Blade Runner 2049 [Kino]

blade-runner-2049-posterFakten

Titel: Blade Runner 2049
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Hampton Fancher, Michael Green
Genre: Thriller, Science-Fiction, Action, Krimi
Setting: Zukunft, Dystopie, Cyberpunk
Produktion: Alcon Entertainment,
Scott Free Productions, Columbia Pictures,
Thunderbird Films, Warner Bros.
Verleih: Sony Pictures Germany
Laufzeit: 164 Minuten
Start: 05.10.2017

Handlung

30 Jahre nach den Erlebnissen von Deckard und Rachel im November 2019 stößt der Blade Runner K auf ein kleines Wunder und begibt sich im Zuge seiner Ermittlungen auf eine Reise in die Vergangenheit…

Kurzreview

…viel mehr sollte und will ich zur Handlung des Films nicht verraten, denn jeder sollte möglichst unbelastet an den Film gehen. Er lässt sich nämlich auch genießen ohne dass man den Vorgänger oder die Prequel-Kurzfilme kennt, da er gut für sich alleine stehen kann. Allerdings gewinnt er noch etwas wenn man die vorangegangenen Geschichten kennt. Ohne etwas vorwegzunehmen lässt sich eigentlich nur sagen, dass Hauptfigur K ganz in der Tradition von Fords Deckard steht. Er ist genauso gut in seinem Job und ebenso einsam. Ein wie ich finde signifikanter Unterschied ist jedoch, dass die Frage ob Deckard vielleicht selbst ein Replikant ist/war im Original eher zwischen den Zeilen gestellt wurde und kaum direkt das Thema war. Doch genau diese bis heute offiziell ungeklärte Frage dürfte mit für den Kultstatus des Erstlings verantwortlich sein. Umso cooler fand ich, dass 2049 K zunächst als Replikanten identifiziert, es aber zu einer der Kernfragen der Handlung macht ob er nun wirklich einer ist oder doch ein Mensch. Dabei macht Ryan Gosling übrigens eine wirklich gute Figur. Seinen häufig so typischen Hundeblick hat er gegen eine neue Miene eingetauscht, eine Mischung aus stoischer Gelassenheit und depressiver Einsamkeit – und das ist sowohl für die Figur als auch die Atmosphäre und Story des Films wirklich treffend und glaubwürdig. Highlight ist aber Altmeister Ford, der als gealterter Deckard zurückkehrt. Auch er ist einsam, vom Leben gezeichnet aber voller Überzeugung. In seinen wenigen Szenen darf er nochmal zeigen, dass er mehr draufhat als den schelmischen Halunken und Draufgänger.
Blade Runner 2049 (im Folgenden „Blade Runner“, sollte ich das Original meinen bringe ich es spezifiziert zum Ausdruck) lebt neben seiner Geschichte vor allem von seiner faszinierenden Welt. Der von Ridley Scott, der hier als Produzent tätig war, eingeschlagene Weg des Vorgängers wurde dafür konsequent fortgesetzt. Das bedeutet, dass wir endlich mehr von der ziemlich düsteren und alles andere als wünschenswerten Zukunftsvision, in der es jede Menge Verlierer und kaum Gewinner gibt, zu sehen bekommen. Egal ob postapokalyptische Schrottfelder, düsterer urbaner Moloch, sterile Räume, Ks einigermaßen heimeliges Apartment oder die verschiedensten Hologramme – es sieht einfach alles phantastisch aus! Sowohl das Set- und Artdesign des Films, die Kostüme, das Licht, die Atmosphäre – hier stimmt einfach alles. Dazu tragen neben den vielen echten Filmsets und Props, die Regisseur Denis Villeneuve sehr wichtig waren, der atmosphärische teils unangenehme Soundtrack von Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch sowie die wirklich großartige Arbeit mit Licht und Kamera von Roger Deakins bei. Kennt ihr diese Werbung aus Lichtspielhäusern mit „Kino – dafür werden Filme gemacht“? Bei Blade Runner 2049 passt diese Haltung wie die Faust aufs Replikantenauge. Ehrlich, schaut euch den Film unbedingt auf der ganz Großen Leinwand mit dickem Soundsystem an solange ihr die Chance habt (er läuft an den Kinokassen leider weltweit eher enttäuschend…). Audiovisuell betrachtet habe ich lange keinen so guten und eindrücklichen Film gesehen. Deakins Spiel mit Licht und Schatten sowie Silhouetten ist einfach großes Kino. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Film für das Artdesign, den Tonmix und Tonschnitt sowie für die Kamera für den Oscar nominiert werden wird!
Trotz der relativen Opulenz schafft es der Film sich auf das wesentliche seiner Handlung zu beschränken, gestattet sich aber die Ruhe und Zeit alles atmen zu lassen. Vom Erzähl- und Schnitttempo her erinnert er so entfernt an das Original und geht damit nicht ganz mit den heutigen Sehgewohnheiten konform (Ausnahmen im bspw. Indie-Film oder in asiatischen Filmen mal ausgeklammert). Die Protagonisten lassen sich, wie der Film selbst, häufig Zeit bei dem was sie tun und Villeneuve lässt die Bilder und Atmosphäre so besonders intensiv wirken. Mir gefiel das sehr gut, anderen mag das bisweilen aber sogar etwas langatmig erscheinen. Ich hörte von mehreren Leuten, dass der Film für sie gute 20 bis 30 Minuten kürzer hätte sein können. Das hätte sicherlich durchaus funktioniert, wäre aber stimmungsmäßig ein völlig anderer Film geworden.

Fazit

Blade Runner 2049 erzählt eine ebenso spannende wie beklemmende Science-Fiction-Geschichte, die sich vor dem Original verneigt, es aber nicht kopiert und sich schon gar nicht dahinter verstecken muss. Blade Runner 2049 ist kein Meilenstein wie Ridley Scotts erster Teil einer war, aber ein Meisterwerk der modernen Science-Fiction, das sich audiovisuell atemberaubend präsentiert. Denis Villeneuve beweist nach Prisoners, Sicario und Arrival erneut, dass er zurzeit vielleicht einer der besten seiner Zunft ist – Für Freunde dystopischer Zukunftsvisionen und ästhetisch anspruchsvolle Kinogänger ein MUSS auf der ganz großen Leinwand.

 

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