Lady Mechanika Bd. 3: Die Schicksalstafel

Vorab: In den deutschen Ausgaben sind die Sammelbände von Lady Mechanika manchmal ein bisschen unglücklich aufgeteilt, was an der Integration von Bonuskapiteln liegt. So kam es dann auch, dass die ersten beiden Kapitel des aktuellen Arcs „die Schicksalstafel“ bereits im 2. Band mit enthalten waren, der eigentlich den ersten Arc abschließt. Ich beziehe hier zur Handlungsangabe also auch die letzten beiden Kapitel des 2. Bandes mit ein, da sie die Ausgangslage schildern und vor dem lesen des dritten Bandes nochmal aufgefrischt werden sollten.

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© Splitter Verlag

Fakten

Comic: Lady Mechanika Band 3:
Die Schicksalstafel

Autor: Joe Benitez, M. M. Chen
Zeichner: Joe Benitez, Martin Montiel
Kolorist: Peter Steigerwald, Mike Garcia
Verlag: Splitter (Leseprobe)
Seiten: 128
Sprache: Deutsch
Lesezeit: ca. 60 Minuten
Format: 20,3 x 1,8 x 28,2 cm
Erschienen: 22.06.18
Preis: 19,80 € (affiliate Link)

Handlung

Grade aus dem Ausland zurück wartet in ihrer Unterkunft schon Besuch auf Lady Mechanika: Das Mädchen Winifred vermisst ihren Opa, der auf einer archäologischen Expedition in Zentralafrika auf der Suche nach der Schicksalstafel verschollen ist, und bittet Mechanika ihn zu suchen. Mechanika ist überzeugt die Sache schnell klären zu können und möchte das Mädchen zunächst nach Hause bringen. Doch dort findet sie nur die Leiche der Haushälterin und einen verdächtigen Brief vor. Zu allem Überfluss wird Winifred auch noch hinter Mechanikas Rücken entführt. Das kann Mechanika natürlich nicht auf sich sitzen lassen und nimmt die Verfolgung der Spur auf…

Kurzreview

Als Rezensent ist Lady Mechanika auf der einen Seite recht dankbar, denn die Serie besteht aus mehreren in sich abgeschlossenen Storyarcs, die sich natürlich einzeln bewerten lassen. Auf der anderen Seite fällt mir die Bewertung und Einordnung jedoch recht schwer, weil man Entwicklungen auf Charakterebene im Detail suchen muss. Zusammengehalten wird die Serie durch wiederkehrende Charaktere und Mechanikas Suche nach ihrer Herkunft. Nimmt man das als Maßgabe wirkt der Handlungsbogen um die Schicksalstafel ein bisschen wie ein Filler, denn auch wenn Mechanika klar die Hauptfigur ist und bleibt tut sich bei ihr ziemlich wenig. Der dritte Band ist wieder sehr storydriven und fügt der Hauptfigur nur wenige neue Facetten und Hintergründe hinzu. Eigentlich wird nur deutlich, dass Mechanika ziemlich gut mit Kindern kann, in der Lage ist Fehleinschätzungen schnell zu korrigieren und sich neuen Situationen ebenso schnell anpassen kann. Die meiste Zeit schaut der Leser der Dame mit einem Faible für ebenso ausgefallene wie funktionale Kleidung bei der Detektivarbeit oder in kleineren Scharmützeln und Handgemengen über die Schulter. Die Steampunk Welt von Lady Mechanika wird jedoch um spannende Facetten erweitert. Sie ist gezeichnet von Geheimbünden, Forscherligen, Erfindergeist, Forschungsdrang und Abenteuerlust. War der erste Story Arc noch eine recht klassische Detektivgeschichte ist die Story um die Schicksalstafel eher an Abenteuerfilme der Marke Indiana Jones angelehnt. Das passt hervorragend und fügt sich perfekt in die bisherige Mischung ein und bringt somit genügend frischen Wind um trotz der leichten Defizite auf Charakterebene am Ball zu bleiben. Die Welt fühlt sich sehr lebendig an, weil alles stimmig zusammenpasst und ab und zu auch vermeintlich eher unwichtige Figuren wie die ganz coolen „Wüstengeister“ eine interessante Hintergrundgeschichte spendiert bekommen. Das riecht eigentlich nach einem Spin-off! Ich würde es lesen wollen.
Prunkstück des Comics bleibt wieder die Optik: Vikorianisches Design trifft auf abgefahrene Steampunkmaschinen und sehr stimmiges Farbdesign. Die üppigen Kleider und Kostüme, die prunkvolle Innenausstattung, die Luftschiffe oder auch der Dschungel protzen mit Details ohne jedoch von der Handlung oder den Figuren abzulenken. Natürlich darf man auch wieder den „Male Gaze“ bei den Zeichnungen nicht außer Acht lassen. Eigentlich sind alle Damen auffallend gut gebaut und wirken selbst im Kampf graziös und vielleicht etwas „sexier“ als nötig in Szene gesetzt. Die Frauen tragen das aber stets Selbstbewusst, mit einer gewissen Coolness und ohne die Würde zu verlieren. Von so plumpem Fanservice wie er etwa in Anime oder Manga Gang und Gebe ist bleiben Figuren und Leser verschont. So fügt es sich gut und vertretbar ins Gesamtbild ein. Besonders gut zur Geltung kommen die toll Designten Kostüme übrigens in der am Ende angeschlossenen Covergalerie, die auch Gastbeiträge enthält. Ergänzt wird der Bonusteil durch ein kurzes Interview mit Autor und Zeichner Joe Benitez. Alles in allem wirken der Comic und das Bonusmaterial in dem matten Hardcover mit seidenmatten Innenseiten ziemlich edel. Das gefällt!

Fazit

Nach der ersten recht klassischen Detektivgeschichte verschlägt es Lady Mechanika dieses Mal in ein waschechtes Abenteuer in Deutschland und Afrika. Auf den Spuren von Indiana Jones gewinnt die Storyworld des Comics an Facetten und macht Lust auf mehr. Dafür stagniert der Comic jedoch etwas auf Charakterebene. Trotzdem unterhält die wirklich toll bebilderte Serie auch weiterhin ziemlich gut. Für den nächsten Storyarc wünsche ich mir allerdings ein bisschen mehr Hintergründe und Entwicklung der bisher zwar sympathischen aber doch etwas blassen Hauptfigur.

Ein Kommentar zu „Lady Mechanika Bd. 3: Die Schicksalstafel

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