Drifter Bd. 1 – 4

drifter1_regular_rgb-655e7afa
© Cross Cult

Fakten

Comic: Drifter Bd. 1: Crash
Drifter Bd. 2: Die Wache
Drifter Bd. 3: Lichterloh
Drifter Bd. 4: Ruinen
Autor: Ivan Brandon
Zeichner: Nic Klein
Verlag: Cross Cult
Sprache: Deutsch
Seiten: 128
Lesezeit: ca 40-60 Minuten
Format: ca 21 x 28 x 2cm
Erschienen: 21.05.2018
Preis: 25 € | 25 € | 25 € | 25 € (affiliate Links)

Handlung

Abram Pollux hat einen richtig miesen Tag: Er stürzt mit seinem Raumschiff auf dem Planeten Ouro in einen See und kann seinem Schiff nur mit knapper Not entrinnen. Kaum hat er sich ans Ufer gerettet muss er sich einer indigenen Spezies erwehren. Und als wäre das noch nicht genug erscheint auch noch ein maskierter Mann, der ihn anschießt und zum Sterben zurücklässt…
Doch das Schicksal hat noch Pläne für den gebeutelten Piloten. So erwacht er in einer schäbigen Siedlung, notdürftig zusammengeflickt von der örtlichen Ärztin und Gesetzeshüterin. So ganz glücklich ist Pollux mit seiner Situation jedoch nicht, denn er hat nahezu jegliche Erinnerung an sein Leben vor dem Absturz und sein Zeitgefühl verloren…

Kurzreview

Drifter hatte ich schon häufiger mal im Laden oder im Internet gesehen und fand es optisch sehr ansprechend. Als ich dann vor einem Jahr den damals neuesten 3. Band gewonnen habe war klar, dass ich die Serie irgendwann lesen würde. Als nun bekannt war, dass der 4. Band die Serie abschließt und der Juni eher dürftig war, was für mich relevante Veröffentlichungen angeht, habe ich die Reihe diesen Monat komplettiert und gelesen.
Der Einstieg gestaltet sich trotz Pollux‘ miesem Start auf Ouro ziemlich gemächlich. Wie Abram auch wird der Leser in eine ebenso unbekannte wie lebensfeindliche und triste Welt geworfen. Ouro ist ein raues Pflaster und es geht jeden Tag ums Überleben. Stoisch und doch ohne wirkliches Ziel sucht Abram Pollux sich seinen Weg in dieser trostlosen Welt. Wie der Held eines alten Westerns. Und damit sind wir schon beim ersten Stichwort: Lässt man den Mystery-Faktor erstmal außen vor kommt Drifter wie ein Western daher. Es gibt eine Siedlung irgendwo im Nirgendwo. Einen Sheriff, einen Priester und einen „Saloon“. Um das Setting abzurunden füge man noch etwas Endzeit-Feeling, ein bisschen Science-Fiction und Mystery hinzu und fertig ist Drifter! Während sich die Bedrohung in einem Western jedoch häufig schon recht schnell in Form einer Horde Banditen manifestiert bleibt die Bedrohung in Drifter eher latent, unbestimmt. Über allem liegt aber eine mysteriöse Atmosphäre. Pollux und der Leser wissen nicht was es ist, aber über allem schwebt ein Schleier permanenter und unausweichlicher Bedrohung. Vor diesem Hintergrund wandert Pollux scheinbar ziellos umher und lernt die Welt, ihre Eigenheiten und Bewohner näher kennen. Leider fühlte sich das auch für mich als Leser genauso an. Abgesehen von Abrams Wunsch nach Rache an dem Maskenmann und der Rückkehr zu seiner Geliebten hat die Hauptfigur keine Ziele oder Motivationen. Das Problem dabei ist, dass er diesen Wünschen nicht einmal aktiv nachgeht, sondern einfach ziellos durch die Welt stolpert. So fühlte es sich für mich jedenfalls bis zum letzten Band an, in dem sich die Ereignisse und Enthüllungen dann doch überschlagen und dem ganzen zumindest Teilweise einen Sinn geben. Mich störte allerdings, dass im Verlauf der Geschichte wenig bis gar nichts auf die große Enthüllung am Ende hinweist. So fühlte sich die Reise zum Endergebnis für mich zumindest in Teilen fast etwas irrelevant an. Fast, nicht ganz! Denn die vorigen Kapitel bauen natürlich die Atmosphäre und gewisse Erwartungen, eine Anspannung und die Frage nach dem Warum und Wozu auf. Das macht die Beantwortung der Fragen umso befriedigender. Was jedoch neben der spannungs- und richtungsarmen Geschichte vor dem Finale stören kann ist der etwas merkwürdige Erzählton. Ich weiß gar nicht wie ich ihn richtig beschreiben kann. Nach außen hin gibt Pollux gerne den wortkargen und schlagfertigen Westernhelden aber im recht häufigen Offtext, wenn seine innere Stimme zu Wort kommt, drückt er sich unpassend kryptisch, verkopft und fast schon philosophisch aus. Dazu kommt, dass die Offtexte die Geschichte nicht rückblickend erzählen, sondern direkt die Handlung im Präsens kommentieren. Das klingt schon ziemlich ungewohnt und irgendwie merkwürdig. In ihrer Verschrobenheit passt dieser Erzählton aber irgendwie zur Reihe.
Das Highlight des Comics von Ivan Brandon ist jedoch ohnehin nicht die Story an sich, sondern die tolle optische Umsetzung des deutschen Künstlers Nic Klein. In einem Interview am Ende des ersten Bandes erklärt dieser seinen Zeichenstil für den Comic und bringt es damit ziemlich gut auf den Punkt: Er arbeitet nur mit recht wenigen Outlines, spart hier mit Details. Diese fügt er erst bei der Kolorierung hinzu. So schafft es Klein Bilder zu erschaffen die gleichzeitig sehr realistisch und wie Gemälde aussehen. Das Ganze hält er dabei in einer eher gedeckten aber äußert stimmigen Farbpalette, in der Hell-Dunkel und Farbkontraste gut zur Geltung kommen. Die Charakterdesigns mit Ausdruckstarken Gesichtern können sich ebenso sehen lassen wie die teils recht fantasievollen an Moebius erinnernden Landschaften. Optisch definitiv ein Highlight! Cross Cult geht hier den einzig richtigen und angemessenen Weg und veröffentlicht die deutsche Fassung im ziemlich schicken Hardcover in einem ziemlich großen Format zwischen Trade Paperback und klassischer Albumgröße.

Fazit

Drifter macht einem eine Bewertung nicht leicht. Auf der einen Seite plätschert die Serie ohne erkennbare konkrete Handlung lange vor sich hin und geizt mit Hinweisen zum miträtseln oder Charaktermotivationen. Auf der anderen Seite können die fantastische Optik und die Auflösung dann im letzten Band aber absolut überzeugen. Letztere profitiert sogar von der relativen Tristesse der vorherigen Kapitel. Bis zu diesem Punkt lag die Hauptmotivation zum Weiterlesen für mich persönlich aber hauptsächlich an den tollen Zeichnungen und Farben von Nic Klein. Für alle die gerne im unklaren tappen und die Lust auf einen Sci-Fi-Mystery-Western haben ein Muss. Für alle anderen ein Kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s