Lady Mechanika Bd. 4: La Dama de la Muerte

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© Spitter Verlag

Fakten

Comic: Lady Mechanika Band 4:
La Dama de la Muerte

Autor: Joe Benitez, M. M. Chen
Zeichner: Joe Benitez, Martin Montiel
Kolorist: Peter Steigerwald, Mike Garcia
Verlag: Splitter (Leseprobe)
Seiten: 160
Sprache: Deutsch
Lesezeit: ca. 90 Minuten
Format: 20,3 x 2,0 x 28,2 cm
Erschienen: 28.09.18
Preis: 24,80 € (affiliate Link)

Handlung

Zuerst verschlägt es Mechanika ins Armenviertel West Abbey, wo in letzter Zeit mehrere Straßenkinder verschwanden und eine Reihe ritueller Morde begangen wurden. Was steckt dahinter?
Im zweiten Arc gönnt sich Mechanika einen lange überfälligen Urlaub in Mexiko um in Ruhe zu trauern. Wie es das Schicksal will trifft sie ausgerechnet am Día de los Muertos in einem beschaulichen Dorf im mexikanischen Hinterland ein. Doch die Feierlichkeiten werden von den Jinetes del Infierno, den Höllenreitern, auf brutalste Weise gestört…

Kurzreview

Vor einigen Wochen habe ich darüber geschrieben, wie schwierig es ist über fortgeschrittene Fortsetzungen zu schreiben wenn sich wenig tut. Entsprechend habe ich beschlossen Reviews einfach auch mal nicht zu schreiben. Nach den ersten beiden Kapitel des aktuellen deutschen Bandes von Lady Mechanika war ich kurz dabei der Serie eben solch eine Behandlung zukommen zu lassen. Warum ihr nun doch ein Review zu lesen bekommt erfahrt hier.
Beim zweiten und dritten Band habe ich ja schonmal verlautbaren lassen, dass die Serie rund um die namensgebende Mechanika zwar cool, stylish und unterhaltsam ist aber sich kaum bis gar nicht entwickelt. Außer gegenüber Kindern war Mechanaika bisher nämlich zwar immer cool, schlagkräftig und durchaus sympathisch, als echter Charakter aber irgendwie doch immer recht blass. Außerdem geizten die bisherigen Arcs ziemlich mit expliziten Details oder Zumindest Andeutungen aus Mechanikas vergessener Vergangenheit. An dieser Stelle kommt nun zum Tragen, dass der aktuelle deutsche Band gleich zwei Storyarcs enthält.
Die ersten beiden Kapitel des vierten Bandes beinhalten den „Lost Boy of West Abbey“-Arc und erzählen eine ziemlich typische Steampunkgeschichte um verschwundene Straßenkinder, mysteriöse Ritualmorde und merkwürdige Spielzeugroboter. Das Ganze ist auch solide erzählt aber doch ziemlich vorhersehbar und arm an Überraschungen. Wer sich in Anbetracht dieses Falles erste größere Offenbarungen aus Mechanikas Vergangenheit erhofft dürfte wohl leider enttäuscht werden. Einige klitzekleine Flashbacks aus ihrer Jugend sind dem Leser jedoch glücklicherweise vergönnt. Das wertet den kleinen Filler-Arc im Rahmen der Serie als Ganzes etwas auf. Alles in allem aber nichts über das ich berichtet hätte.
Dass ich nun dennoch über diese Veröffentlichung schreibe liegt vor allem an dem zweiten drei Kapitel umfassenden Arc „La Dama de la Muerte“ den der Sammelband beinhaltet, denn der liefert endlich was ich mir so lange von der Serie erhofft habe und noch mehr!
Bisher durfte der Leser Mechanika eigentlich immer nur von ihrer taffen, cleveren und schlagfertigen Seite kennenlernen (wenn man kleinere Unsicherheiten bezüglich ihrer Augen oder mechanischen Gliedmaßen zu Beginn der Serie mal außenvor lässt). Mir fehlte immer die emotionale Komponente, die den Charakter menschlicher und nahbarer erscheinen lässt. Doch das ändert dieser Arc!
In La Dama de la Muerte schickt Benitez seine Protagonistin nämlich auf einen… Trauerurlaub nach Mexiko. Wie es das Schicksal will führt ihr weg sie in das kleine Dörfchen Santa Catrina, das mitten in den Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten zum Tag der Toten steckt. Die Dorfbewohner nehmen Mechanika sehr freundlich auf und führen sie sowie den Leser in die Bräuche und die Bedeutung dieses Tages ein. All die bunten Kostüme und Masken, die Musik, die Stimmung im Ort stehen im starken Kontrast zur Trauer die Mechanika mit sich herumträgt und die ihr dieses Mal stehts ins Gesicht geschrieben steht. Endlich zeigt sich die trotzdem immer noch mutige und taffe junge Frau von ihrer sensiblen, verletzlichen Seite. Aber nicht nur die Trauer nagt an ihr. Im Laufe der Geschichte muss sie sich nämlich auch noch mit den Konsequenzen ihrer Taten und schlimmen Gräultaten herumschlagen und sinnt letztendlich auf Rache. La Dama de la Muerte holt endlich nach was die Serie bisher vernachlässigt hat. Es ist der mit Abstand emotionalste aber auch brutalste Arc der Serie und damit locker der bislang beste!
Das gilt auch für die Optik. Die Serie glänzte immer mit fantasievollen Hintergründen, schönen Charakterdesigns, opulenten Kostümen und so weiter, aber in La Dama de la Muerte legen Zeichner und Koloristen nochmal eine ganze Schippe mehr drauf. Das liegt natürlich auch an dem dankbaren Setting. In Mexiko ist am Tag der Toten alles etwas bunter und aufwendiger gestaltet. Alleine die Totenmasken und -Bemalungen sind echte Hingucker. Aber auch die etwas anderen Kostüme oder die Höllenreiter sind Highlights. Ganz besonders stark fiel mir dieses Mal der Fokus auf Mechanikas Augen auf, in denen sich alle Emotionen zwischen Trauer, Wut und Hilflosigkeit wiederspiegeln – ganz groß! In dem schönen Hardcovereinband und auf dicken leicht mattierten Innenseiten kommen die schönen Panels wunderbar zu Geltung.

Fazit

Der erste recht kurze „Lost Boys of West Abbey“-Arc des vierten Bandes bietet altbewährtes. Soll heißen: Eine solide Steampunkgeschichte, schöne Optik aber wenige Überraschungen und etwas zu wenig Charaktertiefe. Alles in allem hätte ich mir an diesem Punkt sogar ein Review gespart, weil es nichts Neues zu erzählen gäbe. Doch mit dem zweiten Arc des Bandes, „La Dama de la Muerte“, hat das Kreativteam um Joe Benitez dann direkt hinterher den mit Abstand emotionalsten, spannendsten und brutalsten und somit besten Arc der Serie abgeliefert. Endlich kann der Leser Mechanika von ihrer sensiblen, verletzlichen Seite erleben und wird gleichzeitig Zeuge dessen wozu die taffe Frau wirklich fähig ist. Außerdem toppt Mexiko am Día de los Muertos optisch nochmal alles was die ohnehin schon großartig bebilderte Serie bislang geboten hat.

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