Lady Mechanika Bd. 1: Das Geheimnis der mechanischen Leiche

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© Splitter Verlag

Fakten

Comic: Lady Mechanika Band 1:
Das Geheimnis der mechanischen Leiche

Autor/Zeichner: Joe Benitez
Kolorist: Peter Steigerwald
Verlag: Splitter
Seiten: 112
Sprache: Deutsch
Lesezeit: ca. 80 Minuten
Format: 20,3 x 1,5 x 28,2 cm
Erschienen: 01.07.17
Preis: 19,80 € (affiliate Link)

Handlung

Britisches Weltreich am späten 19. Jahrhundert: Ein Mädchen mit mechanischen Gliedmaßen taucht am Bahnhof von Tomorrow City auf und erliegt noch vor Ort ihren schweren Verletzungen. Die Neuigkeiten über die Leiche rufen den Großindustriellen Waffenproduzenten Blackpool und seine Söldner auf den Plan. Er hofft das Geheimnis der mechanischen Gliedmaßen zu lüften und Waffenfähig zu machen. Doch auch Lady Mechanika interessiert sich für die Leiche. Sie erhofft sich von der Aufklärung des Mordfalls Erkenntnisse über ihre eigene Herkunft, denn auch sie hat mechanische Gliedmaßen und keine Erinnerungen an ihr Leben vor der Mechanisierung. Doch die beiden sind nicht die einzigen, die sich für den Fall interessieren…

Kurzreview

Nachdem der Band schon ein paar Monate in meinem Regal…. gereift ist und nun der zweite Band erschien habe ich endlich angefangen Lady Mechanika zu lesen!
Das vorgeschobene Bonuskapitel Nr. 0 möchte ich Storytechnisch einmal auslassen, da es nicht Teil der Hauptgeschichte des ersten Bandes ist. Es ist jedoch im Gesamtkontext durchaus bedeutsam, da es den späteren Gegenspieler Blackpool bereits einführt und wichtiger noch die Heldin Mechanika recht gut charakterisiert. Die Hauptstory ist eine recht klassische Krimi- oder Detektivgeschichte. Durch die Natur des Falles wird das Ganze für die Protagonistin auch noch persönlich. Das sorgt für eine stets vorhandene klar erkennbare Motivation der Hauptfigur. Das Erzähltempo ist im ersten Band noch nicht so sehr hoch, was der Serie als Exposition auch durchaus steht. Die größte Schwäche ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass der Comic häufig Bezug auf die Vergangenheit nimmt und dies sehr dialoglastig löst. Der Grundsatz „Nicht erzählen, sondern zeigen“, wie es dem Medium Comic eigentlich angemessen wäre, wird hier nicht unbedingt immer verfolgt. Mich persönlich störte das zwar weniger, aber es eher in Bildern statt in Worten zu lösen wäre wohl eleganter gewesen.
Dafür kann die Titelheldin als Protagonistin überzeugen. Denn wie eingangs erwähnt bringt sie erkennbare Motivationen mit. Darüber hinaus tritt die Lady Mechanika zwar immer souverän und selbstbewusst aber oftmals gar nicht so ladylike auf. Sie flucht, sie vermöbelt, sie schießt. Im Kampf ist sie gnadenlos und äußert Schlagfertig. Das zeigt sich aber auch auf verbaler Ebene. Um eine kesse Antwort ist sie nie verlegen. Andererseits beweist sie aber auch Einfühlungsvermögen und wirkt verletzlich, wenn jemand Hand an ihre mechanischen Teile anlegt. Um dem Absatz über die Optik des Comics etwas vorwegzunehmen muss ich hier natürlich kurz auf ihr Design eingehen, denn Mechanika ist schon auffallend sexy inszeniert. Stets kommt der „Male Gaze“ durch, was sich in teils arg sexualisierten Posen und der zugegebenermaßen schon ziemlich schicken viktorianischen Kleidung niederschlägt. Da die Figur aber als selbstbewusste und starke Frau inszeniert ist, die sich wohl vielleicht auch gerne selbst sexy gibt, geht für mich so wie es hier umgesetzt ist in Ordnung. Über die Gegenspieler und Mechanikas obligatorischen Teilzeitassistenten und einzigen Freund Lewis möchte ich an dieser Stelle einfach mal schweigen.
Auf der optischen Ebene kann der Comic von Zeichner und Autor Joe Benitez mit Farben von Peter Steigerwald auf jeden Fall überzeugen. Die überzeichneten Figuren mit markanten Gesichtszügen sind ziemlich Stilsicher und erinnern mich nicht zuletzt wegen des Steampunksettings an die Dishonored-Videospiele. Die viktorianische Kleidung der Figuren aber auch das entsprechende Interieur ist wirklich schick gezeichnet und kann bei mir sowieso immer punkten. Auch die gedeckte sehr stimmige Farbpalette und die gekonnte Lichtsetzung und die die Schattierungen können absolut überzeugen und machen den Großteil der Stimmung aus. Abgerundet wird der Band durch eine kleine Cover- und Skizzengalerie am Ende des wirklich schick gestalteten Hardcoverbuchs. Auch das dicke matte Papier der Innenseiten gefällt mir sehr.

Fazit

Der erste Band von Lady Mechanika funktioniert als Exposition für die Serie wunderbar. Die Hauptfigur und die Gegenspieler werden etabliert und die Marschroute für den weiteren Verlauf wird festgelegt. Das Tempo ist dabei allerdings noch nicht ganz so hoch. Dafür sorgt auch die manchmal recht unelegante Lösung viele Hintergründe über Dialoge statt durch Bilder zu erzählen. Dank der Protagonistin, der tollen Zeichnungen, des schicken Steampunksettings mit viktorianischem Flair und der Aussicht auf eine spannende Fortsetzung weckt der Comic jedoch Lust auf mehr.

Ein Kommentar zu „Lady Mechanika Bd. 1: Das Geheimnis der mechanischen Leiche

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