Heavy Vinyl

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© Boom Entertainment

Fakten

Comic: Heavy Vinyl
Autorin: Carly Usdin
Penciller: Nina Vakueva
Inker: Irene Flores
Colors: Rebecca Nalty & andere
Verlag: Boom Entertainment (Leseprobe)
Seiten: 112
Sprache: Englisch
Lesezeit: ca. 60 Minuten
Format: 16,8 x 1 x 25,9 cm
Erschienen: 08.05.2018
Preis: 12,99 € (affiliate Link, Stand: 23.05.18)

Handlung

Irgendwo in einer Kleinstadt an der US-Ostküste im Jahre 1998: Die Teenagerin Chris arbeitet nun seit einem Monat im Vinyl Destination, dem coolsten Plattenladen der Stadt. Die Rolle als „New Girl“ im ausnahmslos weiblichen Team des Ladens und vor allem ihre süße Kollegin Maggie machen die sonst so lässige Teenagerin ganz schön nervös. Dass dann auch noch ihre Lieblingsband Stegosaur auf Promotour in dem Laden Station machen soll und deren Frontdame Rosie auf mysteriöse Weise vor dem Auftritt verschwindet macht alles nur noch merkwürdiger. Vollends überfordert ist Chris jedoch schließlich als die Mädels Maggy, Kennedy, Dolores und ihre Chefin Irene sie einladen Mitglied im „Vigilante Fightclub“ im Keller des Ladens zu werden und den Fall aufzuklären…

Kurzreview

Bei diesem Plot und dem wirklich hübschen Zeichenstil musste ich bei Heavy Vinyl einfach zugreifen auch wenn ich nicht so recht wusste was mich erwartet. Warum dieser mehr oder weniger Spontankauf sich gelohnt hat und warum ich auf eine Fortsetzung hoffe möchte ich hier kurz erläutern.
Am auffälligsten ist der Fokus auf ausnahmslos weibliche Protagonistinnen. Natürlich gibt es neben den Teenagerinnen Chris, Maggy, Kennedy, Dolores und ihrer Chefin Irene auch männliche Figuren aber die sind eher schmückendes Beiwerk. Die Mädels sind dabei alle sehr verschieden harmonieren aber gut miteinander was für eine schöne Dynamik zwischen ihnen sorgt. Im Zentrum der Geschichte steht die lässige aber trotzdem ein wenig schüchterne Chris, die man wohl am ehesten als „Skatertyp“ bezeichnen könnte. Chris ist ein wenig burschikos, was sich vor allem in ihrem Kleidungsstil wiederspiegelt. Dass Chris sich ausgerechnet in Everybody’s Darling, die quirlige und sehr mädchenhafte Maggy verguckt bildet einen schönen Kontrast. Die coole, selbstbewusste und tatkräftige Kennedy sowie die etwas zurückhaltende und manchmal etwas abweisend erscheinende Goth und Musikliebhaberin Dolores halten sich eher etwas im Hintergrund sind nichts desto trotz sehr wichtig für die Geschichte. Abgerundet wird das Ensemble durch die entspannte Mittzwanziegerin und Chefin des Ladens Irene. So ist der Cast trotzdem sehr bunt und wirkt vor allem mitten aus dem Leben gegriffen und authentisch. Das erdet die zunehmend absurder werden Story und hält sie zusammen. Was die Story so absurd und fast schon etwas trashig macht verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht. Neben der eher humorvollen Story punktet die Serie auch mit eher leisem aber wirklich nettem Dialogwitz und gelungener Situationskomik. Letztes ergibt sich häufig aus den unausgesprochenen Gedanken oder Tagträumen der Akteurinnen. Das gefällt mir wirklich außerordentlich gut. Der Comic nimmt seine Figuren und ihre Probleme ernst behandelt aber alles mit viel Herz und Humor. Egal ob es sich dabei um Chris‘ Annäherungsversuche, die Arbeit im Laden oder den Kriminalfall handelt.
Ebenfalls sehr positiv ist die Diversität des Casts und vor allem der Umgang mit ebendieser. So wird beispielsweise kein Wort über Chris‘ Sexualität verloren, sondern diese einfach als selbstverständlich und „beiläufig“ einfach als gegeben eingeführt und behandelt. So muss das sein. Außerdem sei an dieser Stelle erwähnt, dass Chris nicht die einzige queere Figur ist.
Bevor wir zu den Zeichnungen und der Optik kommen sei noch der hie und da durchschimmernde 90er Charme erwähnt, der sicherlich einigen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern dürfte. Die 90er manifestieren sich Hauptsächlich in Form der Kleidung, einiger Bands die namentlich erwähnt werden und in – aus heutiger Sicht – altmodischer Technik wie Röhrenfernsehern oder Discmen. Das ist eine nette Dreingabe für die Geschichte in diesem Band allerdings nicht wirklich von Bedeutung.
Kommen wir doch aber nun zum Auffälligsten Merkmal der Serie, dem wirklich hübschen Zeichenstil. Der bewegt sich irgendwo zwischen ziemlich realistischer Abbildung und einem irgendwie sehr cartoonigen Look. Das heißt den Leser erwarten manchmal zwar ein wenig überzeichnete aber dafür umso aussagekräftigere Gestik und Mimik der Figuren. Zusammengehalten wird alles durch das sehr gelungene Farbdesign, das sich auf der einen Seite durch kräftige Farben auf der anderen Seite teils auch durch fast schon pastellige Töne auszeichnet aber stets wie aus einem Guss wirkt.

Comiceinsteiger
Gut verständlich in Wort und Bild – Ein Comic für Neueinsteiger, die sich mehr für Diversität als den Superheldenmainstream interessieren. Besonders gut für junge Frauen und Teenagerinnen geeignet.

Fazit

Heavy Vinyl ist ein bunter, diverser und witziger Comic mit ganz viel Herz. Die Zunehmend absurder werdende Geschichte wird durch die sehr authentischen Figuren und ihren Umgang miteinander geerdet und unterhält so zu jederzeit bestens. Wer Lust auf einen sympathischen weiblichen Cast, unaufdringlichen aber gelungen Dialogwitz, gute Situationskomik und auf eine Portion 90er Charme hat sollte unbedingt mal reinschauen.

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