometheus schon früh als Teil der Alien-Saga ausweist. Bekannte Motive und Elemente aus dem Ur-Alien werden erneut aufgegriffen und gehören zu den besten Momenten des Films.
Seine Spannung bezieht Prometheus gegenüber dem ersten Film der Saga allerdings weniger aus dem subtilen Horror und der in den Schatten lauernden Bedrohung, sondern aus der Story selbst, was nicht heißt, dass es keine Horrorelemente gibt. Mutationen, fremde Lebensformen und so einige Tote gibt es natürlich trotzdem. Erfreulicherweise setzte Ridley Scott trotz der fortgeschrittenen Technologie dort wo es möglich war wieder auf practical Effects und Masken/Make-Up statt alles digital zu erschaffen. Ein Beispiel findet ihr hier bei Cinemablend.
Obwohl der Film im Großen überzeugen kann ist nicht alles gelungen. Größtes Manko sind beispielsweise die Charaktere. Eine wichtige Rolle spielen eigentlich nur Elisabeth Shaw (Noomi Rapace) und der Android David (Michael Fassbender). Aber auch diese Figuren bleiben relativ blass, tragen aber den größten Teil der Story. Alle anderen Charaktere sind lediglich Mittel zum Zweck (irgendwer muss schließlich sterben oder so ein Schiff bedienen) und lediglich in ihrer Funktion als Opfer jedweder Art nötig um die Handlung voranzutreiben und Stimmung aufzubauen. Da die Charaktere aber so blass und unwichtig sind, verfehlten so einige Filmtode ihre Wirkung und ließen mich kalt. Elisabeth ist aber insofern interessant, als dass der Film bei ihr die Muttermotive aus Alien 2-4 wieder aufgreift – eine weitere Verbindung zur übrigen Saga. Am offensichtlichsten wird die Verbindung jedoch ganz am Schluss, als man den Film eigentlich schon vorbei wähnt… diese kurze Szene wirft viele Fragen auf und macht Lust auf Alien: Covenant, der in Anlehnung an die Herkunft der Konstrukteure aus dem „Paradies“ eigentlich Paradise Lost heißen sollte…

Prometheus ist das Alien-Prequel, das eigentlich keines ist, das so keiner wollte, das aber genau das war, was das Franchise für mehr Tiefe brauchte. Betrachtet man den Film etwas losgelöst und macht sich von dem Gedanken frei ein Widersehen mit dem Xenomorph zu feiern, kann man von Prometheus bestens unterhalten werden, denn unter diesen Voraussetzungen ist Prometheus ein guter und spannender Science-Fiction Film.

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