Black Metal

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© Popcom

Fakten

Comic: Black Metal
Autor: Niki Kopp, Timo Wuerz
Zeichner: Timo Wuerz
Verlag: Popcom
Sprache: Deutsch
Seiten: 224
Lesezeit: ca 80 Minuten
Format: 19,7 x 2,7 x 29,7 cm
Erschienen: 14.06.2018
Preis: 16 € (affiliate Link)

Handlung

Die drei Teenagermädchen Asako, Corky und Nina führen in ihrer WG in Berlin ein extremes Leben zwischen grenzenloser Langeweile, rauschenden Partys, Videospielen, Alkohol- und Drogenexzessen. Wird ihnen ihr Leben mal wieder zu langweilig suchen sie sich eine neue Musikszene, eine neue Subkultur, die sie aufmischen können. Als neuestes Opfer haben sich die drei die Black Metal Szene ausgeguckt. Corpsepaint, Satan, brennende Kirchen, selbstverletztes Verhalten – das klingt doch nach jeder Menge Spaß!

Kurzeview

Der neu bei Popcom erschienene Sammelband legt die schon etwas ältere Serie im wirklich schicken und hochwertigen Hardcover neu auf. Titel, Preis und eben dieses Design verleiteten mich zu einem spontankauf – schließlich bin ich selbst dem Black Metal nicht abgeneigt!
Im Berlin der Endneunziger oder frühen Zweitausender, so genau ist das aus dem Comic nicht zu entnehmen, machen die drei Mädchen Berlin unsicher. Die drei sind ohne jeglichen Antrieb, ohne Interessen, ohne echte Persönlichkeiten und ohne Ziele im Leben. Diese Leere versuchen sie mit Videospielen, Partys, Drogen, Alkohol und dem Jagen neuer Trends zu füllen. Kaputt wie die drei sind erscheint ihnen der Black Metal und seine Szene als verlockender neuer Abenteuerspielplatz. Anfangs halten die drei das elitäre Gehabe, die Kleidung und das Make-Up zwar eher für lächerlich aber finden ziemlich schnell ihren Spaß an der Sache. Jedoch ohne wirklich zu verstehen was es mit der Musik, der Ideologie und dem Look auf sich hat. Schließlich ist ihnen nichts heilig – wie passend! Zusammen mit ihren labilen Persönlichkeiten ergibt das Ganze aber eine fatale Mischung und es kommt wie es schon längst hätte kommen müssen: Alles läuft ziemlich schnell aus dem Ruder und der Spaß hört ziemlich schnell auf. Doch einsehen will das keines der Mädchen und die Tragödie nimmt ihren Lauf…
Den Comic zu beurteilen oder einzuordnen fällt mir extrem schwer, da er meinen Lesegewohnheiten etwas wiederspricht, denn keine der Figuren ist sympathisch, hat nachvollziehbare Motive oder überhaupt eine echte Persönlichkeit. Dementsprechend distanziert scheint mir auch der Erzählton – obwohl es Passagen mit Ich-Erzähler gibt. Das spiegelt die Leere der Figuren allerdings ganz gut wieder. Sie sind eher Statisten denn Protagonisten in einem recht distanzierten Werk. Die Figuren sind für mich schlicht unnahbar. Dazu kommt, dass grade Anfangs länger nicht so richtig was passiert, sich die Ereignisse dann aber zusehends überschlagen und immer extremer werden. Das macht es schwer sich mit den Figuren oder dem Geschehen zu identifizieren. Das liegt unter anderem auch an der Kürze der Geschichte. Der Comic ist in dieser Ausgabe zwar echt ein dicker Wälzer aber wegen der in der zweiten Hälfte ziemlich rapide voranschreitenden Handlung bleibt wenig Raum für Charaktere und ihr Innenleben. Es wird zwar angedeutet, dass sie Dinge sehen, die nicht da sind und verschiedenste psychische Probleme haben, aber nichts von all dem wird vertieft. Ein bisschen mehr Tiefe in diesem Bereich hätte den Comic noch einmal deutlich aufgewertet. Das ist leider verschenktes Potential. Als Fan hätte ich mir auch einen etwas tieferen Blick in den Black Metal Untergrund gewünscht. Aber da die drei jungen Frauen verdammt oberflächlich sind und kein Interesse am „echten“ Black Metal haben und der Comic ihre Perspektive schildert ist auch das passend. Am Ende des Comics habe ich mir selbst die Frage gestellt: Was will der Comic eigentlich? Ich kam für mich zu dem Schluss ihn als extrem überdramatisiertes Portrait einer verlorenen Generation zu betrachten, die zwischen den Jahrtausenden irgendwie ihre Ziele und den Sinn aus den Augen verloren hat und gleichzeitig aus den gesellschaftlichen Konventionen und Normen auszubrechen versucht. Passend beginnt das Werk auch mit dem Satz „Die größte Rebellion ist immer die gegen die Gegenwart.“
Optisch präsentiert sich der Comic durchaus ansehnlich. Hierbei muss man allerdings zwischen den detaillierten „normalen“ Panels und großformatigen sehr detaillierten Portraits die immer wieder eingestreut sind unterscheiden. Stilistisch sind die Panels manchmal ein wenig unterschiedlich passen aber stets zusammen. Auf einigen Seiten experimentiert Zeichner Timo Wuerz auch mit großflächigem Schwarz um die Stimmung oder Emotionen zu untermauern. Das gefiel mir ganz gut. Wer insbesondere an den Portraits und großformatigen Bildern gefallen findet, der dürfte sich über die recht üppige Bonusgallerie am Ende des Comics freuen, die auch ein paar Gastbeiträge enthält.

Fazit

Black Metal ist definitiv einen Blick wert, wenn man mal wieder „etwas anderes“ lesen möchte ohne gleich zu total abgefahrenen Sachen zu greifen. Der Zugang zum Comic ist aber relativ schwierig, weil keine der Protagonistinnen sympathisch ist, Ziele, Motivationen oder eine erkennbare eigene Persönlichkeit hat. Die drei Mädels rebellieren gegen alles und jeden, nichts ist ihnen heilig außer dem nächsten Kick, der ihre Leere kurzzeitig zumindest zu verdrängen mag. Eher für diejenigen geeignet, die ohnehin eher abseits des Mainstreams lesen und besonders schöne Hardcoverausgaben in ihrer Sammlung zu schätzen wissen.

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