Ab Irato

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© Splitter Verlag

Fakten

Comic: Ab Irato
Autor & Zeichner: Thierry Labrosse
Verlag: Splitter Verlag
Seiten: 168
Lesezeit: ca 110-120 Minuten
Format: 23,2 x 2 x 32,2 cm
Erschienen: 01.06.2016
Preis: 29,80 € (affiliate Link)

Handlung

Im Jahre 2111 ist der Schlüssel zum ewigen Leben zwar noch nicht gefunden, aber Medikamente, welche die eigene Lebensspanne signifikant verlängern, sind Teil des Alltags – zumindest für die oberen Prozent der Bevölkerung. Genau gegen diesen Missstand protestiert die Rebellenbewegung „Bastarde Gottes“ und besetzt einen zentralen Platz in Montreal, dem Firmenstandort des verantwortlichen Pharmakonzerns Jouvex. Doch weder die Regierung noch das Pharmaunternehmen wollen mit den Rebellen verhandeln. Als die Situation schließlich eskaliert geraten der junge arbeitssuchende Riel und seine neuen Bekanntschaft Neve zwischen die Fronten.
Der persönliche Rachefeldzug der mysteriösen und telekinetisch begabten Gana gegen den Firmengründer von Jouvex sorgt für zusätzliche Unruhe und überforderte Gesetzeshüter.

Kurzreview

Comiceinsteiger

Ab Irato ist ein in recht naher Zukunft angelegter Thriller in drei Akten, von denen jeder etwas über 35 Minuten Lesezeit beansprucht. Thierry Labrosse vermischt bei seinem Werk gängige dystopische Motive wie eine Zwei-Klassengesellschaft bzw. den Klassenkampf, die „Verbesserung des Menschen“ und mächtige Konzerne. Das Ganze fühlt sich aber über die Thematik hinaus überhaupt nicht nach Science-Fiction oder Cyberpunk an, wie man bei der Beschreibung vielleicht vermuten könnte, sondern mutet Ganas übernatürlichen Fähigkeiten zum Trotz sehr bodenständig und nah an. Technologie spielt im Rahmen der Narration nämlich gar keine Rolle, wenn man das durchaus futuristische Medikament „Aeterneus“ ausklammert. Ganas Fähigkeiten erinnerten mich sehr stark an Luc Bessons Lucy und die Unterteilung in medizinisch optimierte Oberschicht und „normale“ Unterschicht ganz entfernt an die Ausgangslage von Gattaca oder In Time von Andrew Niccol. Das Setting ist also nicht wirklich neu, bietet aber jede Menge Konfliktpotential. Montreal als Standort, der teilweise unter Wasser steht, spielt leider auch kaum eine Rolle und ist lediglich eine beliebige Kulisse.
Im ersten Akt werden klassisch die Charaktere und die Ausgangslage etabliert. Dabei lässt sich der Comic recht viel Zeit um die Charaktere Riel und Neve einzuführen, die im Laufe des Konflikts von zufälligen Opfern zu wichtigen Akteuren werden. Beide Figuren sind zudem sehr sympathisch und nahbar geschrieben und es macht grade am Anfang Spaß den beiden beim gegenseitigen Kennenlernen zuzusehen. Erste wichtige Nebenfiguren werden natürlich auch noch eingeführt. Lediglich über Gana erfährt man erst in den übrigen beiden Akten mehr. Gana ist durch ihre besonderen Kräfte natürlich ein interessanter Charakter, bleibt im Gegensatz zu allen anderen aber leider sehr blass. Das hängt auch damit zusammen, dass der Comic zwei verschiedene Storystränge erzählt, die eigentlich kaum zusammenhängen. Da beide Geschichten sich jedoch im weitesten Sinne um das von Jouvex Hergestellte Medikament und die Rebellen drehen, gibt es trotzdem den einen oder anderen recht oberflächlichen Berührungspunkt. Beide Storys sind für sich allein genommen absolut solide aber nichts Neues. Wäre die Verzahnung der Geschichten und die gegenseitige Abhängigkeit beziehungsweise Bedingung stärker gewesen, sähe die Sache anders aus und der Comic hätte meines Erachtens nach noch einmal stark gewonnen.
Neben Text und Story ist Thierry Labrosse auch alleine für die manchmal ein bisschen groben aber durchaus detaillierten handgefertigten Zeichnungen verantwortlich. Der Stil überzeugt mit ausdruckstarken Gesichtern und variiert zwischen Detaillierten Umgebungen und einfarbigen Hintergründen, wenn etwa eine Figur im Fokus steht oder der Hintergrund für die Orientierung im Panel oder seine Aussage nicht von Bedeutung ist. In Kombination mit den gedeckten Farben ist der Comic hübsch anzusehen und braucht so definitiv nicht verstecken. Im beim Splitter Verlag üblichen Albumformat und auf angenehm dicken, irgendwo zwischen matt und seidenmatt anzuordnenden, Papier, kommen die Zeichnungen gut zur Geltung. Genau wie das Papier der Innenseiten fühlt sich auch der kräftige und ebenfalls matte Hardcovereinband sehr wertig an. Die Qualität des Drucks und der Übersetzung sind ebenso ausgezeichnet.

Fazit

Ab Irato bietet solide dystopische Kost mit zwei parallelen Handlungssträngen, die leider nur sehr lose miteinander verknüpft und wenig überraschend sind. Trotz der typischen Thematiken (Verbesserung des Menschen, Zwei-Klassengesellschaft, rigorose Regierung) erweist sich der Comic als sehr bodenständig und weist über die neuartige Medikation und Ganas übernatürliche Kräfte hinaus keinerlei Science-Fiction Elemente auf und wirkt dadurch wiederum etwas frischer und unverbraucht. Der Comic ist unterhaltsam und zugänglich, wodurch er sehr gut für Einsteiger im dystopischen Sektor geeignet ist. Wer allerdings einige der dystopischen Klassiker kennt oder sich hin und wieder dem Cyberpunk zuwendet, der wird wenig Neues finden.

3 Kommentare zu „Ab Irato

  1. Ok – ich dürfte zu denen gehören, die schon einige Dystopien und Cyberpunk-Storys kennen, trotzdem werde ich einen Blick in den Band werfen, bei meinem nächsten Besuch im Comicladen. Vielen Dank für die neugierig machende Comicrezi.

    Und ich bin begeistert, dass du das von mir ins Leben gerufene Comic-Einsteiger-Label verwendet hast. Besser gesagt, die Grundidee dahinter, denn dein neu entworfenes Label ist doch um einiges schicker und edler als meins 😉 Leider war dein Kommentar bei mir im Spam versandet, jetzt habe ich ihn aber endlich gefunden! Ich freue mich sehr, dass du dabei bist, ganz herzlichen Dank fürs Verlinken. Es gibt so viele LeserInnen, die sich freuen, wenn sie eine kleine Orientierungshilfe haben, welche Comics auch für Comic-Newbies gut geeignet sind.

    Ich werde hier bei dir, glaube ich, Stammgast 😀

    Liebe Grüße,
    Sandra

    Gefällt 1 Person

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