Kurz Kommentiert 14: Netflix-Marvel Serien Pt. I

Die letzten Wochen habe ich mich mal drauf und dran gemacht mit den Netflix-Marvel-Serien anzufangen, weil ich das Konzept der parallelen und verwobenen Handlungen und das Shared Universe interessant finde. Nach den ersten 4 Staffeln verschiedener Serien war ich aber etwas ernüchtert: Die Verknüpfungen sind bisher sehr, sehr lose und lediglich einige Nebenfiguren tauchen in verschiedenen Serien auf und es gibt ein paar räumliche Überschneidungen (Hell’s Kitchen)Marvel's_Daredevil_poster_018

Daredevil Season 01

Daredevil macht chronologisch den Anfang und ist durchaus ein gelungener Einstieg: Der erste große Fall, der sich über die ganze Staffel zieht, ist durchaus interessant, spannend und trotzdem sehr bodenständig. Die Probleme der Defender, auf die alles hinauslaufen wird, sind generell eher kleiner und weit unter dem Niveau der Avengers und Co. Hier geht es nicht um die Rettung der Welt, sondern um die Verbesserung der Zustände im eigenen Stadtteil. Es ist alles etwas näher an den Menschen.
Da passt es gut, dass auch Hauptfiguren Matthew ‚Daredevil‘ Murdoch, sein Freund und Anwaltskollege Foggy sowie ihre Assistentin Karen und wichtigere Nebenfiguren durchweg überzeugen. Auch die Action stimmt und ist für eine TV-Serie sogar ganz hübsch inszeniert. Der blinde Matt ist mit seinen hypersensiblen Sinnen außerdem mal eine spannende Abwechslung zu den größeren Leinwandhelden, denn er bekommt ganz schön was ab und muss sich regelmäßig wieder zusammenflicken lassen. Das ist relativ authentisch und durchaus unterhaltsam. Der Action und den eher düsteren Nachtszenen steht das herzliche und auch schonmal lustige Beisammen der drei Hauptfiguren gegenüber. Dadurch gibt es immer wieder Spannung und Endspannung. Ich verrate nicht zu viel, wenn mir die erste Staffel Daredevil bisher am besten gefallen hat.

v1.dDsxNzYwMjA7ajsxNzY0MjsxMjAwOzEwMTM7MTUwMAJessica Jones Season 01

Nach dem Teufel von Hell’s Kitchen geht es mit der Privatdetektivin Jessica Jones weiter. Die bekommt es nicht nur mit kleineren Schnüfflerjobs um untreue Ehegatten und Co zu tun, sondern ringt mit einem leichten Alkoholproblem und einer posttraumatischen Belastungsstörung. Vor gar nicht allzu langer Zeit stand sie nämlich unter dem Einfluss des Bösewichts Killgrave, der eine Art Gedankenkontrolle beherrscht. Was er seinen Opfern befiehlt müssen sei tun, ob sie wollen oder nicht. Das Reicht von kleinen „Gefallen“ bis hin zu Mord. Die Lage verschlimmert sich als der todgeglaubte Killgrave plötzlich wiederauftaucht und Kontakt zu Jessica sucht…
Ähnlich wie Daredevil kann Jessica Jones hauptsächlich mit seiner Hauptfigur punkten. Sie flucht, sie trinkt… und sie hilft ihrem drogenabhängigen Nachbarn. Kurzum: Jessica ist sehr menschlich und nahbar. Leider kann die eigentlich sehr spannende und interessante Ausgangssituation aber nicht über die ganze Staffel trösten, denn irgendwie mangelt es der Handlung etwas an Spannung. Auch das recht lahme Finale ist nicht unbedingt förderlich. Dafür gibt’s bereits den ersten Auftritt von Luke Cage und damit den ersten nennenswerten Ausflug ins Shared Universe. Auch Matthews „persönliche“ Krankenschwester Claire taucht wieder auf und zementiert ihren Status als mein persönlicher Lieblingscharakter.

Daredevil Season 02

Daredevils Rückkehr setzt ziemlich direkt nach dem Ende der ersten Staffel ein. Zunächst beginnt alles wie die erste Staffel geendet hat: Der erste große Fall ist gelöst und zwischen den Freunden läuft es gut. Anfangs zumindest. Denn leider driften die drei immer weiter auseinander. Zu allem Überfluss taucht eine neue noch viel größere Bedrohung für Hell’s Kitchen auf der Bühne auf: Der Punisher scheucht die Unterwelt auf und legt auf seinem Rachefeldzug die halbe Stadt in Schutt und Asche. Doch damit nicht genug: Eine alte Bekannte schickt sich an Matthews Leben wieder gehörig auf den Kopf zu stellen. Damit wären wir auch schon beim größten Problem der Staffel: Es passiert zu viel gleichzeitig und einiges hängt gar nicht oder nur lose zusammen. Die Figuren bleiben interessant, nehmen aber durch ihre Verwicklungen etwas an Sympathie ab und durch die getrennten Wege werden zu viele parallele Handlungsstränge aufgemacht. Insgesamt sind Look and Feel der ersten Staffel erhalten geblieben aber die Stringenz ist verlorengegangen. Mit persönlich gefiel die Handlung um den Punisher sehr gut aber der eingeläutete Handlungsstrang um „Die Hand“ gefällt mir überhaupt nicht. Mal sehen wie es sich weiterentwickelt. Ich würde mir eine dritte Staffel durchaus ansehen aber sie hätte eine recht geringe Priorität bei mir.

MV5BMTcyMzc1MjI5MF5BMl5BanBnXkFtZTgwMzE4ODY2OTE@._V1_UY268_CR3,0,182,268_AL_Luke Cage

Luke Cages erster Soloausflug führt uns einige Monate nach der ersten Staffel Jessica Jones nach Harlem. Hier taucht er nach den Geschehnissen in Hell’s Kitchen erstmal unter und fristet ein bescheidenes Dasein zwischen zwei Jobs: Im Friseursalon und der Küche eines Nachtclubs. Doch Luke Cage zieht ärger magisch an und gerät mitten in die Angelegenheiten der lokalen Gangster und trifft einen alten Feind wieder. Die Zeit ist reif und Luke trifft eine folgenschwere Entscheidung: Er gibt sich als unverwüstlich zu erkennen und beschließt den Stadtteil aufzuräumen.
Speziell die Tatsache, dass Luke sich entscheidet mit seinen Fähigkeiten an die Öffentlichkeit zu gehen und sich der Verantwortung stellt, die seine Kräfte mit sich bringen, machen die Staffel interessant. Leiber bleibt die Gangsterstory, die alles zusammenhält, ziemlich langweilig und belanglos. Da hilft auch nicht, dass alle Figuren People of Color oder Lateinamerikanischen Ursprungs sind. Das gefiel mir nämlich eigentlich ganz gut. Vor allem werden häufiger Thematiken der Rassentrennung und vor allem der farbigen Menschenrechtsbewegung aufgegriffen. Wirklich relevant für die Serie erscheint das aber alles irgendwie nicht. Für ein bisschen würze sorgt nur, dass Luke seine Unverwundbarkeit einbüßt. Kann man gucken muss man aber wirklich nicht.

Fazit

Was mit Daredevil noch einigermaßen stark angefangen hat verliert sich leider relativ schnell in durchschnittlicher Belanglosigkeit. Ich bin eigentlich recht motiviert an die Marvel-Serien gegangen doch die anfängliche Motivation machte ziemlicher Ernüchterung Platz. Ich mache grade erstmal eine Pause und weiß auch noch nicht ob ich mit den Marvel-Serien weitermache…

 

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2 Kommentare zu „Kurz Kommentiert 14: Netflix-Marvel Serien Pt. I

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