The Magic Order

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© Panini Comics

Fakten

Comic: The Magic Order
Autor: Mark Millar
Zeichner: Olivier Coipel
Kolorist: Dave Steward
Verlag: Panini Comics
Sprache: Deutsch
Seiten: 180
Lesezeit: ca 80 Minuten
Format: 16,9 x 1,5 x 25,9 cm
Erschienen: 28.05.2019
Preis: 17,00 € (affiliate Link)

Handlung

Magie ist echt! Doch seit tausenden Jahren weiß die Menschheit nichts davon oder von den übernatürlichen Bedrohungen aus Raum und Zeit oder anderen Dimensionen. Der Magic Order, unter Führung der Familie Moonstone, sorgt dafür, dass dies auch so bleibt und die Menschheit in Sicherheit leben kann. Doch die zwielichtige Madame Albany hetzt einen höchst talentierten magischen Killer auf die Familie Moonstone, um sie einen nach dem anderen auszuschalten und selbst den Magic Order zu übernehmen und die Geschicke der Zaubererwelt zu bestimmen. Darüber hinaus verwahrt der Orden ein altes und sehr mächtiges Artefakt, das Albany unbedingt in ihren Besitz bringen will…

Review

Mit The Magic Order hat es nun der erste Netflix-Comic nach Deutschland geschafft. Nachdem Marvel sich von dem Streamingriesen distanzierte suchte man 2017 nach neuen adaptierbaren Comicstoffen und schluckte schließlich Mark Millars Label Millarworld. Die Zusammenarbeit trägt mit diesem ersten neuen Werk nun Früchte und das erste Paperback erschein kürzlich bei Panini Comics. Warum das vielversprechend klingende Werk mich eher enttäuschte ich aber trotzdem optimistisch bin möchte ich nun kurz erläutern.
Vermarktet wurde der Comic nämlich als eine Mischung aus klassischem Mafia-Stoff der Marken der Pate oder die Sopranos und Harry Potter für Erwachsene. Was soll da schiefgehen? Wie sich zeigt einiges. Wobei ich hier bereits anmerken möchte, dass der Comic nicht so schlecht ist wie es hier den Anschein hat. Viel mehr ist es mein Ärger über das verschenkte Potential. Denn The Magic Order ist wirklich nicht schlecht. Aber eben leider auch nicht richtig gut. Wegen vieler kleiner Unzulänglichkeiten schafft es das Werk nicht über das Mittelmaß hinaus.
Dabei fängt die Story mit den ersten sehr kreativen und teils sehr brutalen – darf man bei Morden von „cool“ sprechen? – Morden an und Millar erschafft schon nach wenigen Seiten eine spannende Welt voller Ideen, die ich als Leser unbedingt weiter erkunden möchte. Im Zentrum der Handlung stehen die Geschwister Gabriel, Regan und Cordelia, die mit ihrem immer weiter schrumpfenden Familienkreis auf der Jagd nach dem Killer sind. Die eigentliche Krimi-Geschichte ist dabei sehr straff und straight forward erzählt und bietet bis auf den Twist wenige bis keine Überraschungen. Das Problem bei dem unglaublich hohen Erzähltempo ist jedoch, dass nur mäßige Spannung aufkommt und die finale Auflösung auch nicht allzu sehr überrascht. Den einen oder anderen kleinen gelungenen Twist gibt es aber trotzdem. Das größte Problem des Comics ist, dass er in sechs Kapiteln abgeschlossen ist aber eigentlich mindestens 12 füllen könnte und sollte. Die Story wirkt teils sehr gehetzt und hat ein paar Sprünge, welche mich beim Lesen etwas herausgerissen haben. Sie lässt aber gleichzeitig spüren, dass sie sich mehr Zeit für die Figuren nehmen wollte. Und das hätte sie unbedingt tun müssen! Denn die Geschichte konzentriert sich sehr auf die drei Hauptfiguren, denen es aber wegen der Kürze schlicht an Tiefe fehlt. Dabei bringen die Figuren viel Potential mit. Da wäre die rebellische Cordelia, ihres Zeichens Alkoholikerin, Entfesselungskünstlerin und Enttäuschung der Familie. Jedenfalls fühlt sie sich so, dabei hat sie jede Menge auf dem Kasten und im Kopf! Der zweite im Bunde ist ihr Bruder der Nachtclubbesitzer Regan. Der hat ein etwas Hitziges gemüht, strotzt vor Tatendrang aber stellt den Orden und die Familie immer an erste Stelle. Last but not least wäre da der hochbegabte Gabriel, der dem Orden und der Magie nach einem tragischen Unfall den Rücken gekehrt hat um sich und seine Frau zu schützen. Diese Figuren bieten jede Menge Ansätze für Charakterentwicklungen, Selbstzweifel und Möglichkeiten über sich hinauszuwachsen. Nur leider verpufft das ein wenig.
Würde der Comic mit den Zeichnungen von Olivier Coipel und den sehr stimmungsvollen Farben von Dave Steward nicht so großartig aussehen gäbe es weitaus weniger Leseanreiz. Neben den sehr ausdrucksstarken Figuren und ihren schicken Designs punktet der Comic auch mit schönen Hintergründen. Besonderes Highlight sind aber die Illustrationen der teils wirklich coolen und kreativen Magie. Davon sehe ich gern mehr! Wie dem Vorwort des Bandes zu entnehmen ist, war die Netflix Designabteilung bereits in die Entwicklung involviert, und das stimmt mich äußerst positiv!
Denn: The Magic Order wirkt nicht wie ein für sich stehender Comic. Viel mehr wirkt er wie die Zusammenfassung einer ziemlich spannenden Netflix-Serie! Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass der Streamingdienst die Story mit ansprechendem Cast und einem stärkeren Fokus auf die Figuren als Miniserie mit acht bis zehn Folgen auf dem Produktionsniveau von The Umbrella Academy umsetzt kann das bei den vielen coolen Ideen, der spannenden Welt und den Hauptfiguren ein richtiger Hit werden. Das wünsche ich The Magic Order, denn das ist die Form, die er verdient. Und ganz ehrlich: Der Comic wirkt auch mit einem Auge auf solch eine Umsetzung schielend geschrieben und produziert.

Fazit

The Magic Order ist trotz vieler guter und cooler Ideen als Comic nur mäßig gelungen. Er hat definitiv seine Momente, ist nie langweilig und punktet mit toller Optik, die jede Menge Schauwerte bietet. Leider bleiben die eigentlich interessanten Figuren bei der viel zu gehetzten Erzählung zu sehr auf der Strecke. Ich freue mich aber sehr auf eine ziemlich sichere Netflix-Umsetzung, die mit dem richtigen Fokus ziemlich gut werden sollte.

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