Motor Girl – Gesamtausgabe

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© Schreiber & Leser

Fakten

Comic: Motor Girl – Gesamtausgabe
Autor & Zeichner: Terry Moore
Verlag: Schreiber & Leser (mit Leseprobe)
Sprache: Deutsch
Seiten: 224
Lesezeit: ca 100 Minuten
Format: 17,2 x 2,4 x 25,9 cm
Erschienen: 06.11.2018
Preis: 24,95 € (affiliate Link, Stand: 09.02.19)

Handlung

Afghanistan Veteranin Sam lebt und arbeitet zusammen mit dem sprechenden Gorilla Mike auf Libbys Schrottplatz mitten in der Wüste. Ihr Leben wird gehörig auf den Kopf gestellt als der mysteriöse Geschäftsmann Walton und seine Schläger anrücken um der alten Libby ihr Land abzukaufen. Als dann auch noch Ufos und Außerirdische auftauchen geht alles drunter und drüber…

Review

Es war soweit: Ich habe endlich meinen ersten Schreiber & Leser Comic gelesen. Man muss ja schließlich den eigenen Horizont stetig erweitern. Meine ziemlich spontane Auswahl fiel auf Terry Moores Motor Girl, der im November in Deutschland erschien.
Wie sich zeigen sollte war meine Wahl genau die richtige für mich. Denn Motor Girl bietet liebenswürdige (Frauen-)Figuren, eine Portion Drama aber auch jede Menge lustige und skurrile Situationen. Alles in allem also eine sehr bunte Mischung – trotz der recht reduzierten Schwarzweißzeichnungen. Der Stil ist auch das erste was direkt ins Auge springt. Darum drehe ich meine übliche Reihenfolge innerhalb der Reviews mal um. Die Zeichnungen erinnern in ihrer Art und Weise (nicht im Stil) nämlich stark an Manga – nur ohne die übliche Rasterfolie für Schattierungen. Terry Moore zeichnete in den meisten Panels lediglich die Outlines und verzichtet größtenteils auf Graustufen. Schatten und dunkle Flächen sind stets einfach nur schwarz. Kleinere Ausnahmen gibt es jedoch beispielsweise in den Nachtszenen oder im Morgengrauen, bei denen dann doch mal ein Helligkeitsverlauf in Graustufen zu finden ist oder Objekte und Figuren nicht so dunkel wie der schwarze Nachthimmel sind. Durch die extreme Reduktion auf schwarz und weiß und einzelne Panels ohne Übergänge wirkt der Comic sehr aufgeräumt und lässt sich wirklich gut und schnell erfassen. Der Stil der einzelnen Zeichnungen ist zudem stets der Absicht des Panels untergeordnet. Das äußert sich beispielsweise in Form rein weißer oder teils sehr skizzenhafter Hintergründe, wenn die Umgebungen irrelevant sind. In anderen Panels wiederum sind die Umgebungen sehr detailliert. Meistens dann, wenn sie uns etwas über die Charaktere, die sie beleben erzählen. Eines ist jedoch immer gleich, egal ob das Panel detailliert oder eher skizziert ist: Die Figuren, allen voran Sam, sind sehr Ausdrucksstart in ihrer Mimik, Gestik und allgemeinen Körpersprache. Der Gemütszustand lässt sich stets auf den ersten Blick ablesen. Ich war erst etwas skeptisch aber der Stil gefiel mir wirklich überraschend gut und war für den Comic sehr stimmig.
Die viel wichtigere Komponente des Comics ist jedoch die Story und ihre Hauptfigur Sam. Die taffe junge Frau, die für ihr leben gern an alten Autos herumwerkelt und auf Libbys Schrottplatz lebt und arbeitet, hat als Afghanistan Veteranin, die Attentate und Gefangenschaft überlebte, nämlich ein gehöriges Päckchen zu tragen. Ihre Arbeit auf dem Schrottplatz ihrer großmütterlichen Freundin Libby mitten im Nirgendwo ist für sie mehr als nur ein Job und eine Unterkunft. Sie ist für sie eine Flucht vor ihren Problemen, ihren Traumata. Samantha, die sich außerdem einen Dreck um Genderklischees schert, verkörpert gleichermaßen die starke, mutige und selbstbestimmte Soldatin und die sehr gezeichnete und verletzliche Mechanikerin, die sich davor fürchtet ihre selbsterschaffene Sicherheitsblase platzen zu lassen und sich ihren Traumata und Ängsten zu stellen. Unverkennbarer Teil dieser Blase ist der vermenschlichte Gorilla Mike, der Sam stets zur Seite steht. Er ist gleichzeitig ihr Beschützer, bester Freund und Gehilfe und nimmt einen wichtigen Platz in Sams Leben ein. Aber auch die alte Libby ist bemüht Sam zu helfen und ihr die Zeit zu geben die sie braucht. Trotzdem tritt sie der jungen Automechanikerin hin und wieder auch in den Hintern sich Hilfe zur Selbsthilfe zu suchen. Natürlich stößt sie dabei ständig auf taube Ohren. Kurzum: Die Hauptfiguren sind sehr nahbar, fühlen sich echt an und sind wirklich liebenswürdig.
Sowohl Libby als auch Sam haben also gute Gründe dem Deal mit Walton nicht zuzustimmen und den Schrottplatz und das umliegende Land aufzugeben, schließlich bedroht er damit unmittelbar Sams Refugium. Durch eben diesen drohenden Verlust häufen sich merkwürdige Ereignisse und stellt sich die Frage warum Walton das scheinbar wertlose Land unbedingt kaufen will. Wieso tauchen plötzlich Ufos auf und warum will Walton das Gelände nötigen Falls auch mit Gewalt an sich bringen? Und warum sind Waltons Schläger so unfähig? Alles Fragen, die sowohl die Figuren als auch den Leser beschäftigen. Über allem thront jedoch die alles entscheidende Frage: Was ist real, was ist Flashback und was Verdrängung dessen was eigentlich vor sich geht? Fragen denen der Comic eine absolute Gewissheit verweigert und damit völlig richtig liegt.

Fazit

Motor Girl ist ein charmanter, witziger aber auch dramatischer Comic über tiefe seelische Kriegswunden und Traumabewältigung. Trotz des schweren Themas kommt der Comic sehr leicht daher ohne die ernste Lage der wirklich sympathischen und nahbaren Hauptfigur zu vernachlässigen. Es geht gar nicht darum auf alle Fragen eine Antwort sondern sich selbst zu finden und sich seinen Dämonen zu stellen. Ich hatte wirklich viel Spaß mit Sam und Mike und der Comic hat mich bestens unterhalten. Allen die sich für das Thema erwärmen können spreche ich eine uneingeschränkte Empfehlung aus.

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