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© Warner Bros.

Fakten

Titel: Wonder Woman
Regie: Patty Jenkins
Genre: Action, Drama, Superheldenverfilmung
Setting: Krieg
Drehbuch: Allan Heinberg
Produktion: Warner Bros.,
DC Entertainment, Atlas Entertainment,
Cruel & Unusual Films
Verleih (Kino): Warner Bros. GmbH
Laufzeit: 141 Minuten
Kinostart: 15.05.2017

Handlung

Amazonenprinzessin Diana lebt im Paradies. Behütet von ihrem Stamm starker Amazonenkriegerinnen fehlt es ihr abgeschottet vom Rest der Welt an nichts. Doch schon als kleines Mädchen fühlt sie sich zum harten Kampftraining hingezogen. Hinter dem Rücken ihrer Mutter der Königin lässt sich das Mädchen zu einer Kriegerin ausbilden.
Als sie zu einer jungen Frau herangewachsen ist stürzt der britische Spion Trevor in den Gewässern vor der Insel mit seinem Flugzeug ab. Unwissend führte er so ein deutsches Kriegsschiff nach Themyscira, der Insel der Amazonen. Nachdem die Kriegerinnen den Angriff der Soldaten unter Verlusten abwehren können berichtet Trevor vom Schrecken des ersten Weltkriegs und dass er eine wichtige Mission zu Ende bringen muss um unschuldige Leben zu retten. Diana ist überzeugt, dass der Kriegsgott Ares, der mit den Amazonen noch eine Rechnung offen hat, hinter all dem steckt. Sie flieht mit dem gestrandeten Soldaten von ihrer Insel um Ares das Handwerk zu legen und den Krieg, der alle Kriege beenden soll, wirklich zu einem Ende zu bringen.

Kurzreview

Nach den ersten eher missglückten Ausflügen ins DCEU wie Suicide Squad oder Batman v. Superman stellt sich eine große Frage: Kann Wonder Woman das grade erst vom Stapel laufende Schiff retten oder versenkt Warner sein Helden-Universum endgültig noch direkt im Hafenbecken?
Betrachtet man erst einmal die Handlung wird ziemlich schnell klar, dass man es mit dem ersten Solofilm eines neuen Superhelden beziehungsweise einer Superheldin zu tun hat. Die Story ist sehr simpel und lockt eigentlich auch niemanden hinter dem Ofen hervor. Interessant wird sie erst durch zwei Aspekte: Die Ansiedelung der Story im ersten Weltkrieg, der sehr löblich mit dem nötigen Ernst und mit für einen Superheldenfilm erstaunlich drastischen Darstellungen angegangen wird, und dem Culture Clash-Aspekt, denn Diana kommt schließlich von einer Jahrtausende von der Außenwelt abgeschnittenen Insel, auf der die Amazonen isoliert in einer antiken Kultur überdauert haben. Dieser kleine Culture Clash sorgt mit leisem und subtilem Humor für das eine oder andere Schmunzeln und lockert den ernsten Ton etwas auf. Hier zünden die meisten Witze. Das liegt vor allem an den super harmonierenden Hauptdarstellern Gal Gadot und Chris Pine. Es knistert glaubwürdig zwischen den beiden, die Chemie stimmt. Die paar Witze zu Beginn, die darauf abzielen, dass Diana noch nie einen Mann getroffen hat, sind zwar nicht peinlich geraten, zündeten bei mir jedoch weniger gut. Das Potential des Culture Clash hätte man in meinen Augen noch deutlich weiter nutzen können und sollen um den sonst sehr ernsten und düsteren Film weiter aufzulockern und leichtfüßiger erscheinen zu lassen. Erster Weltkrieg hin oder her: Auch wenn die Charaktere gut geschrieben sind (ein Wunder nach den im Intro genannten Totalausfällen!) gibt die eigentliche Rahmenhandlung nicht genug für den düsteren Ton her. Allerdings ist dies Meckern auf einem recht hohen Niveau. Was mir am Meisten sauer aufstößt ist jedoch der Umstand, dass man eine riesige Chance verpasst hat den ersten „echten“ etwas anderen Superhelden-Film zu machen. Wonder Woman zieht nämlich in den Krieg um die Menschheit zu retten, die, wie sie glaubt, in ihren Herzen von Ares vergiftet wurde. Doch Kriege heraufzubeschwören schaffen die Menschen wie sich zeigt ganz alleine. Und genau hier setzt meine Kritik an: Der Oberbösewicht, der nur wenige Minuten Screentime hat, ist völlig überflüssig. Stattdessen hätte man Wonder Woman gegen den Krieg selbst ziehen lassen sollen, wie sie es im Grunde auch tut. Alles jedoch unter dem banalen Vorwand Ares bezwingen zu müssen. Diese Grundannahme, dass es immer genau einen großen Bösewicht gibt, der bekämpft werden muss, macht alle Superheldenfilme gleich. Und hier war man schon kurz davor damit zu brechen besaß aber wohl nicht genug Mut es auch bis zum Ende konsequent durchzuziehen – sehr sehr schade!
Aber zurück zu den Figuren und Schauspielern, denn die sind die größte Stärke des Films und die Faktoren, die alles zusammenhalten. Allen voran glänzt Gal Gadot in ihrer Rolle als Amazonenprinzessin Diana, die später unter dem Namen Wonder Woman bekannt sein wird. Für mich als nicht-Kenner der Comics trifft sie den Ton einer Wonder Woman, wie ich sie mir vorstelle, großartig. Sie bringt den Charme, den Idealismus, den Mut und die Wärme ihrer Rolle gut und glaubwürdig rüber. Dass ihr Charakter sich dabei stetig weiterentwickelt und sie mit vollem Herzen und Idealen aller Umstände zum Trotz für das Kämpft, an das sie glaubt, heben sie als Heldin angenehm hervor. Grade als Gegenpol zu den aktuellen düster-grimmigen Superman- und Batmaninkarnationen dürfte sie mit ihrer charmanten Art und ihrer Wärme sehr wichtig für das DCEU sein. So stelle ich mir eine starke, selbstbewusste Frau im Heldinnenkostüm, die ihren männlichen Gegenparts absolut ebenbürtig, wenn moralisch und emotional nicht sogar überlegen, ist, vor. Aber auch Chris Pine und die wichtigeren Nebendarsteller machen ihre Sache gut und passen zusammen. Die Interaktion der kleinen Gruppe wirkt authentisch und viel wichtiger: Die Taten und Worte aller haben spürbare Auswirkungen auf die Taten und das Befinden anderer. Auf Charakterebene – einem der allergrößten Schwachpunkte der bisherigen DCEU-Filme – kann Wonder Woman also auf ganzer Linie überzeugen. Das macht Hoffnung für zukünftige Filme.
Auf technischer Ebene ist der Film wiederum ein zweischneidiges Schwert: Grade zu Beginn sehen beispielsweise viele Compositings (speziell des Paradieses) und die CGI-Effekte bestenfalls durchschnittlich aus. Mit durchschnittlichen Effekten kann ich dabei gut leben. Bei einem Effektfeuerwerk und großer Materialschlacht müssen die Effekte jedoch ‚Top-Notch‘ sein, was leider nicht immer gegeben ist. Ich weiß nicht ob ich mich nur dran gewöhnt habe, aber die Effekte scheinen in der zweiten Filmhälfte an Qualität etwas gewonnen zu haben. Bei den Kriegsszenen fällt mir zudem positiv auf, dass der Look des Films eher einem düsteren Realismus als dem extrem überästhetisierten Look eines Batman v. Superman entspricht. Gemeinsam haben beide Filme aber einen fast schon übertrieben epischen und pathetischen Soundtrack, der häufig das Klangbild dominiert. Speziell in den ruhigeren Passagen und dem Sturm über das Niemandsland kann der Soundtrack aber mit ein paar tollen Momenten auftrumpfen und stellt sich hierbei sehr in den Dienst des Films.

Fazit

Dianas erstes Soloabenteuer ist gleichzeitig der erste Lichtblick im bislang wenig überzeugenden DCEU. Das liegt zum einen an den charismatischen Hauptdarstellern und zum anderen an den überzeugend geschriebenen und sympathischen Figuren an sich. Trotz einiger Schwächen weiß der Film gut zu unterhalten und läutet hoffentlich eine etwas rosigere Zukunft des DCEUs ein. Mit Wonder Woman haben DC und Warner bewiesen, dass sie im Stande sind einen soliden Film und einen guten Superheldenfilm abliefern zu können.

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