Kurz Kommentiert 11: Zeitreisen, Zukunftsängste, gute Freunde!

Frohes Neues Jahr!

Ich wünsche euch viel Glück und Gesundheit für euch und eure lieben. Über die eher faulen Weihnachstage und die Zeit „zwischen den Jahren“ war ich nicht gänzlich untätig und habe das eine oder andere gesehen, gespielt und gelesen.

LIS
© Dontnod Entertainment & Square Enix

Life is Strange
(Videospiel)

Da ich nach Weihnachten erstmal krank im Bett lag nutzte ich die Gunst der Stunde Life is Strange auf der PS4 nachzuholen. Neuerdings erscheint Life is Strange auch für mobile Endgeräte.
In dieser Mischung aus Zeitreise-Thriller und Coming-of-Age-Independent-Film liegt der Fokus eher auf der spannenden Story und den großartigen Hauptfiguren als auf Spielmechaniken. Das soll heißen, dass man kein Videospiel im klassischen Sinne erwarten darf. Es gibt relativ viele Videosequenzen und vor allem Multiple Choice Gespräche. Der Clue dabei ist, dass sich viele Entscheidungen auf die weitere Handlung und das Endergebnis des Spiels auswirken. Und was macht man, falls man sich dumm entschieden hat oder lieber eine andere Richtung einschlagen möchte? Man dreht die Zeit zurück und führt das Gespräch erneut! Und zwar so oft, bis man das gewünschte Ergebnis erzielt.
Die Fotografie-Schülerin Max Caulfield, die man als Spieler in Third-Person-Ansicht durch die schlichte aber trotzdem schön gestaltete und detaillierte Umgebung steuert, verfügt nämlich über die Gabe auf verschiedene Arten die Zeit manipulieren zu können. Das geht auch außerhalb der Gespräche etwa um eine Mitschülerin vor einem heranfliegen Football zu warnen, unbemerkt in verschlossene Räume zu gelangen oder als „Blackwell Ninja“- im verborgenen vermeintlich Gutes zu tun. Als zweite zentrale Figur steht der angehenden Fotografin ihre Freundin Chloe zur Seite, die sogleich Feuer und Flamme ist, als Max sie in ihr Geheimnis einweiht. Gemeinsam beschließen die beiden jungen Frauen dem Mobbing an ihrer Schule ein Ende zu setzen, eine Reihe von Vermisstenfällen aufzuklären und Arcadia Bay wieder zu dem Ort zu machen, der er sein sollte. Auf ihrer Reise müssen sie schwerwiegende Entscheidungen treffen, Rätsel lösen, werden mit der Vergangenheit, der Zukunft und mit dem was sein könnte oder sollte konfrontiert und müssen gar um ihr eigenes Leben fürchten. Ich lasse es bei dieser kryptischen Umschreibung, denn man muss das Spiel selbst gespielt haben. Wenn man sich drauf einlässt ist es eine schöne Erfahrung und man glaubt mit Max und Chloe gute Freunde gefunden zu haben, weil man sie im Laufe der Geschichte so unglaublich gut kennen und lieben lernt. Ein ganz wichtiger Faktor ist dabei die besondere Freundschaft der beiden Mädchen, die der Hauptmotor des Spiels ist. Dass die teils wirklich emotionale und packende Geschichte nicht an den leider sehr dürftigen und hölzernen Gesichtsanimationen leidet ist vor allem den wirklich tollen Voice Actorn zu verdanken, die den Figuren glaubhaft und mit viel Charme Leben einhauchen und dem Spiel ihren Stempel aufdrücken.
Life is Strange war für mich das perfekte Spiel für die Krankheitstage. Nicht so hektisch, nicht so fummelig. Wenn ich jedoch um des Spielens willen grade einfach „zocken“ möchte ist das Spiel eher ungeeignet. Dazu ist es mir persönlich einen Hauch zu wenig Spiel. Die tolle Story, die Hauptfiguren, das ansprechend inszenierte Setting und das schöne dezente Interface machen das Spiel jedoch zu einer wirklich schönen Erfahrung – Man muss sich jedoch drauf einlassen und sich die Zeit dafür nehmen. Ich bin ja eher jemand bei dem in Videospielen Gameplay über Charakteren und Handlung steht, aber LIS ist so überzeugend, dass ich direkt Lust auf das Prequel „Before the Storm“ und den angekündigten Nachfolger (mit neuem Cast und neuer Story) bekomme.

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© Netflix

Erased (Netflix)

Seit kurz vor Weihnachten ist die japanische Netflix-Realfilm-Serie Erased verfügbar, die auf dem gleichnamigen Manga basiert, der auch schon als Anime adaptiert wurde. Ich habe bisher nur von beidem nur Gutes gehört, kenne beide Werke selbst jedoch nicht. Da kam mir der Netflix Release grade recht!
Das Drama um Zeitsprünge, einen Kindermörder und Freundschaften hat mich über die 12 Episoden hinweg wunderbar unterhalten. Wie genau oder gut der Manga adaptiert ist kann ich leider nicht sagen, aber die Serie ist in sich schlüssig, abgeschlossen und weist weder Längen noch Lücken auf – Sie kann also gut für sich alleine stehen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Netflix-Serien gehen die Folgen immer nur etwa 25 Minuten. Möglicherweise ein Zugeständnis an japanische Sehgewohnheiten? Wer weiß. Jedenfalls kann man die Serie „gut weggucken“. Allerdings muss man aus zweierlei Gründen Aufmerksam sein und kann nichts Nebenbei machen: Da wäre zuerst die recht komplexe Handlung, die auf mehreren Zeitebenen und in verschiedenen Realitäten spielt. Der zweite Grund ist eher technischer Natur: Die Serie gibt es nur im japanischen O-Ton mit recht gelungenen Untertiteln. Die Serie schaut man sich am besten ohne großes Vorwissen an, darum gehe ich nicht weiter auf Handlung und Charaktere ein. Das einzige was westliche Sehgewohnheiten trotz des wirklich stimmigen looks stören könnte ist die… asiatische Theatralik. Nach unseren Maßstäben wirken manche Szenen ziemlich overacted oder zumindest übertrieben dramatisch gespielt und andere wiederum fast stoisch bis passiv und gelangweilt. Das ist in vielen japansichen Serien und Filmen aber ganz normal. Das liegt wohl einfach am anderen Kulturkreis. Wirklich störend ist das jedoch nicht. Wenn ihr euch mit Untertiteln anfreunden könnt und eine passende Serie für den Japanuary sucht ist Erased einen Blick wert.

Black Mirror Staffel 1-3 (Netflix)

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Zwischen den Jahren lag ich krank im Bett und habe mich zum Start der 4. Staffel endlich an Black Mirror gewagt – und was soll ich sagen? Die Serie ist alleine schon durch ihr Format etwas Besonderes. Keine Folge hat etwas mit den übrigen Folgen zu tun und ist eher als eigenständiger 45-60 Spielfilm zu betrachten. Gemeinsam haben die Folgen lediglich, dass sie eher düstere Zukunftsvisionen abbilden. Die meisten Folgen nehmen aktuelle Tendenzen in Social Media, Cyberkriminalität, Spieleentwicklung und Technologien im Allgemeinen auf und spinnen die Fäden weiter. Dabei entwerfen sie in den meisten Fällen Worst Case Szenarios, in denen entweder die Technik den Menschen (fremd-)bestimmt, die Menschen die Technik missbrauchen oder die neuen Möglichkeiten das schlechteste in den Menschen zum Vorschein bringen. Dabei sind die Folgen sowohl ästhetisch, inhaltlich, narrativ und thematisch sehr unterschiedlich. Das ist ein Reiz der Serie! Viele mit denen ich gesprochen habe finden die Serie eher deprimierend als irgendwas anderes. Das ist sicherlich durchaus ein gewünschter Effekt. Grade deswegen ist das streng episodische Format gut gewählt, weil man jederzeit eine Folge einwerfen oder es eben auch bleiben lassen kann. Sehenswert fand ich in den ersten drei Staffeln übrigens alle Folgen. Sie lassen sich qualitativ auch schlecht miteinander vergleichen, weil sie so grundverschieden sind. Mal bittersüß, mal angsteinflößend und mal einfach nur interessant.
Black Mirror ist wahrscheinlich die inhaltlich vielseitigste und ihres Formats wegen spannendste Serie, die Netflix derzeit zu bieten an. Dabei sind alle Folgen vor allem auch technisch auf äußerst hohem Niveau und konnten ein paar bekannte Darsteller für Auftritte gewinnen (etwa Domhall Gleeson oder Bryce Dallas Howard).

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3 Kommentare zu „Kurz Kommentiert 11: Zeitreisen, Zukunftsängste, gute Freunde!

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