Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm [Netflix]

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© Netflix


Fakten

Titel: Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm
Laufzeit: 10 Episoden/60 Minuten
Startdatum: 02.02.18

Handlung

Über 200 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod wird Takeshi Kovacs auf der Erde von einem reichen Methusalem in einem neuen Körper zurück ins Leben geholt. Mit all seinem Geld kann der „Met“ Bancroft es sich leisten mehrere Clone zu lagern und sein Bewusstsein täglich als Back-up zu speichern. Doch eines Tages wird Bancroft kurz vor seinem täglichen Back-Up getötet. In einem seiner Clone „resleeved“ beauftragt er Kovacs den Mord an sich selbst aufzuklären – denn da der Mord vor dem täglichen Back-Up erfolgte hat der gut betuchte Unternehmer keinerlei Erinnerungen an seinen Todestag. Als Kovacs sich an die Lösung des Falls macht um so seine Freiheit zu erlangen deckt er mehr auf als nur Bancrofts Mörder…

Kurzreview

Seit der Ankündigung einer Serie zu Altered Carbon war ich hoch gespannt auf die Netflix-Produktion. Am Freitag war es dann endlich soweit und die 10 knapp 60-minütigen Episoden wurde freigeschaltet und ich habe sie mir gleich angesehen.
Die Handlung der Serie braucht eine Weile um etwas in die Gänge zu kommen. Speziell in der ersten Hälfte der Serie passiert relativ wenig und sie erweckt den Anschein ein relativ gewöhnlicher Krimi mit hübscher Cyberpunk Deko zu sein (darum werde ich nicht näher auf die Handlung eingehen). Das ist in meinen Augen auch das größte Manko der Serie: Die Story ist ohne Zweifel ganz gut aber auch nichts so herausragend, dass sie die Serie ganz alleine trägt. Das spannende ist die Welt die aufgebaut wird. Doch leider bleibt das meiste nur Fassade und wird kaum hinterfragt. In einem Nebensatz wird beispielsweise angesprochen, dass es negative Auswirkungen auf die Psyche hat in einem anderen Köper als dem eigenen „resleeved“ zu werden (darum haben die reichen „Methusalems“ [weil sie mehrere hundert Jahre alt sind] Clone). Was jedoch genau mit den Menschen passiert und wie das ganze vielleicht ethisch zu bewerten oder zumindest zu betrachten ist spielt absolut keine Rolle oder nur sehr, sehr vage zwischen den Zeilen. Oder was diese Technologie transsexuellen Menschen für Möglichkeiten eröffnen würde. Und genau solch ein Tiefgang ist es, welcher der Serie an vielen Ecken und Enden fehlt. Ich möchte aber betonen, dass dies Gemäkel auf ziemlich hohem Niveau ist, denn obwohl vieles nicht berücksichtigt wird, werden andere Aspekte ziemlich genau unter die Lupe genommen. Etwa was die quasi Unsterblichkeit und überbordender Reichtum aus den Menschen macht und wie es sie verändert.
Die Figuren brauchen ebenfalls lange um sich zu entwickeln und erschweren den Zugang durch die sehr unterkühlte und nüchterne Art zusätzlich. Besonders Kovacs finde ich als Hauptfigur schwierig, weil man als Zuschauer erst in der zweiten Hälfte der Serie mehr über den Charakter erfährt. Davor wirkt er ausgesprochen unsympathisch und emotionslos. Das passt sicherlich ohne Frage zum Charakter macht den Einstieg in die Serie aber unnötig schwierig. Wenn in der zweiten Serienhälfte vermehrt in Rückblenden erzählt wird macht dies den Hauptcharakter zugänglicher, hat aber manchmal einen etwas faden Beigeschmack, denn viele der Rückblenden sind für die eigentliche Handlung kaum relevant und machen die Struktur der Serie unnötig kompliziert. Vielleicht ist dies auch Absicht um die Serie komplexer wirken zu lassen als sie letztendlich ist.
Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Serie versucht ihre Schwächen durch Schauwerte zu kaschieren. So gibt es etwa jede Menge nackter Haut, zugegebenermaßen schön choreografierte Kämpfe und jede Menge Blut und Leichen. Das alles ist auch wirklich ansprechend in Szene gesetzt und passt zum Ton der Serie. Auf technischer Ebene gibt sich die Netflixproduktion zudem keine Blöße und liefert ab was eine anständige Science-Fiction abliefern muss: Einen stimmigen Soundtrack, eine faszinierende Welt mit cooler Technologie, die ganz beiläufig aufgezeigt wird, ein ansehnliches Farbdesign, tolle Sets und Bühnenbilder und ein paar witzige Ideen.

Fazit

Altered Carbon ist alles in allem eine gute Serie aber nicht die Cyberpunktserie, die ich mir gewünscht hätte. Das Setting sowie die Welt sind spannend, die Krimihandlung solide, die technische Umsetzung über jeden Zweifel erhaben und teils wirklich schick. Doch leider fehlte mir ein wenig der philosophische Tiefgang. Die Frage nachdem was den Menschen in einer solch hochtechnologischen Zukunft ausmacht und wie er sich verändert hat. Vieles (längst nicht alles!) wirkt manchmal etwas zu oberflächlich. Der unterkühlte Hauptcharakter erschwert den Einstieg in eine ansonsten unterhaltsame mit reichlich Schauwerten ausgestattete Serie, die eher auf technischem Level denn auf einem emotionalen punkten kann, zusätzlich. Das klingt alles aber negativer als es letztendlich gemeint ist. Altered Carbon ist bei weitem nicht der Hit geworden, der es hätte sein können, aber in jedem Fall einen Blick wert.

2 Kommentare zu „Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm [Netflix]

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