Locke & Key – Master Edition Bd. 1-3

LOCKE26KEYMASTEREDITIONBAND1_426
© Panini Comics

Fakten

Comic: Locke & Key Master Edition Bd. 1
Locke & Key Master Edition Bd. 2
Locke & Key Master Edition Bd. 3
Autor: Joe Hill
Zeichner: Gabriel Rodríguez
Farben: Jay Fotos
Verlag: Panini Comics
Sprache: Deutsch
Seiten: 304 & 320 &
Lesezeit: ca 150 Minuten / Band
Format: 18,9 x 2,2 x 28,4 cm
Erschienen: 24.06.2017 & 26.03.2018 & 24.09.2018
Preis: 29,99 € | 35,00 € | 35,00 € (affiliate Links)

Handlung

Nach dem brutalen Mord an Vater und Familienoberhaupt Rendell Locke ziehen seine Kinder Tyler, Kinsey, Bode und seine nun verwitwete Frau Nina ins beschauliche Lovecraft. Dort leben sie von nun an auf Wunsch des verstorbenen im Keyhouse, dem Ort seiner Kindheit, aus der er kaum etwas erzählen wollte. Während Mutter Nina immer mehr dem Alkohol und Depressionen verfällt versuchen die Teenager und der kleine Bode sich in ihrem neuen Umfeld einzuleben und stolpern bei ihren Erkundungstouren über das Anwesen der Lockes über mehrere ganz besondere Schlüssel. Diese öffnen nicht nur Türen, sondern auch ungeahnte Möglichkeiten von denen die Kinder niemals zu träumen wagten… Doch auch andere trachten nach den Schlüsseln des Keyhouse – und nicht jeder möchte der Familie gutes…

--1516628858
© Panini Comics

Review

Da Locke & Key sich seiner Zeit vor Fan- und Kritikerlob kaum retten konnte und eine Netflixadaption endlich in trockenen Tüchern ist wurde es für Zeit für mich endlich auch mal reinzuschauen. Praktischerweise – und bestimmt nicht zufällig – erschien über die letzten Monate hinweg eine schicke Neuauflage in drei jeweils zwei Paperbacks umfassenden Hardcoverbänden, der Master Edition. Da man in einem Review zu dieser Serie nicht zu viel verraten sollte fasse ich hier meine Meinung zu allen Master Edition Bänden zusammen werde an dieser Stelle nicht weiter auf die konkrete Handlung eingehen als ich es in der Einleitung weiter oben getan habe. Die Geschichte lebt nämlich von ihren Überraschungen, ihren Wendungen und Enthüllungen – und davon hat sie jede Menge. Wirklich nichts ist dem Zufall überlassen und wird früher oder später nochmal aufgegriffen. Alles fügt sich nahtlos ineinander. So wirkt die Serie trotz des wilden Genre-Mix aus Drama, Krimi, Abenteuer, Horror, Mystery und ja, manchmal auch Komödie, wie aus einem Guss.
Die Serie strotzt vor kreativen Ideen. Allen voran natürlich das Konzept der Schlüssel, die nur von Kindern gefunden werden können. Jeder Schlüssel hat eine einzigartige Fähigkeit die manchmal naheliegend, meistens aber ziemlich abgefahren und clever ist. So gibt es etwa einen Schlüssel, der es ermöglicht in seinem eigenen Kopf… nun ja… aufzuräumen, einen Schlüssel, der jede Tür zu jedem beliebigen Ort öffnen kann, wenn man ihn sich vorstellt oder der einem im wahrsten Sinne des Wortes Flügel verleiht. Die vielen Schlüssel könnten unterschiedlicher kaum sein. Da ist auch so manches Konzept dabei, dass man in Textform erst recht kompliziert in mehreren Sätzen erklären müsste. Hier kommt das geniale Artwork von Zeichner Gabriel Rodríguez ins Spiel: Er bebildert Joe Hills Geschichte so perfekt, dass für jeden Schlüssel meistens nur ein bis drei Panels ausreichend sind um jedes noch so komplizierte Konzept zu erklären. Der großartige Lesefluss der Serie ist also Autor und Zeichner gleichermaßen zu verdanken. Wegen des Konzepts rund um die Schlüssel und des recht wilden Genre-Mixes fühlt sich die Serie einerseits eher nach Independent Comic an, lässt sich aber andererseits so locker und leicht weglesen wie Mainstreamkost (was überhaupt nicht abwertend gemeint ist, im Gegenteil!). Die Serie ist vom Konzept her eigentlich recht anspruchsvoll aber so clever und elegant strukturiert, dass sich alles mühelos erfassen und verstehen lässt, obwohl sie zum Teil auf unterschiedlichen Zeitebenen spielt, kleinere Zeitsprünge beinhaltet und einige Kapitel mit ihrem Ende beginnen um in der Folge zu klären wie es dazu kommen konnte. Das führt zu dem ungemein hohen Unterhaltungsfaktor.
Zu dem tragen natürlich auch die sehr unterschiedlichen Hauptfiguren bei. Das sind im Kern der Teenager Tyler Locke, der sich Vorwürfe wegen des Todes seines Vaters macht, seine etwas jüngere Schwester Kinsey, die ihrerseits auch mit ihren Gefühlen zu Kämpfen hat und ihrem kleinen Bruder Bode, der am wenigsten von der Familientragödie getroffen zu sein scheint. Wie es sich für Geschwister gehört gibt es jede Menge Streit und Zank zwischen den dreien aber wenn es drauf ankommt können sie sich aufeinander verlassen und sind immer füreinander da. Der Altersunterschied, der unterschiedliche Umgang mit Trauer und Verlust aber auch ihr unterschiedliches Wesen sorgen für jede Menge Spannungen und Reibereien aber auch für viele schöne zwischenmenschliche Momente und fühlt sich sehr dynamisch an.
Der Comic ist eher storydriven und legt ein recht hohes Erzähltempo vor, wird aber durch die Hauptfiguren immer geerdet und an den richtigen Stellen entschleunigt. Ein winziges Manko von meiner Seite aus ist, dass es den emotionaleren Passagen etwas an Einschlag fehlt. Bei dem hohen Erzähltempo fehlt mir an einigen Stellen eine kleine Atempause um das Geschehen emotional wirken zu lassen. Das ist aber nur mein persönlicher Eindruck und Mäkeln auf allerhöchstem Niveau und fällt daher kaum ins Gewicht.
Abschließend möchte ich auf inhaltlicher Ebene noch auf die zahllosen Popkulturreferenzen hinweisen. Der Comic strotzt vor Anspielungen auf bekannte Filme, Serien, Bands oder andere Comics. Dies geschieht mal durch dezente im Hintergrund platzierte Poster oder Plakate, durch Dialoge über Filme oder durch direkte Zitate. Über allem thronen natürlich die Bezüge zu den Werken H. P. Lovecrafts, die gewissermaßen auch grundlage des Comics sind. Ein Kapitel ist als Hommage an den Comicklassiker Calvin & Hobbes sogar teilweise im Stil besagter Serie gezeichnet. Und zwar immer dann wenn aus Bodes kindlicher Perspektive erzählt wird. Das ist natürlich kein Zufall! Denn Bode ließt in dem Kapitel grade „Yukon Ho!“.
Wie ich vorhin schon Anschnitt, zeichnet sich die Serie durch eine gelungene Bebilderung und Panelführung aus. Dabei fand ich die Optik persönlich auf den ersten Seiten gar nicht so ansprechend. Das kann an dem ganz leicht cartoonig überzeichneten und manchmal ein wenig kantigen Zeichnungen mit den recht großen Nasen der Menschen liegen. Aber je weiter ich gelesen habe desto besser gefiel mir der zwar eigene aber doch ganz hübsche Stil. Grade dadurch wie die Gesichter gezeichnet sind, vermitteln sie alle Emotionen und Gefühlslagen ziemlich gut. Darum stehen sie meistens auch im Vordergrund. Immer wenn es eher auf den Ausdruck der Figuren ankommt nehmen sich die gleichzeitig schön gezeichneten und detaillierten aber trotzdem irgendwie reduzierten Hintergründe zurück oder verschwimmen zu bloßen Farbflächen. So lenkt nichts vom wesentlichen ab, was natürlich auch ein Grund für den perfekten Lesefluss der Serie ist. Die eher dezente Kolorierung von Jay Fotos rundet das Gesamtbild stimmig ab.
In den ansprechend gestalteten und hochwertigen Hardcovereinbänden in üblicher Paperbackgröße kommen die Zeichnungen gut zur Geltung. Auch das Papier der Innenseiten passt gut zum Look und zur Farbgebung des Comics. Abgerundet wird jeder Band durch eine kurze Cover- und Skizzengalerie.

LOCKE26KEYMASTEREDIT_802.jpg
© Panini Comics

Fazit

Nachdem ich nun die Locke & Key Master Edition gelesen habe kann ich den Überschwang der Fans und Kritiker absolut verstehen. Joe Hill und Gabriel Rodríguez haben mit Locke & Key nicht weniger als einen modernen Comicklassiker geschaffen. Selten habe ich so viele geniale Ideen und Konzepte in einem Comic oder Buch gesehen und dabei auch noch einen solch locker-leichten Lesefluss und eine spannende Geschichte erlebt. Durch die clevere Strukturierung und die geniale Bebilderung lässt sich das Werk aller Komplexität zum Trotz unheimlich flott weglesen und erfassen. Ein ganz großer Comic – Hut ab!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s