Death Note [Netflix 2017]

Death-Note-Light-Poster
© Netflix

Fakten

Titel: Death Note
Regie: Adam Wingard
Drehbuch: Charley Parlapanides, Jeremy Slater,
Vlas Parlapanides
Genre: Krimi, Thriller, Drama, Mystery, Manga-Adaption
Setting: Hier und Jetzt, Seattle, Highschool
Produktion: Netflix,
Lin Pictures, Vertigo Entertainment
Streaming: Netflix
Laufzeit: 101 Minuten
Start: 25.08.2017

Handlung

Der Highschoolschüler und Außenseiter Light Turner bekommt vom Totengott Ryuk ein Death Note geschenkt. Dabei handelt es sich um ein mysteriöses Buch, das es dem Besitzer ermöglicht jeden Menschen zu töten in dem er sein Gesicht visualisiert, seinen Namen und die gewünschte Todesursache in das Notizbuch schreibt. Um seine Flamme Mia zu beeindrucken weiht er sie in sein Geheimnis ein. Zunächst fangen die beiden im Geheimen an gesuchte Verbrecher, Geiselnehmer und Terroristen zu töten. Aber bald entwickelt sie die künstliche Identität „Kira“, die alle Todesfälle für sich beansprucht. So findet Kira nicht nur Anhänger, die seine Taten gutheißen, sondern ruft auch die Ermittlungsbehörden und den Sonderermittler L auf den Plan…

Kurzreview

Prinzipiell habe ich mich auf eine westliche Version von Death Note gefreut und habe den Versuch nicht von Anfang an verteufelt, wie viele andere. Manga und Animeadaption sind schließlich fast sowas wie moderne Klassiker. Des Weiteren war ich ob der Wahl des Regisseurs einigermaßen positiv gestimmt, denn einen Horrorspezialisten an den Stoff zu lassen erschein mir durchaus treffend. Doch ist bei all dem nun auch ein guter Film herausgekommen?
Wie schon bei Ghost in the Shell versuche ich den Film losgelöst vom Manga/Anime als eigene Version des Stoffes zu betrachten. Einem qualitativen Vergleich muss sich die Netflix Produktion von Adam Wingard aber natürlich trotzdem stellen – und hier zeit sie leider deutlich den kürzeren. Auf Produktionstechnischer Ebene kann sich Death Note für eine Streamingdienst Eigenproduktion ohne Megabudget absolut sehen lassen. Die CGI-Effekte gehen völlig in Ordnung, können aber selbstverständlich nicht mit aktuellen Kinoparadebeispielen wie den aktuellen Star Wars Filmen mithalten. Auch die Todesszenen sind einigermaßen ansehnlich und erinnern in ihrer Art und Weise etwas an die Final Destination-Reihe. Das, und die Besetzung der Hauptfiguren schmeckt aber leider sehr nach typischem Teeniehorror der 2000er-2010er Jahre und wirkt so auf mich stellenweise etwas abgenutzt und wenig eigenständig. Im Großen und Ganzen machen die Schauspieler alle solide Jobs und es gibt keine Totalausfälle. Leider ist die Hauptfigur besonders Anfangs aber recht unsympathisch angelegt. Im Gegensatz zum Original ist Light hier eher ein Loser denn ein Musterschüler und der augenscheinlich perfekte Schwiegersohn. Nur leider wirkt er durch diese anfängliche Opferrolle etwas verweichlicht, beweist im späteren Filmverlauf aber durchaus Rückrad und einen moralischen Kompass. So weigert er sich beispielsweise im Internet angeprangerte, nicht verurteilte angebliche Straftäter zu töten, weil er fürchtet, dass sich irgendjemand nur privat an dem Betroffenen für irgendetwas rächen möchte. Seine Freundin Mia hat diesbezüglich ganz andere Ansichten und ist im Vergleich zur Mangaversion ebenfalls völlig anders angelegt. Das macht die Dynamik zwischen den beiden durchaus interessant und einigermaßen spannend. Die dritte Hauptfigur ist der eingangs erwähnte Sonderermittler L. Auch dieser ist etwa in Lights Alter, was für Manga und Anime ja durchaus typisch ist, in einer Realverfilmung aber etwas überzogen und albern wirkt. Vor allem seine Marotten wirken sehr aufgesetzt und manchmal ein bisschen unfreiwillig komisch. Total peinliche Momente schafft der Film aber zu umschiffen. Lediglich ein paar Grimassen (etwa, wenn Light in Zeitlupe fällt) oder die Momente, in denen Light und L rennen haben unbeabsichtigten Slapstickcharakter. Am coolsten sind sowieso Willem Dafoes kurze Auftritte als Todesgott Ryuk. Die gefielen mir wirklich gut.
Kameratechnisch und vom stellenweise ganz coolen Einsatz von Licht und Farbe her ist der Film Solide bis gut gelungen und eingefangen. Auch der Wave/Elektro-Soundtrack hatte ein paar ganz gute Momente – dafür aber auch ein paar unpassende. Die Schwächen liegen größtenteils im Drehbuch und dem Tempo des Films. Die rund 100 Minuten Laufzeit sind schlicht zu wenig für glaubwürdige Charakter- und Storyentwicklungen. Auch wird das wichtige und eigentlich zentrale Thema Moral nur recht oberflächlich behandelt. Im Format einer Miniserie etwa hätte man etwas richtig Gutes aus dem Stoff machen können – auch in einer gekürzten und veränderten US-Version. Ich kann verstehen, warum Fans der japanischen Produktionen ziemlich enttäuscht bis sauer über diesen Film sind, wenn man ihn nicht eigenständig sehen kann oder will. Meiner Meinung nach liegen die Probleme des Films aber nicht per se in einer schlechten Adaption, sondern eher in der Kürze des Films und dem durchwachsenen Drehbuch. Durch die ganz andere Auslegung der Figuren und speziell in der zweiten Filmhälfte stark abweichende Story bietet der Film aber auch Kennern genügend Überraschungen – ob man sie nun überraschend findet oder nicht ist wohl sehr unterschiedlich.

Fazit

Gibt man Death Note eine faire Chance und klammert das Original einmal aus bleibt ein „okayer“ Film, den man sich gut einmal ansehen kann, den man aber kein zweites Mal sehen wird. Mir persönlich war der Film etwas zu „teeniemäßig“ aber er hat mich definitiv nicht gelangweilt. Das größte Problem des Films ist aber seine Kürze, die jeglichen Tiefgang unmöglich macht. Aus den schwierigen moralischen Fragen, dem Katz und Maus-Spiel zwischen L und Light sowie dem „dynamischen“ Verhältnis zwischen Light und Mia hätte man im Format einer Miniserie was richtig Gutes machen können. In seiner jetzigen Form bleiben die Stärken, die Anima und Manga so beliebt machen, aber leider völlig auf der Strecke.

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Ein Kommentar zu „Death Note [Netflix 2017]

  1. Mir hat der Film auch sehr gut gefallen. Ich kenne den Anime nicht aber den Manga habe ich bisher zweimal gelesen.
    Ich mocht das fehlen der ewigen Dialoge zwischen Light (der im Film zu beginn wirklich unsympatisch wirkt) & L, da diese im Manga dann doch etwas zäh wurden mit der Zeit.
    Den Vergleich mit Final Destination mag ich! 😄
    Eine Death Note wäre sicher besser gewesen aber wer weiß ob Netflix das Projekt nicht erneut aufgreift, in ein paar Jahren. 🤔

    Gefällt 1 Person

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