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© Sony Pictures

Baby Driver [Kino]

Auf Baby Driver habe ich sehr lange gewartet, denn ich liebe Scott Pilgrim und die Cornetto Trilogie! Letzten Mittwoch hatte ich dann das Glück Edgar Wrights neues Werk bereits einige Wochen vor Kinostart in einer Sneak-Preview sehen zu dürfen.
Ich wurde nicht enttäuscht! Baby Driver – zugegeben, der Name ist reichlich bescheiden – bietet alles was man an Edgar Wright-Filmen lieben kann: Coole Schnitte, absurd komische Dialoge, schrullige Figuren, auf die Musik abgestimmte Choreografien und andersartige Situationskomik. Das Ganze wildert dieses Mal im Bereich der Heist-Movies und Gaunerkomödien. Die Story ist hierbei absolut Genreüblich: Der (Anti-)Held Baby möchte aus seinem Job als Fluchtwagenfahrer aussteigen nachdem er alle seine Schulden getilgt hat. Dann tritt auch noch die süße Kellnerin Deborah in sein Leben und auf einmal geht es nicht mehr nur um ihm. Doch das mit dem Aussteigen ist in Gangsterkreisen ja immer so eine Sache…
Wer schon einmal einen Edgar Wright Film gesehen hat, der kann sich grob vorstellen, was er in Baby Driver zu erwarten hat. Das Darstellerensemble mit Größen wie Jamie Fox, Kevin Spacey und Jon Hamm und unbekannteren Gesichtern wie Ansel Elgort und Lily James tut sein Übriges. Besonders der stimmenden Chemie der beiden letzteren ist es auch zu verdanken, dass sich die Lovestory zwischen den beiden Figuren absolut nicht fehl am Platze anfühlt, sondern sich harmonisch ins Gesamtbild einfügt. Da ich in diesem Format gar nicht allzu sehr ins Detail gehen möchte, erläutere ich lieber kurz worin sich Baby Driver von den letzten Wright Filmen unterscheidet ohne seine Markenzeichen zu vernachlässigen. Zuerst wäre da die etwas eigene Hauptfigur Baby mit der ich etwas länger zum warmwerden brauchte. Das liegt vor allem an seinem wortkargen Aufreten. Er wird außerdem mehr über seine Taten charakterisiert als über seine Worte. Und über die Worte und Taten anderer. Sympathisch ist der junge Mann so dann trotzdem schnell, vor allem weil er „ein guter Junge“ ist.
Des Weiteren fällt auf, dass der Film nicht ganz so stark auf die charakteristischen schnellen elliptischen Schnitte setzt wie etwa Hot Fuzz. Am auffälligsten ist aber wohl, dass der Einsatz von Musik in diesem Film auf die Spitze getrieben wird. Fast alle Actionsequenzen, von denen es auch deutlich mehr als sonst gibt, sind in Bild und Ton vermehrt (und nicht nur in wenigen kurzen Einstellungen) perfekt auf die Musik synchronisiert. So kommt der Musik neben ihrer atmosphärischen Funktion auch noch die ehrenvolle Aufgabe zu das Tempo des Films in weiten Teilen zu bestimmen. Da ist es nur logisch, dass Baby Driver auch ein Film für Musikfans ist, denn die Musik selbst ist häufig Gesprächsthema der Figuren und findet sich auch in den teils sehr skurrilen Hobbies der Hauptfigur wieder.
Um nun mal zu einem Ende zu kommen: Lohnt sich Baby Driver? Ja, unbedingt! Ist er ein typischer Edgar Wright Film! Ja verdammt! Hat er neues zu bieten? Durchaus. Ist er spannend? Ja, und sehr kurzweilig! Ist er besser als Hot Fuzz? Norp. Besser als Shaun oft he Dead? Nee. Besser als Worlds End? Auf jeden Fall! …und als Scott Pilgrim? Das ist Geschmackssache.

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© Universum Spielfilm

The Girl with all the Gifts [Blu-Ray]

Auf The Girl with all the Gifts war ich seit den ersten Trailern auch sehr gespannt obwohl ich die Vorlage nicht kenne. Einem „etwas anderen“ Zombiefilm bin ich einfach nie abgeneigt. Wobei Zombies hier vielleicht irreführend ist. Abweichend vom klassischen (modernen) Zombie werden die Menschen im Film von einem Pilz befallen, das Nervensystem und Gehirn befällt und für einen ungehemmten Hunger auf lebendes Fleisch auslöst. Jegliche Persönlichkeit und eigenes Denken gehen durch die Infektion verloren und die befallen irren wie Zombies umher auf der Suche nach dem nächsten menschlichen Snack. Ein paar andere Eigenarten bringen diese sehr an The Last of Us erinnernden „Hungernden“ auch noch mit.
Wie lange der seuchenartige Ausbruch des Pilzes, der durch Körperflüssigkeiten übertragen wird, her ist, ist nicht näher bekannt. In einer militärischen Forschungseinrichtung befindet sich jedoch eine ganze Gruppe von Kindern, die trotz Infektion ihre menschliche Persönlichkeit bewahrt haben und scheinbar in einer Art Symbiose mit dem parasitären Pilz leben. Sie werden in der Anlage zu experimentellen Zwecken unterrichtet und erforscht in der Hoffnung einen Impfstoff herstellen zu können. Eines Tages wird die Einrichtung jedoch von Hungernden überrannt und alles bricht zusammen. Die Lehrerin der der Kinder, ein Mädchen, die forschende Medizinerin, ein Soldat und ein Offizier entkommen dem Chaos und müssen sich in der Hoffnung auf Rettung alleine durchschlagen…
Die bloße Handlung bietet kaum neues und ist leider relativ spannungsarm erzählt. Es gibt trotz des Settings kaum bis gar keinen Schrecken. Viel mehr liebt der Film von der „Lost Place“-Atmosphäre, die wieder stark an das Playstation-Spiel The Last of Us erinnert, und von den Charakteren. Leider verpasst es der Film wirkliche Spannungen innerhalb der Gruppe aufzubauen oder die Beziehungen besonders innig zu gestalten. So verfehlen Todesfälle leider ihren Effekt und sind einfach nur Teil des Setting statt einer stringenten Narration. Am meisten bei der Stange halten die Fragen rund um das Mädchen und die anderen Kinder: Warum ist es ihnen möglich sie selbst zu bleiben, solange sie keinen Hunger haben oder man ihnen mit Frischfleisch vor der Nase herumwedelt, und woher kommen diese Kinder? Fragen die leider schon etwas zu früh oder nur mäßig zufriedenstellend geklärt werden.
Dass der Film nicht langweilt ist zum einen den Darstellern zu verdanken (Unter anderem Glen Close und Gemma Arterton) und zum anderen der Stimmung des Films. Zu dieser trägt auch der atmosphärisch sehr dichte Soundtrack bei. Der Film weiß so durchaus zu unterhalten reicht aber leider nicht über gehobenes Mittelmaß hinaus.

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© Sony Pictures

T2 Trainspotting [Blu-Ray]

Ich gehöre ja zu den gefühlt eher wenigen Menschen, die schon Danny Boyles ersten Teil nur so „ganz okay“ fanden. Die Charaktere sind einfach viel zu weit von meiner persönlichen Lebenswelt entfernt und solch selbstzerstörerisches Verhalten ist mir nur sehr schwer begreiflich. Natürlich ist Teil Eins zurecht ein Kultfilm, ich kann die Faszination verstehen, auch wenn ich sie selbst nicht teile. Aber braucht es einen zweiten Teil, der Renton, Simon, Spud und Franco 20 Jahre später wieder zusammenführt? Jein. Man kann so einen Film machen und er funktioniert. Aber brauchte man ihn wirklich? Nö.
Was passiert, wenn sich die total Kaputten Junkies und Ex-Junkies 20 Jahre später wiedertreffen, nachdem Renton seine Freunde für lausige 16000 Mäuse hintergangen und abgezockt hat? Sie machen genauso weiter wie damals – nur mit weniger Heroin. Nichts desto trotz sind die Figuren immer noch genauso kaputt, genauso hoffnungslos und genau so dusselig. Sie versuchen wieder wich mit dubiosen Geschäften über Wasser zu halten und verloren Freundschaften zu kitten nur um einander wieder zu hintergehen.
Das Widersehen der Chaostruppe ist von Boyle wieder stilsicher inszeniert und wartet mit der einen oder anderen ungewöhnlichen Kameraeinstellung auf. Die Krux ist bei mir persönlich nur die: Der Funke springt niemals über. Alles ist mir nach wie vor so fern wir nur irgendwas und die Figuren sind mir einfach unverständlich. Bis auf den chronisch vom Pech verfolgen Spud fehlt mir bei Renton und Co jegliche Identifikationsmöglichkeit. Vielleicht ist es schlecht um meine Empathiefähigkeit bestellt, vielleicht sind der Film und seine Figuren auch einfach nur nicht für jeden gleichermaßen geeignet. Ich tippe einfach mal auf letzteres. Das klingt nun alles sehr negativ, ist aber gar nicht mal so gemeint. Ich fand den Film nicht schlecht, aber eben auch nicht wirklich besonders gut. Der Film plätschert mir zu sehr vor sich hin. Mir fehlt es an einer wirklich stringenten Handlung. So funktioniert der Film für mich leider weder als Drama noch als Komödie.

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