Shape of Water – Flüstern des Wassers [Kino]

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© 20th Century Fox

Fakten

Titel: Shape of Water – Flüstern des Wassers
Regie: Guillermo del Toro
Regie/Drehbuch: Guillermo del Toro, Vanessa Taylor
Genre:  Märchen, Romanze, Drama, Fantasy
Produktion: Fox Searchlight Pictures,
Double Dare You, Bull Productions
Verleih: 20th Century Fox
Laufzeit: 123 Minuten
Kinostart: 15.02.2018

Handlung

Die stumme Eliza führt ein beschauliches und eher einsames Leben im Amerika der 60er Jahre. Zusammen mit ihrer Freundin Zelda arbeitet sie als Putzkraft in einer Forschungseinrichtung. Eines Tages wird ein mysteriöses Wesen – halb Mensch halb Fisch – in die Einrichtung verlegt. Die einsame Frau freundet sich mit dem Wesen an und verbringt bald regelmäßig ihre Mittagspause im Labor bei ihm. Sie essen gemeinsam, sie spielt ihm Musik vor, bringt im Gebärdensprache bei und es entwickelt sich mehr zwischen den beiden. Doch der Leiter des Forschungsprojects hat Pläne mit dem Amphibienwesen: Er erhofft sich wertvolle Erkenntnisse von der Sezierung des fremden Organismus, die den Amerikanern Vorteile im kalten Krieg und im Rennen um den ersten Menschen im Weltall verschaffen…

Kurzreview

Was lang währte wurde endlich gut: Guillermo del Toro konnte endlich sein Herzensprojekt The Shape of Water drehen und ich konnte das wunderschöne moderne Märchen endlich im Kino sehen.
Die zugegebenermaßen recht simple und übersichtliche Handlung des Films möchte ich an dieser Stelle um spoilerfrei zu bleiben aussparen. Der Film ist ohnehin viel mehr das Porträt einer einsamen Frau, die sich trotz einer guten Freundin und ihrem freundschaftlichen Verhältnis zu ihrem älteren Nachbarn fremd in der Welt fühlt. In einer Welt in der alle reden ist sie als Stumme stets die Außenseiterin. Auch wenn Eliza dank der großartigen Schauspielleistung von Sally Hawkins nonverbal ungemein viel zu sagen hat hört ihr kaum jemand zu. Nur ihre engsten Freunde machen sich die Mühe die Grundlagen der Gebärdensprache zu lernen. Als das „Monster“ schließlich in die Forschungseinrichtung verlegt wird ist die Frau sogleich fasziniert von der Fremdartigkeit des Wesens. Doch diese Fremdartigkeit hält einem genaueren Blick nicht Stand, denn mit dem mysteriösen Fischwesen hat Eliza mehr gemeinsam als mit vielen anderen: Sie beide bleiben unverstanden, einsame Seelen in einer fremden Welt in der niemand sie wirklich versteht. So ist es ganz natürlich, dass sich zwischen den beiden eine besondere Beziehung entwickelt und sie einen Weg finden einander zu verstehen.
Aber was wäre ein Märchen ohne einen Bösewicht oder einen Konflikt? Genau, es würde etwas fehlen! Wieder einmal darf Michael Shannon den Bösewicht raushängen lassen und beglückt das Publikum wieder einmal mit einer fies-unterhaltsamen Rolle. Er verkörpert dabei das genaue Gegenteil von Eliza: Er verfügt über keinerlei Einfühlungsvermögen, denkt bloß an seine Karriere und seinen Ruf und geht dabei mit aller Härte und Grausamkeit vor. Shannon schafft es wieder einmal alle Antipathie auf sich zu ziehen damit die Hauptfigur und ihre Wegbegleiter umso sympathischer und geerdeter erscheinen. Denn auch Octavia Spencer und Richard Jenkins tragen ihren Teil zum – allem Drama zum Trotz – herzlichen Ton des Films bei. Beide sind stets für einen Lacher gut ohne jedoch zur Lachnummer zu verkommen. Dazu sind beide zu präsent und charmant. Das Ensemble und seine tollen Leistungen sind der tragende Herzstück des Films. Allen voran Hauptdarstellerin Sally Hawkins, die, obwohl sie kein Wort sagt, die Gesamte Palette menschlicher Emotionen auf die Leinwand bringt. Das macht den Charakter, der sich so fremd in der Welt fühlt, zu einer unglaublich nahbaren und nachvollziehbaren Figur. Das ist mal traurig, mal witzig, mal ängstlich, mal mutig – aber immer authentisch.
Eingebettet ist die Story in ein Kalter-Krieg-Szenario, dass zwar immer irgendwie latent präsent für die eigentliche Handlung jedoch zu vernachlässigen ist. Es liefert jedoch die Motivationen für Bösewicht Strickland (Michael Shannon). Und trägt ungemein zum schön umgesetzten 60er-Jahre Feeling bei, dass auch das gesamte Bühnenbild und die Kostüme prägt. Der Film geizt nicht mit schicker Ausstattung wie alten Straßenkreuzern, eher schäbigen aber irgendwie urgemütlichen Wohnungen und den altmodischen Labors und Büros der Forschungseinrichtung. Am Rande thematisiert der Film auch den Alltagsrassismus, beginnendes Franchising und den Niedergang des großen Holywoodkinos. Alles in allem kommen die 60er also sehr authentisch rüber. Dafür sorgt auch der stimmige Soundtrack mit zeitgenössischer Musik in der stets der Schallplattencharme mitklingt.
Auch der Look des Films fängt den Charme der 60er ein. Das Colorgrading erinnert entfernt an alte Farbfilme der entsprechenden Ära – natürlich ohne dabei auf alle modernen Annehmlichkeiten wie hohe Auflösung und Tadellose Schärfe zu verzichten. So kommen die teils wirklich schönen Bilder und Kompositionen sowie die dramatische Lichtsetzung erst richtig zur Geltung. Definitiv auch einer dieser Filme die fürs Kino gemacht sind obwohl er ohne große Effekthascherei auskommt.

Fazit

The Shape of Water ist ein modernes Kinomärchen mit viel Charme und Herz über eine Frau, die sich fremd in der Welt fühlt und in einem ebenso Fremden Amphibienwesen einen Seelenverwandten findet. Die eigentliche Handlung bleibt eher übersichtlich ist aber auch nur die Bühne, der Rahmen für das tolle Ensemble. Der Film ist viel mehr als Porträt der einsamen Putzkraft Eliza zu verstehen, die endlich findet was sie schon so lange sucht. Das Herzstück des Films ist Sally Hawkins großartige Darstellung eben dieser stummen Frau die völlig zurecht mit einer Oscarnominierung bedacht wurde. Wer sich eine Mischung aus die Fabelhafte Welt der Amelie und einem etwas anderen Monsterfilm vorstellen kann der muss The Shape of Water unbedingt im Kino sehen. Wer sich nicht auf solch ein fremdartiges Wesen einlassen kann, der kann einen Bogen um den Film machen.

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Ein Kommentar zu „Shape of Water – Flüstern des Wassers [Kino]

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