Myre – Die Chroniken von Yria Buch II

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© Splitter Verlag

Fakten

Comic: Myre – Die Chroniken von Yria Buch I
Autorin/Zeichnerin: Claudya „AlectorFencer“ Schmidt
Co-Autor: Marr W. Davis
Verlag: Splitter Verlag (Leseprobe)
Seiten: 96
Sprache: Deutsch
Lesezeit: ca. 30-35 Minuten
Format: 17,1 x 0,3 x 26 cm
Erschienen: 18.09.2018
Preis: 19,80 € (affiliate Link, Stand: 21.11.18)
Review Bd. 1: Myre – Die Chroniken von Yria Buch I

Handlung

Myre befindet sich auf der langen Wanderung nach Ehraan City um ihre Schuld dem alten Boozer gegenüber abzuarbeiten und ein Päckchen zuzustellen. Als sie die Stadt endlich erreicht muss sie ihre Begleiterin Varug in einem Stall zurücklassen als sie sich auf den Markt begibt. Dort drängt sich ihr der quirlige Dieb Lutz auf und sorgt für Chaos…

Review

Nach dem bildgewaltigen Auftakt von Myre war ich sehr auf die Fortsetzung gespannt. Nun habe ich den zweiten Band endlich gelesen und bin wieder ganz hin und weg von der fantastischen Optik.
Aber der Reihe nach! Fangen wir mit der Handlung an. Die fällt wie schon im Vorgänger wieder sehr überschaubar aus. Eigentlich beschreibt meine obige Angabe schon den gesamten Band. Mit einem kleinen oder feinen Unterschied: Während Myre im ersten Kapitel der Saga scheinbar ziellos durch die Einöde reitet hat sie mit Ehraan City und der Aufgabe Boozers Päckchen zuzustellen ein Ziel und eine Aufgabe. Leider erfahren wir auf dieser Reise immer noch nicht sonderlich viel über die Hauptfigur Myre und ihr Reittier, die Drachendame Varug. Über ihre innige Beziehung zueinander werden beide Figuren dennoch als sympathisch charakterisiert. Tatsächlich nennt Myre Varug ihre einzige Freundin und hört scheinbar eher ungern, wenn man das Geschöpf als „Tier“ bezeichnet. Wie der halbwegs aufmerksame Leser bereits aus dem ersten Band wissen dürfte verfügt Myre über ein gewisses Temperament. Meistens stellt sie zwar eine unbeteiligte Coolness zur Schau – das entbehrungsreiche Leben als Reisende in der Einöde hat sie offensichtlich hart gemacht – aber wenn der Fuchsdame etwas gegen den Strich geht, ihr jemand auf die Nerven fällt oder ihr sonst wie etwas nicht passt kann sie schnell zur pöbelnden Furie werden. Dass sie trotzdem sympathisch wirkt liegt wahrscheinlich an ihrem Verhältnis zu Varug, ihrem Selbstbewusstsein und der harten Welt in der sie lebt. Da entwickelt wohl jeder seine eigenen Abwehrmechanismen und lässt wenig an sich heran. Aufgelockert wird der zweite Band durch den recht lebhaften Dieb Lutz, der Myre in ziemliche Schwierigkeiten bringt. Für ein leises Schmunzeln außerdem ein gewisser Prophet dem Myre auf ihren unfreiwilligen Irrwegen unter der Stadt begegnet.
Kommen wir jedoch zur wahren Stärke des Comics: Den fantastischen Bildern. Die würde ich nämlich weniger als Zeichnungen, sondern eher als (digital erstellte) Gemälde bezeichnen. Jedes Panel – sei es ein Landschaftspanorama, eine Stadtimpression oder ein Portrait – würde großformatig gedruckt jede Wand verschönern. Alles wirkt lebendig und wahrlich phantastisch. Von Wüsten über orientalisch anmutende Märkte oder Stadtzüge und dschungelartige Wildnis bis hin zu vergessenen Tempelanlagen oder düsteren Sümpfen – der Comic bietet optische Abwechslung, die in jedem Setting zum Staunen bringen kann.
Dabei changiert der Stil zwischen eher skizzenhaften und groben Panels von der postapokalyptisch anmutenden Ödnis und extrem detailliert ausgearbeiteten Charakterstudien oder wimmelbildartigen Marktszenen. Überall gibt es ungemein viel zu entdecken. Und alles ist in ein geradezu magisches akribisch ausgefeiltes Licht getaucht, das den Bildern Tiefe verleiht.

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Beispiel für die tolle Panelaufteilung. © Splitter Verlag

Das Claudya „Alector Fencer“ Schmidt auch noch ein Händchen für gelungenes visuelles erzählen hat macht die für sich genommen großartigen Bilder in ihrer Gesamtheit auch zu einem guten Comic, der die Möglichkeiten des Mediums nutzt. Dass Myre über weite Strenge ohne ein gesprochenes Wort auskommt hat einen einfachen Grund: Der Comic braucht sie nicht. Jede Aktion spiegelt sich in den treffenden und gut zu lesenden Gesichtsausdrücken und Körperhaltungen jederzeit wieder. Egal ob es Myres Reaktion auf eklige Entdeckungen an den Marktständen oder Lutz‘ Enttäuschung auf Myres Reaktionen ihm gegenüber sind. Außerdem erzählt Schmidt sehr filmisch. Das macht sich vor allem bei den Panels bemerkbar. Die meiste Zeit sind die Panels klar strukturiert, geordnet und zeigen meist Aktion und Reaktion oder um es flimsprachlich zu sagen Schuss und Gegenschuss. Immer wieder wird dieses Muster durch großformatige Panoramen unterbrochen um a) das Geschehen zu verorten, b) die Welt aufzubauen und c) für „Oh Wow-Momente“ zu sorgen. Besonders fällt mir das filmische jedoch dann auf, wenn Frau Schmidt das filmische Mittel der Schnittmontage, wie man es entweder als schnelle Schnittfolgen in Actionsequenzen oder eher langsame mehrfache Überblendungen bei längeren Reisen aus Filmen kennt, für den Comic adaptiert. Dabei kommen Bilder heraus, die ohne Panelgrenzen fließend ineinander übergehen und doch strukturiert visuell erzählen. Ich weiß nicht wie ich das noch besser beschreiben könnte, aber das ist in jeden Fall ganz großes Comic-Kino!
Mit der Umsetzung im großzügigen Albumformat und als Hardcover setzt der Splitter Verlag den Comic außerdem in der einzig würdigen Art um. Auch das dicke Papier der Innenseiten, das ich irgendwo zwischen matt und seidenmatt einordnen würde, bringt die tristen in brauntönen gehaltenen Bilder der Ödnis ebenso gut zur Geltung wie die bunten lebendigen Stadtszenen oder das saftige Grün der Wildnis. Ein besonderes Schmankerl ist übrigens der Bonusteil. In dem sind einige Worte der Autorin und Zeichnerin über ihre Reise mit dem Projekt, Einblicke in den Entstehungsprozess und noch ein bisschen mehr zu finden.

Fazit

Myre ist auch im zweiten Band ganz große Comicliebe. Zwar ist die Handlung wieder recht überschaubar aber dank des gelungenen visuellen Storytellings, den phantastischen gemäldeartigen Bildern an denen man sich kaum sattsehen kann, der sympathischen Hauptfigur und der faszinierenden Welt fällt das gar nicht auf. Optisch toppt der zweite Band den ersten meiner Meinung nach sogar nochmal! Myres Reise in den Chroniken von Yria ist vielleicht die schönste Form die moderne Fantasy im Comic haben kann. Für Fantasyfans und Comiceinsteiger mit Hang zum phantastischen bekommt die Serie meine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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