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© Carlsen Comics

Fakten

Comic: Blacksad: Gesammelte Fälle
Autor: Juan Díaz Canales
Zeichner & Kolorist: Juanjo Guarnido
Verlag: Carlsen Comics
Seiten: 304
Lesezeit: ca. 3,5-4 Stunden
Format: 24,1 x 2,9 x 31,9 cm
Erschienen: 02.05.2017
Preis: 49,99€ (affiliate Link)

Handlung

Im New York der 40er-/50er-Jahre lebt der schwarze Kater Blacksad und verdient sich seinen Lebensunterhalt als Privatdetektiv. Hierbei legt er sich zuweilen nicht nur mit der Unterwelt, sondern auch der Polizei und hohen Tieren in Politik und Wirtschaft an. Doch der Kriegsveteran wäre nicht einer der Besten seiner Zunft, wenn er nicht auch damit fertig werden würde. Zur Not auch mit Mitteln am Rande der Legalität. Doch hinter der Fassade des harten Hundes verbirgt sich ein gutes Herz.

Kurzreview

Blacksad hatte ich schon länger auf dem Schirm, denn ein Blick auf die wunderschönen detaillierten Zeichnungen und das Detektivsetting hatten mich gleich neugierig gemacht, als ich sie das erste Mal gesehen habe. Anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens von Carlsen Comics erschein vor einigen Wochen die Gesamtaussgabe des Werks von Autor Juan Díaz Canales und Zeichner und Kolorist Juanjo Guarnido. Ich habe mir den Wälzer direkt zugelegt.
Die zuvor in fünf Einzelbänden erschienene Reihe behandelt fünf voneinander unabhängige Fälle, die chronologisch nacheinander Blacksads Berufsleben bestimmen. Besonders der erste Band kommt dabei noch in typischer Film Noir-Manier daher und ist zugleich ein sehr persönlicher Fall, denn der Kater muss den Mord an einer Ex-Geliebten aufklären und folgt der Spur bis in höchste wirtschaftliche und politische Ebenen. Dies ist zugleich auch das düsterste Kapitel, in dem Blacksad bisweilen auch noch ziemlich zynisch daherkommt.
Im zweiten Kapitel begibt sich der Detektiv in sein altes Viertel, in dem er Aufwuchs um nach einem verschwundenen Mädchen zu suchen. Dies ist auch der erste Fall, der unmittelbar Bezug auf die damalige Zeit und die politische Lage nimmt. Der Rassismus ist stark auf dem Vormarsch und die Unterscheidung in schwarz und weiß ist an jeder Ecke zu spüren. Im Laufe dieses Falles lernt der Kater auch den Journalisten Weekly kennen, dem er zunächst ablehnend gegenübersteht, mit dem er sich jedoch schließlich doch anfreundet und später gelegentlich zusammenarbeitet. Dies ist auch ein spührbarer Wendepunkt in Blacksads Charakter. In den späteren Kapiteln, in denen es unter anderem um den kalten Krieg, die Verfolgung von Kommunisten und skrupellose Wirtschaftsbosse, die ihre Taten vertuschen wollen geht, erscheint der Kater zudem weniger zynisch und positiver. Dabei handelt er stets nach seinem moralischen Kompass und ist bemüht Gutes zu tun, reizt seinen legalen Spielrahmen aber nach wie vor aus. Jedoch nicht um sich zu bereichern oder selbst zu schützen, sondern um seine Fälle zu lösen und anderen Menschen (Tieren wohl eher…) zu helfen.
Diese etwas positivere Note hebt den rauchenden, trinkenden, fluchenden und schlagfertigen- sowie -kräftigen Blacksad ein wenig vom typischerweise sehr düsteren Noir-Genre ab. Neben Blacksad selbst sind auch die wichtigeren Fallrelevanten Figuren, die ihm begegnen, obwohl sie ihn meist nur ein Kapitel lang begleiten, sehr gut porträtiert und geben einen schönen und recht realistisch anmutenden Einblick in den damaligen Zeitgeist. Besonders die letzten beiden Kapitel fangen den Geist der damaligen amerikanischen Beatniks-Szene und der Jazz- und Blueskultur in New Orleans ein.
Das ist eine der größten Stärken des Comics. Die Fälle an sich sind durchaus gut und spannend, erfinden das Rad aber nicht neu. Es ist eher die charmante Art wie Comic und Kater Blacksad mit den Fällen und den anderen Figuren umgehen, die den Spaß beim Lesen bringt. Ebenfalls zum Lesespaß tragen die wirklich tollen Zeichnungen und Farben bei. Die Panels strotzen vor Details und Flair wobei sie trotzdem übersichtlich blieben. Ein weiterer Clou, der sich besonders bei den Zeichnungen bemerkbar macht aber natürlich narrativ schon vorgegeben ist, besteht darin, dass alle „Menschen“ humanoide Tiere sind, die scheinbar bevorzugten Professionen nachgehen. So besteht etwa die Polizei vorrangig aus klassischerweise als Wach- und Schäferhunde eingesetzten Hunden und viele der mächtigen Personen sind von Imposanter Erscheinung wie Löwen oder Tiger. Das verdeutlicht auf einem untergeordneten Level gleich die soziale Stellung der Figuren. Das fand ich schon ziemlich cool und schön gelöst. Da freut mich gleich noch mehr, dass der Comic in einem wirklich stattlichen Format im hochwertigen matten Hardcover mit Spotlack-Titel und auf sehr hochwertigem Papier erschienen ist. Da können die Bilder ihr Potential ausschöpfen. Zudem wird das Komplettpaket am Ende noch mit zwei jeweils zwei Seiten umfassenden Kurzcomics und einem ganzen Schwung Skizzen aus dem Schaffensprozess des Werks abgerundet. Gegenüber den Einzelausgaben spart man auch noch den einen oder anderen Euro. Der einzige Nachteil: Das große und schwere Buch lässt sich schwieriger handhaben also es die erheblich leichteren Einzelbände tun.

Fazit

Blacksad gilt zurecht als ein moderner Klassiker des europäischen Comics. Er liefert mehr als solide an den Film-Noir angelehnte Krimifälle, mit einer sehr sympathisch-charmanten Hauptfigur und Erzählweise. Im Zusammenspiel mit seiner hervorragenden optischen Präsentation bietet der Wälzer der Gesamtausgabe beste Unterhaltung in einem würdigen Format.

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