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© Universum Film

Fakten

Titel: Valerian –
Die Stadt der tausend Planeten
Regie & Drehbuch: Luc Besson
Genre: Science Fiction, Space Opera, Action,
Comedy, Comicverfilmung
Produktion: EuropaCorp,
Fundamental Films
Verleih (Kino): Universum Film
Laufzeit: 138 Minuten
Kinostart: 20.07.2017

Handlung

Die föderalen Agenten Laureline und Valerian erhalten den Auftrag auf einem belebten Markt eine Transaktion zwischen einem Schwarzhändler und den „Pearls“, einer unbekannten Spezies, zu unterbinden und den Verhandlungsgegenstand, den letzten lebenden „Transmutator“, sicherzustellen und unbeschadet nach Alpha, der Stadt der tausend Planeten, zu bringen.
Auf Alpha angekommen, wird der Vorgesetzte der beiden, Commander Arün Filitt, im Glauben er hätte den Transmutator bei sich, von den Pearls entführt. Valerian nimmt die Verfolgung mitten ins Herz der Megatropolis und in die verbotene Zone auf…

Kurzreview

Ich muss gestehen, dass ich die Comicvorlage nicht kenne, aber schon nach dem ersten Trailer hatte ich richtig Bock auf Luc Bessons Valerian. Die kunterbunten Trailer und vielen, vielen unbekannten Spezies machten mir einfach Lust auf mehr. Das hat sich auch nach Sichtung des Films selbst nicht geändert. Im Gegenteil! Luc Besson hat mit seinem Herzensprojekt eine unglaublich faszinierende, lebendige und kunterbunte Welt geschaffen, in die man unbedingt eintauchen möchte. Am liebsten würde man selbst eine AR-Brille aufsetzen und dem gigantischen Markt im Film einen Besuch abstatten oder Alpha zumindest in einem Videospiel erleben. Das gelingt dem Film schon alleine durch seine audiovisuelle Darstellung der Storyworld. Die Bizarren Kreaturen, Neon-Reklamen, Raumschiffe und die Soundkulisse machen bereits so viel Lust auf die Welt, dass es gar nicht auffällt, dass man als Zuschauer kaum etwas über das Universum, das einem vor Augen geführt wird, weiß. Ein geschickter Kniff ist jedoch, dass Besson vor Beginn der Haupthandlung die Entstehung Alphas und ihre Geschichte, sowie die Anfänge der intergalaktischen Föderation gewissermaßen in Zeitraffer nacherzählt. Das steckt nämlich die Grenzen und Dimensionen der Welt Geschickt ab und eröffnet gleichermaßen, dass in diesem Universum praktisch alles möglich ist. Doch schafft es Besson dann auch in dieser Welt eine gute Geschichte zu erzählen?
Jein. Ich habe mehrfach in anderen Kommentaren gelesen, dass viele dem Film eine richtige Handlung absprechen. Dem muss ich tatsächlich widersprechen. Es gibt definitiv eine Handlung die mehr oder weniger konsequent auch verfolgt wird. Der Film streckt die grundsätzlich ordentliche aber nicht herausragende Handlung jedoch auf über zwei Stunden in dem kleinere Subplots, wie etwa die angedeutete Romanze zwischen Major Valerian und seiner Partnerin Sargeant Laureline, oder zwar witzige für die Handlung aber weniger relevante Szene, eingebaut werden. Ich empfand das bei knapp über zwei Stunden Laufzeit jedoch nicht störend, langweilig oder gar unpassend, denn alles fügte sich gut ins Gesamtbild ein. Narrativ gewinnt der Film zwar keinen Blumentopf, geht aber völlig in Ordnung.
Der Film lebt sowieso viel mehr von seinen Schauwerten, dem durchaus charmanten Geplänkel der beiden Hauptfiguren und dem französischen Witz. Fangen wir doch mit der Bonbon-Optik des Films an. Nachdem Star Wars sich die letzten 40 Jahre fleißig bei den Valerian Comics Inspiration geholt hat muss sich die Adaption des „Originalstoffs“ nun natürlich auch an Star Wars messen. Da der Streifen narrativ jedoch nicht mithalten kann und offensichtlich auch gar nicht will, muss er sich zumindest einem visuellen Vergleich stellen. Dabei schlagen Besson und seine Designabteilung jedoch einen völlig anderen Weg ein, der einen direkten Vergleich schwierig, wenn nicht sogar obsolet macht. Denn statt den düster-staubigen Usedlook der weit, weit entfernten Galaxis zu kopieren oder neu zu interpretieren verleugnet man seine Comicwurzeln nicht, sondern zelebriert diese geradezu. Das Ergebnis ist ein knallbunter Look mit satten Farben und Kontrasten, der lediglich den retro-futuristischen Ansatz mit Star Wars gemeinsam hat. Der sehr überzeichnete teilweise sehr künstliche und künstlerische Look passt zu einer Comicadaption perfekt. Diese Designentscheidung sorgt auch dafür, dass die Qualität der Animationen und der CGI sich nahtlos ins Gesamtbild einfügen und auch in einigen Jahren noch ansehnlich sein dürften, weil er zu keiner Zeit den Anspruch hat absolut realistisch auszusehen. Dazu sind die Farben und Formen einfach zu extrem. Mir fiel jedoch sehr positiv auf, wie gut organische Strukturen und Texturen aussehen. Bei Valerian sieht man definitiv, dass er aktuell die teuerste europäischen Filmproduktion aller Zeiten ist.
Sehr cool fand ich auch, dass allerhand Technologien im Film offenkundig in unserer Zeit fußen. Etwa den galaktischen riesigen Markt als Augmented-Reality-Erlebnis zu inszenieren fand ich eine geniale und wirklich coole Idee, da sie auch Rückschlüsse auf unsere Jetzt-Zeit zulässt, in der der Film entstanden ist.
Das zweite Standbein ist, wie erwähnt, das durchaus charmante Geplänkel zwischen den beiden Hauptakteuren. Fand ich Cara Delevingne als Enchantress in Suicide Squad noch wirklich furchtbar, war sie als Laureline durchaus okay. Die Chemie mit ihrem Kollegen Dane DeHaan passte und sie konnten ihre Rollen – zumindest soweit ich das mit der deutschen Synchronisation sagen kann – absolut „okay“ rüberbringen. Das war nicht Oscarwürdig, aber definitiv auch kein Reinfall. DeHaan fand ich als Valerian allerdings etwas fehlbesetzt, denn der Frauenhelden und Lebemann mit lockerem Mundwerk passt einfach nicht zum sehr jugendlichen Gesicht des Schauspielers. Im Rahmen seiner Möglichkeiten liefert er einen guten Job, passt auf die Rolle jedoch in meinen Augen nicht perfekt. Dass der Film trotzdem funktioniert und unterhält liegt an der guten Chemie mit seinem weiblichen Counterpart. Den beiden scheint außerdem der Humor des Films und der Figuren zu liegen. Der mal ein bisschen alberne mal wirklich charmante und auch durchaus clevere Humor des Films erinnert, wie schon in das fünfte Element, eher an französische Produktionen als an amerikanische oder britische Komödien.

Fazit

Mit Valerian entführt Regisseur und Autor Luc Besson den Zuschauer in eine kunterbunte unglaublich faszinierende Welt, die man am liebsten selbst erkunden würde. Er schafft es dabei zwar nicht mit letzter Konsequenz eine wirklich fesselnde Geschichte zu erzählen kann dafür jedoch mit charmantem französischen Humor punkten. Alles in allem ist Valerian kein herausragend guter, dafür aber ein verdammt unterhaltsamer Film, in dessen Welt ich gerne wieder und wieder eintauchen möchte.

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