Kurz Kommentiert 17: Von Prinzessinnen, Fischköpfen & Taliban

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© Gkids

Der Brotverdiener/The Breadwinner (Netflix)

Der in internationaler Kooperation entstandene Animationsfilm The Breadwinner ist seit ein paar Wochen auf Netflix verfügbar und erzählt die Geschichte der zwölfjährigen Afghanin Parvana. Unter der Terrorherrschaft der Taliban lebt sie in ärmlichen Verhältnissen mit ihrer Familie in Kabul. Sie begleitet ihren kriegsversehrten Vater regelmäßig zum Markt um Geld für die Familie zu verdienen. Doch eines Tages wird ihr Vater von den Taliban festgenommen und das kleine Mädchen, seine Mutter, ihre große Schwester und sein kleiner Bruder sind auf sich alleingestellt. In einer Gegend, in der eine Frau das Haus nicht alleine verlassen geschweige denn arbeiten darf ist die Not nun groß. Parvana beschließt sich die Haare abzuschneiden und sich als Junge auszugeben um das Brot für die Familie zu verdienen und auf die Suche nach ihrem Vater zu gehen…
Ihr merkt es vielleicht schon: The Breadwinner ist kein leichter Stoff. Besonders die erste halbe Stunde ist schon ziemlich bedrückend und eher weniger für einen unbeschwerten Filmabend geeignet. Dass der Film auf seine Weise trotzdem schön ist liegt vor allem an der netten Erzählweise. Parvana Geschichte spiegelt nämlich eine alte überlieferte Geschichte die Parvana zwischendurch Stück für Stück ihrem kleinen Bruder erzählt. Abgerundet wird das ganze durch die wirklich schönen und stimmigen Hintergründe. Im Vergleich zu deinen sind die Figuren zwar eher simpel und „flächig“ koloriert fügen sich aber gut ein und sind vor allem liebevoll animiert. Der Brotverdiener ist ein gelungener und authentischer Einblick in einen völlig anderen Kulturkreis, der mir persönlich bisher völlig fremd ist. Wer sich gerne mal auf nicht so leichte Filme einlässt und wissen möchte was der Animationsfilm außer Disney, Dreamworks und Co sonst so zu bieten hat der sollte unbedingt mal einen Blick riskieren. Kein ganz einfacher aber dennoch ein schöner Film.

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© Netflix

Disenchantment (Netflix)

Matt Groening macht eine neue Serie? Eine Fantasysatire für Netflix? Meine Neugier war schon ziemlich groß, wenn ich ehrlich bin. Leider war die Ernüchterung dann umso größer: Disenchantment verschenkt unglaublich viel Potential, dümpelt handzahm vor sich hin und grenzte fast an Langeweile. Kaum noch eine Spur vom Witz der Simpsons oder von Futurama. Das liegt an zwei Dingen: Die Gangs sich ziemlich lahm und stumpf und erinnern eher an jüngere Simpsons Staffeln als an die großartigen „mittleren“. Mit ganz wenigen Ausnahmen lassen die Witze leider fast jeglichen Biss vermissen und beschränken sich eigentlich nur auf unqualifizierte zwischengerufene Kommentare. Dazu kommt, dass das Pacing von vorne bis hinten überhaupt nicht passt. Comedy muss on Point abliefern. Jede Episode bietet ziemlich dünne Story ohne Überraschungen. Völlig an die Wand gefahren wird das Tempo aber dadurch, dass Stoff für 22 Minuten auf bummelige 30 Minuten gedehnt wird – kurz und knackig ist leider gar nichts. Mein Größter Kritikpunkt ist aber die Hauptfigur Prinzessin „Bean“ Tiabeanie. Die Alkoholikerin und Antiprinzessin ist zwar einigermaßen sympathisch macht durch ihre völlig fehlende Selbstreflexion jegliches Potential zunichte. Sie hat zwar Vaterkomplexe, Kämpft mit einer Alkoholsucht und will eigentlich keine Prinzessin sein aber ist dabei völlig unkritisch ihrer Situation und sich selbst gegenüber. Sie setzt sich niemals ernsthaft mit ihren Problemen auseinander. Was bei Charlie Harper anfangs noch lustig war und gut funktioniert hat gelingt Bean leider überhaupt nicht. Ihre beiden Sidekicks der Dämen Lucie und der hoffnungslos in Bean verliebte Elfo ändern daran nichts. Denn auch sie sind leider Flach und Eindimensional – wie alle übrigen Nebenfiguren auch. Das schönste an der Serie waren wirklich die Hintergründe, denn die unterscheiden sich stark von dem einfachen und flachen Stil der Simpsons und Futuruama. Sie erinnern eher an recht aufwendige Bilderbücher oder an moderne Point and Click Adventure wie The Whispered World. Die Figuren hingegen bieten den typischen Simpsons Stil – nur nicht in Gelb. Hätte man die Folgen 3-8 gestrichen und nach Folge 10 weitererzählt hätte die Serie nochmal was reißen können, denn ab Folge neun baut sich tatsächlich sowas wie ein längerer Handlungsbogen auf, der schon eher nach klassischem Fantasystoff aussieht und durchaus Lust auf mehr macht. Darum werde ich einer 2. Staffel nochmal eine Chance geben, die sie mit der ersten schon fast verspielt hätte.

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© Marvel

Star Wars Vol. 8: Mutiny at Mon Cala (Comic)

Wie in meinem letzten Artikel beschrieben kann es ganz schön schwierig werden weit fortgeschrittene Comicbände von Serien zu rezensieren. Das trifft auch auf die Star Wars Hauptserie aus dem Hause Marvel zu. Für alle, die die Serie nicht kennen: Sie spielt in dem Zeitraum zwischen Episode 4: Eine neue Hoffnung und 5: Das Imperium schlägt zurück und umfasst bisher 7 Bände und zwei Crossover-Bände. Darum will ich zum vorliegenden 8. Band gar nicht allzu viel erzählen. Nach der Übernahme der Serie durch Kieron hat sich nicht allzu viel verändert: Auf Charakterebene tut sich im Prinzip gar nichts aber die Geschichten sind recht unterhaltsam und nehmen mal mehr mal weniger Bezug auf die Filme. Der achte Band ist jedoch insofern spannend, als dass er einen wichtigen Punkt im Kampf der Rebellen gegen das Imperium markiert. So erfährt der geneigte Fan erstmals wie die Flotte der Mon Calamari in die Reihen der Allianz überging und sich so das Kräfteverhältnis im Krieg verändert hat. Denn bis zu diesem Zeitpunkt waren „Fischköpfe“ wie Admiral Ackbar und der aus Rogue One bekannte Raddus eher selten in der Rebellenallianz zu finden. Das Volk von Mon Cala unterwarf sich nämlich dem Imperium um zu überleben. Wie Leia, Luke und Han es anstellen die Meinung der Mon Calamari zu ändern erfahrt ihr in diesem Band. Der ist übrigens auch für neugierige Leser geeignet, welche die Serie bisher nicht verfolgt haben. Der übliche Schwachpunkt sind leider mal wieder die Zeichnungen von Larroca. Wie es scheint gibt es da aber wohl bald endlich einen wechsel! Narrativ ist aber weiterhin alles im grünen Bereich. Die Serie ist jedoch generell etwas für Fans.

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